Unterschiedliche Meinungen: Dorsten diskutiert über verkaufsoffene Sonntage

Von Klaus-Dieter Krause am 03. Februar 2012 06:54

DORSTEN. Statt der rechtlich möglichen 44 erlaubt der Rat in allen elf Dorstener Ortsteilen nur 14 verkaufsoffene Sonntage pro Jahr. Nun gibt es jedoch in Düsseldorf Bestrebungen, diese Zahl auf vier pro Stadt und Jahr zu beschränken. Dis Diskussion ist auch in Dorsten in vollem Gange.

links
1/1
rechts

Kirche oder Kommerz? So schlicht lässt sich die Frage nach Sinn oder Unsinn verkaufsoffener Sonntage nicht zuspitzen. Es gilt für den Rat wie für den Gesetzgeber, das Für und Wider sorgfältig abzuwägen und das Kunststück hinzukriegen, einen von allen akzeptierten Kompromiss zu schaffen.

Archiv

"Das aber würde einer Flächenstadt wie Dorsten nicht gerecht", erklärt Stephan Reken (DIA). Die Regelung habe sich bewährt, vier solcher Sonntage im Zentrum seien für die Stadt und Bürger richtig. Und das Konzept seit mit den Zusatz-Terminen der Ortsteile gut abgestimmt.

"Mehr verkaufsoffene Sonntage wären aber absolut falsch", lehnt Reken weitere Begehrlichkeiten strikt ab, "Freizeit ist ein hohes Gut, das man schützen muss. Ich ziehe daher meinen Hut vor den Mitarbeitern, die sich bereit erklären, an Sonntagen zu arbeiten."

Wettbewerbsverzerrung

Jede Stadt, die mehr als vier Sonntags-Termine pro Ortsteil beanspruche, müsse dafür kräftig zur Kasse gebeten werden. Kritisch sieht Reken daher die Ausnahmegenehmigung für Haltern, wo jeder erste Sonntag im Monat verkaufsoffen ist.

Eine ähnliche Wettbewerbsverzerrung sieht Ralf Honsel in vielen Großstädten. "Durch geschickte Terminwahl in angrenzenden Stadtteilen und Sonderöffnungen an Bahnhöfen kann dort quasi jeden Sonntag bei irgendwelchen Großfilialisten eingekauft werden." Daher seien, so Honsel, in Dorstens Innenstadt vier Sonntage notwendig, um sich gegen die Einkaufszentren der Ballungsräume behaupten zu können.


Die Interessen abwägen

In Dorstens Vororten habe man in der Abwägung zwischen Kunden- sowie auf der anderen Seite Anwohner-, Arbeitnehmer- und Kircheninteressen die richtige Entscheidung getroffen, meint der Holsterhausener Kaufmann: "Die Beschränkung auf maximal zwei derartige Sonntage gilt fast überall."

Mit ihm auf einer Wellenlänge liegt Tobias Stockhoff. Der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses sieht keinen Änderungsbedarf, weil die Werbegemeinschaften sehr verantwortungsvoll mit dieser Frage umgingen: "Die verkaufsoffenen Sonntage sind fast immer verbunden mit Festen oder besondern Märkten und damit auch zusätzliche Frequenzbringer für diese Veranstaltungen."

"Freier Sonntag ist Kulturgut"

Und wie sehen es die Kirchen? Der katholische Pfarrer Jürgen Zahn begründet sein Plädoyer für den kommerzfreien Sonntag nicht nur damit, dass dieser Tag ihm als Christ heilig ist: "Zudem ist der freie Sonntag ungeheuer wichtig für den Rhythmus von Arbeit und Entspannung, als Kulturgut und für familiäre und soziale Kontakte."

Sein evangelischer Amtskollege Dr. Hans-Udo Schneider erinnert an das erste Ladenschluss-Gesetz vom 1. Oktober 1900: "Der freie Sonntag ist eine Errungenschaft der modernen Zeit und musste schwer erkämpft werden. Heute steht er immer wieder zur Disposition - und mit ihm der Sozialstaat."

Zu Lasten der Frauen

Aneta Marx (WinDor) plädiert dafür, das richtige Maß zu behalten, aber auch die vielen kleinen Einzelhändler nicht zu vergessen, die hart um ihre Existenz kämpfen müssen und sich daher möglichst viele verkaufsoffene Sonntage wünschen.

