„Stadt bedauert es, wenn Firmen nicht gehalten werden können“

13. Januar 2012 11:32

Von: Nele Däubler, Pressesprecherin der Stadt Herten — Betr.: Berichte „Ein Stück ,Innovation City‘ für Marl“ und „Hiesige Firmen werden zu wenig unterstützt“ — Hertener Allgemeine vom 3. und 12. Januar

Natürlich ist es immer bedauerlich, wenn ein Unternehmen Herten verlässt – wie es bei der Firma Toplak der Fall ist – oder ein Unternehmen sich letztendlich für einen anderen Standort entscheidet, so wie bei der Kfz-Innung geschehen. Solche Entscheidungen werden nach langen Prozessen mit vielen Akteuren, persönlichen Interessen und komplexen Beweggründen gefällt. Einen solchen Vorgang auf wenige Zeilen in der Zeitung nachvollziehbar, fair und umfassend zu reduzieren, ist sicherlich nicht leicht umsetzbar. Das macht der Artikel zum Thema Toplak in der Hertener Allgemeinen vom 10. Januar deutlich. Leider haben die Redakteure der HA , entgegen guten journalistischen Gepflogenheiten, weder um eine Stellungnahme zum Sachverhalt gebeten noch selbst Einblick in erläuternde Schriftstücke genommen. In zahlreichen Schreiben, die der Stadtverwaltung vorliegen, stellt sich die Sachlage nämlich weitaus vielschichtiger dar. Fakt ist: Das Vorhaben von Herrn Toplak wurde jederzeit ernst genommen. Falsch ist, dass er Anfang 2009 an die Wirtschaftsförderung herantrat. Vielmehr unterhielt man sich im April 2010 erstmals über seine Idee. Ihm wurden zwischen April 2010 und November 2010 mehrere Gewerbeimmobilien und Standorte für verschiedene Nutzungsformen angeboten. Auch gab es weitere Gespräche mit der Verwaltung. Die Entscheidung, ob solche Angebote angenommen werden, obliegt dem Unternehmer. Die erwähnte E-Mail an Bürgermeister Dr. Uli Paetzel erfolgte erst im Juli 2011, als Herr Toplak seine Entscheidung für den Marler Standort schon getroffen hatte. Leider lief die Kommunikation auf beiden Seiten nicht verlässlich genug – dies ist von Seiten der Verwaltung ausgeräumt worden. Zur neuen Niederlassung der vestischen Kfz-Innung sollte klargestellt werden, dass es mehrfach ausführliche Gespräche und Begehungen mit der Kfz-Innung und Mitarbeitern des Projektbüros sowie der RAG Montan Immobilien GmbH gab. Für die Vertreter der Innung kam ausschließlich und auf eigenen Wunsch nur der Standort in Westerholt infrage. Zutreffende Flächen konnten jedoch nicht in dem gewünschten Zeitraum zur Verfügung gestellt werden, da der Rückzug des Bergbaubetriebs auf Westerholt ansteht. Die dann angebotenen Gewerbeimmobilien wurden durch die Innung geprüft, aber entsprachen leider nicht den Vorstellungen der Innung. Die Zusammenarbeit wurde von der Kfz-Innung als positiv gewertet. Die Stadt bedauert es natürlich, wenn Unternehmen nicht gehalten werden können oder eine Ansiedlung nicht erfolgreich umgesetzt werden kann. Allerdings begrüßen wir es in diesen Fällen außerordentlich, wenn solche Unternehmen dann in Nachbarstädten das geeignete Grundstück finden. Dies ist auch im Sinne der stetig vorangetriebenen interkommunalen Zusammenarbeit. Fest steht: Was die Region stärkt, stärkt auch gleichzeitig immer die eigene Stadt. Eine solche Position wird in der Regel ja auch von Journalisten in Kommentaren gerne eingefordert. Leider kann die Stadt Herten nicht jedem Unternehmer immer das exakt passende Grundstück anbieten. Das kann auch in Zukunft wieder so passieren und betrifft natürlich alle Städte gleichermaßen. Insgesamt kann die städtische Wirtschaftsförderung eine durchaus positive Bilanz der letzten Jahre ziehen: So erwarben die Pflegeeinrichtungen Kirsch ein Gewerbegebiet, um dort ihre neue Verwaltungszentrale zu bauen. Weitere aktuelle Beispiele aus dem letzten Jahr sind Zeller, Bubimex, Primas, Schober Logistik in Herten-Süd oder ein kleines Dienstleistungsunternehmen der Kreativwirtschaft, das sich auf Ewald angesiedelt hat. Festzustellen ist, dass in den letzten fünf Jahren über 3 000 Arbeitsplätze in Herten entstanden sind. Das bedeutet eine Steigerung seit 2006 um 23,5 Prozent (in 2006: 12 993, in 2010: 15 585 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte zum Stichtag 30.06.). Dieser Zuwachs wurde unter anderem möglich, weil die Stadt Herten mit ihren Wirtschaftsförderungsaktivitäten die Rahmenbedingungen für ein solches Wachstum positiv mitgestaltet hat. Mit der erfolgreichen Entwicklung auf Ewald konnten dort über 1 200 Arbeitsplätze entstehen. Mit der jetzt begonnenen Entwicklung von Schlägel & Eisen wird im Übrigen ein neues Flächenangebot für kleine und mittlere Unternehmen geschaffen. Gerne nimmt die Stadt Herten konstruktive Kritik an und wird auch in Zukunft ihre Prozesse reflektieren. Die in der kommenden Ratssitzung einzubringende Fortschreibung des Wirtschaftsförderungskonzepts wird der Komplexität dieses wichtigen Bereichs entsprechend Rechnung tragen.

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