Sechzehneichen

28. November 2012 00:33

Wiesbaden (dpa). Das Reichen-Ghetto als Grusel-Utopie: An diesem Mittwoch (20.15 Uhr) zeigt die ARD den Gänsehaut-Thriller «Sechzehneichen». Der Film orientiert sich in weiten Teilen an dem Roman «Die Frauen von Stepford», den der US-Amerikaner Ira Marvin Levin im Jahr 1972 veröffentlichte.

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Laura Eichhorn (Heike Makatsch, links) und Ella (Sandra Borgmann). Foto: HR/Thomas Rusch

In der Interpretation des Hessischen Rundfunks spielen Heike Makatsch und Mark Waschke ein junges Elternpaar, das mit seiner Tochter der Großstadt Frankfurt entfliehen will. Sie ziehen in eine nach außen abgeschottete Reichen-Siedlung.

Sechzehneichen ist anders als normale Dörfer. Hohe Zäune umgeben die kleine Siedlung, und ein Sicherheitsdienst bewacht das Gelände. Elitäre Yuppies leben hier in großen, modernen Häusern mit riesigen Grundstücken und Parks. Unbefugten bleibt der Zutritt verwehrt. Für die junge Familie Laura (Makatsch) und Nils (Waschke) scheint Sechzehneichen zunächst das Paradies zu sein.

Als ein Kind ausbüxt, um jenseits des Zaunes mit Freunden zu spielen, bricht unter den Sechzehneichenern Panik aus. Das Schlimmste wird befürchtet, eine großangelegte Suche beginnt. An dieser Stelle nimmt der Film eine Wendung. Laura und Nils entfernen sich voneinander. Sie findet die Reaktion der Dorfbewohner überzogen, er setzt sich persönlich für die Entlassung des verantwortlichen Wachmanns ein und beginnt, sich in der Gemeinschaft zu engagieren.

Als ihm ein Gruppensex-Video der Sechzehneichener Männer mit einer ihrer Ehefrauen zugespielt wird, will Nils Teil dieser Seilschaft werden. Nach und nach wird klar: Alle Gattinnen in Sechzehneichen scheinen auf mysteriöse Weise einer Männerfantasie zu gleichen: Sie sind schön, angepasst und willig. Nur Nils' Frau Laura nicht. Sie ist klug und hat ihren eigenen Kopf. Vom Geheimbund der Männer angestachelt, will Nils Laura mit düsteren Methoden auf Linie bringen. Doch die durchschaut sein Spiel.

Der Zuschauer ahnt früh, welches Schicksal die schönen Frauen von Sechzehneichen erlitten haben. Sicher ist er sich erst spät. So hält Regisseur und Mitautor Hendrik Handloegten, der auch das Drehbuch von «Was nützt die Liebe in Gedanken» und «Fenster zum Sommer» schrieb, über lange Strecken die Spannung. Die Filmmusik verbreitet Spukschloss-Atmosphäre.

Handloegten wagt den Versuch, die Genres Liebesdrama, Psychothriller und Science-Fiction-Utopie in einen Film zu packen. Das gelingt aber nur bedingt. In der dichten Handlung scheint der Regisseur keine Zeit zu haben, die einzelnen Schritte der Geschichte überzeugend zu gestalten. So bricht die zunächst glückliche Ehe von Laura und Nils jäh innerhalb weniger Tage.

Erfrischend sind dagegen die deus-ex-machina-Auftritte des 22-jährigen Jonas Nay als tennisspielender Sohn einer ansässigen Familie. Er warnt Laura (und den Zuschauer) an Schlüsselstellen des Films vor den dunklen Geheimnissen von Sechzehneichen, dem vordergründig perfekten Idyll.

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