JVA Bochum: Ausbrecher gilt als gefährlich - Polizei geht Hinweisen nach

dpa am 31. Januar 2012 09:59

BOCHUM. Auch am dritten Tag nach seinem Ausbruch aus der JVA Bochum ist der 47-jährige Häftling weiter auf der Flucht. Nach der Veröffentlichung eines Fotos geht die Polizei jetzt Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Der Mann gilt nun doch als gefährlich, hat möglicherweise auch getötet. Davon wusste in der JVA nur niemand.

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Der 47 Jahre alte Krzysztof Jeszke war aus der JVA Bochum geflohen. Foto: Polizei Bochum

"Wir fahnden intensiv nach dem Mann und gehen den Hinweisen aus der Bevölkerung nach“, sagte ein Sprecher der Polizei Bochum am Dienstagmorgen.

Der Ausbrecher aus dem Bochumer Gefängnis ist nach neuen Erkenntnissen nun doch kein kleiner Ladendieb, sondern hat möglicherweise einen Menschen umgebracht. Gegen den am Sonntag ausgebrochenen Krzysztof Jeszke werde in Polen wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts ermittelt, teilte das Justizministerium in Düsseldorf am Montag mit und bestätigte einen „Bild“-Vorabbericht. Der Mann sollte nächsten Monat entlassen und nach Polen ausgeliefert werden. Er gilt nach Polizeiangaben als „potenziell gewalttätig“. Die Opposition im NRW-Landtag sprach von einem „Justizskandal“.


 
„Für uns bekommt der Fall damit ein anderes Gewicht“, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Man müsse möglicherweise eine stärkere Gewaltbereitschaft bei dem flüchtigen 47-Jährigen befürchten. Jeszke wird in Polen Brandstiftung mit Todesfolge vorgeworfen, die Tat geschah im Jahr 2003. „Das war der JVA in Bochum nicht bekannt.“ Der 47-Jährige saß in Deutschland hinter Gittern, weil er im Raum Recklinghausen immer wieder in Drogeriemärkten gestohlen hatte.

„Das ist ein Dieb“, hatte Anstaltsleiter Friedhelm von Meißner noch wenige Stunden vor Bekanntwerden der neuen Vorwürfe im WDR-Interview gesagt. „Er hat hochwertige Drogerieartikel geklaut. Und die hat er an seinen Dealer vertickt. Das ist kein Gefährlicher, das ist ein Kleinkrimineller“, sagte von Meißner am Montagvormittag.
Das Ministerium verwies darauf, der Häftling habe sich in seiner Zeit in Bochumer Haft „sehr gut geführt“.

Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) habe sich nach dem Ausbruch über die Hintergründe des polnischen Auslieferungsgesuchs kundig gemacht. Gegen den 47-Jährigen liegt ein europäischer Haftbefehl vor. „Die gestern geäußerte Einschätzung, es handele sich um einen Kleinkriminellen, kann so jedenfalls nicht aufrechterhalten werden“, stellte das Ministerium am Montag klar. Die Polizei leitete eine Öffentlichkeitsfahndung ein.

Schwarze Jogginghose, grünes Trikot
 
Bei Reinigungsarbeiten war der Häftling durch ein schlecht gesichertes Oberlicht entkommen. Das Fenster war zwar aus Panzerglas, aber nur lose befestigt gewesen. Jeszke hatte das 45 Kilo schwere Glas einfach ausgebaut und zur Seite gestellt. Er flüchtete in einer schwarzen Jogginghose, schwarzen Turnschuhen und einem grünen Trikot. Erst vor zwei Wochen hatte die Justizvollzugsanstalt in der Bochumer Innenstadt schon einmal für Schlagzeilen gesorgt, weil dort ein gefährlicher Schwerverbrecher sein Zellengitter durchgesägt hatte. Er war damals nur bis auf den Dachboden gekommen. Vor einem Jahr war dagegen ein Untersuchungshäftling mit zwei waghalsigen Sprüngen erfolgreich getürmt. Er ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.
 
Die Landtagsopposition nutzte den Vorfall für einen Angriff auf NRW-Justizminister Kutschaty. „Über 24 Stunden lang lässt man die Öffentlichkeit über die Gefährlichkeit des Mannes im Ungewissen. Das ist ein Skandal“, betonte der Vizechef der CDU-Landtagsfraktion, Peter Biesenbach. Der Ausbruch nehme „Formen eines handfesten Skandals an“. Der rechtspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Robert Orth, kritisierte: „Aufgrund der Häufung der Vorkommnisse in Bochum muss man sich die Frage stellen, ob die JVA-Bochum löchrig ist wie ein Schweizer Käse.“

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