Günter Wunschick in seinen beiden Paraderollen: Einmal als Abteilungsleiter bei der Vestischen...
Trainerteam hat genervt
„Viele Vereine haben Betreuer, denen man oft aus sozialen Gründen diese Aufgabe gibt. Das finde ich auch gut. Ich muss zugeben, dass ich mich da schon oft von den anderen meiner Kollegen unterscheide“, erzählt der 58-Jährige. Er ist eigentlich nur zu dem Job gekommen, weil er sich vom Trainerteam um Klaus Täuber, Holger Jahnke, Wolfgang Heisterkamp und Uli Brenner vor der Saison 2009/2010 genervt fühlte.
„Die fragten immer wieder an und irgendwann habe ich Ja gesagt, damit ich meine Ruhe habe. Mittlerweile habe ich aber richtig Spaß an dem Job“, erzählt er die Entstehungsgeschichte. Er wehrt sich aber gegen den Begriff „Zeugwart“. Der wäre absolut nicht angebracht. Er sorgt für die richtige Kleidung der Kicker bei Spielen und beim Training und anschließend mit Rosi Dobersek für die Wäsche, mischt Getränke, kümmert sich um die Kabinen, Bälle, Trainingsutensillien und vieles mehr.
Eingefleischter Schalke-Fan
„Olaf Thon nannte mich Facility-Manager. Wenn irgendwo was fehlt oder gebraucht wird, dann habe ich meistens alles parat“, sagt der Schalke-Fan, für den die Zusammenarbeit mit Thon etwas Einmaliges war und wovon er noch heute schwärmt. „Natürlich war es für mich als Schalker was besonderes, plötzlich mit ihm ganz eng zusammen zu arbeiten. Auch wenn ich unter ihm viel mehr Arbeit hatte als unter Klaus Täuber, der ebenfalls ein riesen Typ war, oder jetzt unter Martin Schmidt. Der hat zwar keinen großen Namen wie seine beiden Vorgänger, ist aber ein richtig guter Trainer“, schwärmt Wunschick über seine bisher drei erlebten Chef-Trainer.
Gut 100 Stunden im Monat arbeitet er für den VfB und fährt dafür mit seinem PKW um die 300 Kilometer. Er ist der erste, der vor den Trainingseinheiten und Spielen an den Badeweiher kommt, und der letzte, der geht. Ihm wirft auch niemand einfach sein dreckiges Leibchen vor die Füße. Der Respekt ist auf beiden Seiten da. Wunschick hat sogar einen eigenen Paragraphen im internen Strafgeldkatalog. Wer nicht seine Anweisungen befolgt, wird empfindlich zur Kasse gebeten. Aber so weit kommt es nur sehr selten.
Absolute Schweigepflicht
„Viele Spieler klagen mir auch ihr sportliches oder privates Leid. Aber da habe ich Schweigepflicht. Auch gegenüber den Trainern. Was in der Trainerkabine gesprochen wird, kommt nicht in die Mannschaftskabine und umgekehrt ist es natürlich auch so“, erläutert der Betreuer. Wie alle Beteiligten am Badeweiher ist er vom Umfeld und den professionellen Bedingungen begeistert. Die, die er für seine Arbeit vorfindet, sieht er schon ganz nah am Profibereich.
Kritik übt er aber trotzdem auch: „Für jedes Paar Stutzen, was ich neu brauche, und für jede sonstige benötigte Neuanschaffung muss ich den Weg über den Vorstand gehen. Das dürfte gerne etwas unbürokratischer gehen. Das kostet manchmal Zeit und Nerven. Ich verwalte hier enorme Werte und habe für alle Bereiche Schlüsselgewalt, muss mir aber für jede Anschaffung grünes Licht holen.“
Noch keine schwerwiegenden Fehler
Ein besonderes Ritual hat er bei seiner Arbeit nicht, auch hegt er keinen Aberglauben. „Stimmt, sowas müsste man eigentlich in dem Job haben“, denkt Wunschick darüber nach. Stolz ist er darauf, dass er bisher keine Fehler gemacht hat. Zumindest keine schwerwiegenden. „Einmal fragte ich die Spieler vor einem Auswärtsspiel, ob sie ein kurz- oder langärmeliges Trikot haben wollen. Vor Ort stelle ich dann fest, dass ich dabei die Wünsche alle vertauscht habe. Aber ich habe nie was vergessen, immer die richtige Trikotfarbe mitgenommen“, blickt Wunschick zufrieden zurück.
Die Arbeit spannt ihn voll ein. Fast jeden Tag. Er ist geschieden und momentan Single. Somit erklärt sich die Antwort fast von alleine auf die Frage, wie lange er den Job noch machen will. „Bis ich wieder eine Frau habe“, lacht Wunschick. Auch wenn er dann ganz sicher die tolle Stimmung im Trainerteam vermissen würde. „Durch verschiedene Operationen kann ich halt nicht mehr selber spielen, sonst würde ich bei den Alten Herren noch richtig Gas geben. Aber ich brauche den Fußball und so bin ich auch richtig nah dran und habe mit allen viel Spaß“, outet sich Wunschick als Fußballjunkie.
Mag sein Aufgabenfeld auch noch so vielfältig und zeitaufwändig sein, bei einer Sache ist er sich aber ganz sicher: „Den Mannschaftsbus werde ich nie fahren.“ Busse lässt er dann lieber fahren, am besten reibungslos. In seinem Hauptberuf. Über 230 Stück. Bevor er sich dann abends und am Wochenende um 20 Hülser Kicker kümmert.