Für eine Reduzierung tritt verdi-Gewerkschaftssekretär Ortwin Auner ein: "Vier verkaufsoffene Sonntage sind genug!" Und Vera Konieczka, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, erinnert an die Haupt-Leidtragenden: "Jede Freigabe eines verkaufsoffenen Sonntags trifft insbesondere die Frauen, die als Verkäuferinnen zusätzlich belastet werden."

Anzeigen

Bildergalerien

Schützenfest Lippe

Schützenfest Lippe

Schützenfest Lippe: Es wurde getanzt, gefeiert und natürlich auf den Vogel geschossen.

Auto im Kanal an der Wulfener Straße

Im Kanal an der Wulfener Straße wurde ein versunkenes Auto entdeckt und geborgen.

Konzert der Jüngsten in der Aula des ASGSG  2012 Foto:Ralf Deinl

Konzert der Jüngsten 2012

Alle Bilder zum Konzert der Jüngsten in der Aula des ASGSG finden Sie hier.

MZL_Zeltfest

Tanz in den Mai

Der Mai ist angekommen. Und zwar gewaltig. Mehr als 1000 Gäste begrüßten im Festzelt der Marler Landjugend rockend den Mai. Aber auch an anderen Orten wurde ordentlich gefeiert.

Weinfest Hüls April 2012

Alle Bilder vom Weinfest 2012 in Hüls finden Sie hier.

Meistgelesen: Marl

NRW-Liga
1

VfB Hüls - SV Schermbeck 4:1

Liveticker VfB Hüls

Live-Ticker zum Nachlesen. mehr...

Prominenter Besucher beim Training
2

Asamoah hat Herz für Hamm

Ex-DJ

Prominenter Besuch hat sich beim Freitagabend-Training des Fußball-Kreisligisten SC Marl-Hamm angekündigt. mehr...

Krach im Rat der Stadt
3

Politiker können den schleichenden Verfall nicht mehr sehen

Karstadt

Holger Beyer von der „buergerunion“ (bum) fand im Rat nur ein Wort für den Anblick, der sich dem City-Besucher nicht nur vom Creiler Platz aus bietet: „Trostlos“. Die Politik hat hier nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, für Abhilfe zu sorgen – aber die will sie nutzen. mehr...

Hoher Schaden bei Unfall an der Nordstraße
4

Beim Linksabbiegen auf Lkw gekracht

Eingeschaltetes Blaulicht

Mit einem hohen Sachschaden endete die Auto-Fahrt eines Halterners auf der Nordstraße. mehr...

Stadt-Haushalt in der Krise
5

Auftakt des großen Millionen-Pokers

kopie Finanzen, Geld, Teaser

Die in der nächsten Woche beginnende Sitzungsfolge der Rats-Fachausschüsse ist alles andere als Routine-Sache. Es geht um das seit Monaten erwartete Millionen-Spiel, von dem vieles abhängt. mehr...

Lade TED
 
Ted wird geladen, bitte warten...
 


Ihre Zeitung bei Facebook

Blog von Robert Klose

Robert Klose

Sie verstehen Spaß? Gut. Sie mögen schwarzen Humor? Besser. Sie können über sich selbst lachen? Optimal! Dann fühlen Sie sich bei mir bestimmt wie zu Hause. Ich bin Robert Klose, 53 Jahre alt, Redakteur, immer zu Seitenhieben aufgelegt. Los geht's.

Praktikanten-Blog

An dieser Stelle finden Sie Beiträge von Praktikanten in unserer Lokalredaktion Marl.

Blog von Jörg Müller

Jörg Müller

Neues Jahr - neues Glück. Das gilt für mich weiterhin fürs Abnehmen. Mein Name ist Jörg Müller, ich bin 49 Jahre alt - und ich will (noch) schlanker werden!

Blog von Tamina Urbaniak

Urbaniak

Das Internet ist für mich das, was dem Fisch sein Wasser, dem Stim sein Berg und der Zeitung ihre Buchstaben sind. Ich heiße Tamina Urbaniak (37), und ich notiere hier regelmäßig für Sie, was mir Be- oder Aufmerkenswertes begegnet.

Unsere Serien im Überblick

Sie haben den Teil einer Serie aus unserer Zeitung verpasst? Kein Problem! In unserem Online-Archiv finden Sie alle aktuellen und bisherigen Artikel aus unseren Themen-Serien.