Altkleider-Sammlungen: Guter Zweck ist oft nur vorgetäuscht

Heinz-Peter Mohr am 02. Februar 2010 09:00

MARL. Sie bitten die Bürger um Altkleider-Spenden für „gute Zwecke", drücken auf die Tränendrüse, geben vor, Not leidenden Kindern zu helfen. Doch unter dem Mantel gemeinnütziger Organisationen verstecken sich oft kommerzielle Unternehmen, warnt die Verbraucherzentrale.

Erst kürzlich fanden die Marler Flugzettel eines „Vereins zur Kontaktpflege mit Behinderten“ in den Briefkästen. Vor diesem Verein warnte zum Beispiel die Stadt Hattingen ihre Bürger und hat ihn mehrfach abgemahnt.

Wie kann man seriöse von unseriösen Spendensammlungen unterscheiden? Schwer, sagt Reint Jan Vos von der Marler Verbraucherzentrale. Denn selbst bekannte Wohlfahrtsverbände gäben ihre guten Namen für Altkleider-Sammlungen her. Kommerz-Unternehmen kauften ihnen dann die Ware ab, verkauften sie in Entwicklungsländern und vernichteten dort die Existenzgrundlage von Textilbetrieben. Viele Jugendliche und Frauen in afrikanischen Ländern leben vom Umarbeiten gebrauchter Kleidung oder vom Handel damit.

„Menschen spenden und denken, dass mit ihren Altkleidern Gutes passiert“, sagt Reint Jan Vos. Doch viele Organisationen wüssten selbst nicht, was mit der von ihnen gesammelten Kleidung geschieht. „Der Altkleidermarkt ist undurchsichtig.“

Woran erkennt man seriöse Altkleidersammlungen? Nach Meinung der Verbraucherzentrale bürgt einzig das Zeichen von „Fairwertung“ für Seriosität. Mitglieder dieses Verbands sind katholische und evangelische Einrichtungen, die langjährige Erfahrungen mit Altkleidersammlungen haben. 

Ausgezeichnet sind die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) und die Katholische Arbeiterbewegung KAB. Sie haben Container aufgestellt an der Friedrich-Wilhelm-Weber-Straße (St. Pius), Justus-von-Liebig-Straße (St. Michael), Wiesenstraße/Karl-Liebknecht-Straße und an der Römerstraße/Tannenstraße.
Als seriös gelten auch die Sammlungen der Evangelischen Stadtk0irchengemeinde zugunsten von Bethel. Standorte sind am Philipp-Nicolai-Haus in der Gebrüder-Grimmstraße 8 und an der Christuskirche, Lipper Weg 111-117.

Die werkstatt brassert verkauft ihre Altkleider selbst – und zwar in Marl. Hier stellt sie seit Jahren Container auf. Vor zwei Jahren sammelte sie 15,6 Tonnen Altkleider an den 21 Standorten. Die Beschäftigten der werkstatt flicken und waschen die Altkleider, nähen Knöpfe daran und verkaufen sie im Kaufhaus an der Lassallestraße, teilt Geschäftsführer Rolf Hentschke auf Anfrage mit. Nach Abzug aller Kosten blieb ein Reinerlös von 40 000 Euro.

Mehr zum Thema lesen Sie in Ihrer Marler Zeitung.

Weitere Informationen im Internet unter www.label-online.de unter Suche nach Kategorien, Textilien, Bekleidung
und unter www.FairWertung.de

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