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Kam gut beim (jungen Publikum) an: Woyzeck im Theater Marl, eine Inszenierung des Bochumer Schauspielhauses. Foto: Stefan Pieper
Der tiefe Ernst, der im Schicksal des Woyzecks liegt, jene tragischen Verkettungen aus feindlicher Außenwelt, tiefer Erniedrigung und schließlich einem blutrünstigen Eifersuchtsdrama, wird unter Böschs Regie lakonisch-verspielt mit viel Sarkasmus, ja, einem gewissen doppelbödigen Spaßfaktor umgesetzt. Das lässt die Zuschauer genug kritische Distanz fühlen, um sich selbst in einer besseren Welt zu verorten – was ja auch beruhigend ist.
Alle sind Verletzte und Opfer in diesem Spiel. In einen merkwürdigen Gummianzug gekleidet, gibt Woyzeck (Florian Lange) sich für zweifelhafte medizinische Experimente her und erfährt auch sonst nichts als Erniedrigung. Opfer ist auch jener Hauptmann (Holger Kunkel), für den Woyzeck knechten muss, und der hier als zynischer Krüppel im Rollstuhl auftritt und längst zur bösen Karikatur seiner selbst erstarrt ist. Über allem erhebt sich der Himmel als kreisrundes, kaltes schwarzes Loch (Bühnenbild: Patrick Bannward).
Bösch setzt auf eine suggestive und durchaus provokante Bildkraft, die mit ihrer latenten Rammstein-Ästhetik den Nerv des jungen Publikums trifft. Dies besteht an diesem Abend im TM vor allem aus Gymnasiasten, in deren Herzen sich die Bochumer Schauspieler durch ihr temperamentvolles Agieren auf Anhieb spielen. Dafür werden sie schließlich enthusiastisch gefeiert.
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