Nadja (6): Wenn Ärzte verzweifeln

Von Heinz Sünder am 04. Januar 2012 12:07

CHISINAU/MOLDAWIEN.. Wenn man Nadja (6) so sieht, dann fällt einem nur eins ein: „Was ist das für ein zerbrechliches Kind.“ Klein, unendlich zart, schmiegt sie sich an ihre Mutter Alijana. Das Mädchen ist ein Sorgenkind, ein Problemfall, mit dem das Team in der nur schlecht ausgestatteten Kinderabteilung des Instituts für Onkologie in Chisinau ganz sicher überfordert ist.

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Nadjas Leidensgeschichte ist lang: Schilddrüsenkrebs, dazu ein Hirntumor. So lange das Kind so schwach ist, können die Ärzte nicht mit der Chemotherapie beginnen. Mutter Alijana gibt die Hoffnung nicht auf. --Foto: Sünder

Um die Möglichkeiten der Behandlung hier in der moldawischen Hauptstadt zu verbessern, haben wir dieser Kinderstation unsere Weihnachts-Spendenaktion 2011 gewidmet. Unsere Aktion werden wir am kommenden Samstag abschließen.
Ihr bisheriges Leben war für Nadja ein einziger Leidensweg – wie dieser Leidensweg enden wird, das ist noch sehr ungewiss. Nadja kommt aus einem Dorf weit weg von Chisinau. Als erstes entdeckte man, dass sie ganz offenbar an einer Erkrankung der Schilddrüse leidet. Sie wurde mit eine Jodkur behandelt, nach Ursachen wurde nicht weiter geforscht.
Dann fiel auf, dass sie kaum sprechen lernte. Mit vier sprach sie noch wie eine Zweijährige. „Eine Spätentwicklerin, das gibt sich“, wurde die Mutter getröstet. Dann kam es zu Störungen in der Motorik, das Kind konnte kaum gehen.
Jetzt weiß man: Nadja hat einen Schilddrüsentumor und einen Hirntumor. Vor einem halben Jahr wurde sie an der Schilddrüse operiert, danach lag sie drei Wochen lang im Koma. Sie kann aus eigener Kraft nicht gehen, muss getragen werden. Ihr Regenerationsprozess ist sehr schwierig und geht sehr langsam voran. Sie kann nicht mit einer Chemotherapie behandelt werden, so lange sie nicht wieder einigermaßen hergestellt ist. Sie sollte aber so schnell wie möglich behandelt werden, damit der Tumor gestoppt werden kann. Ein Teufelskreis, aus dem kein Entrinnen erkennbar ist.
Die Mutter klammerte sich an jeden Strohhalm, sieht Besserung, wo keine ist. Sie kommt immer wieder zu den Ärzten: „Heute hat sie sich bewegt, heute hat sie ein paar Schritte gemacht, heute hat sie mit mir geredet.“ Mütter geben nicht auf, setzen große Selbstüberzeugungskräfte frei. Das ist eigentlich positiv, weil sie diese Kräfte ja aufs Kind übertragen. Aber bei Nadja sind sich die Ärzte nicht sicher, ob sie das noch realisiert. Dr. Irina Plaschevici, die Leiterin der Kinderstation, sagt: „Das Kind ist schon sehr weit weg uns.“ Nadja müsste eine Kombinationsbehandlung haben, die ist hier nicht möglich. Zur Zeit bekommt sie eine Spezialbehandlung, um sie zu stabilisieren.
Nadjas Mutter gibt ihr das, was sie dringend braucht: mütterliche Liebe, zärtliche Berührung, Wärme und Zuversicht. Sie versucht immer wieder, zu ihrer Tochter durchzudringen, sie zu erreichen. Aber Mütter haben gut entwickelte Instinkte. Und wenn man Alijanas Augen sieht, dann sieht man die Verzweiflung und die Angst, die hinter der Hoffnung steht.
Draußen auf dem Flur haben wir Dr. Plaschevici gefragt: „Welche Chancen hat Nadja? Wird sie es schaffen?“ Im Weitergehen hat Dr. Plaschevici leise und verzweifelt gesagt: „Die Chancen sind nicht sehr groß. Nicht unter diesen Umständen.“ Damit meint sie vor allem die schlechte Ausstattung der Station, die mangelhaften Behandlungsmöglichkeiten, das Fehlen weiterer, speziell ausgebildeter Ärzte. Es sind „diese Umstände“, die wir mit unserer diesjährigen Weihnachtsaktion und Ihrer Hilfe ändern wollen. Dafür bitten wir Sie um Ihre Spenden.

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