Nach Tod eines Türken: "Mörder"-Rufe vor Polizei

Von Peter Bandermann, Nils Foltynowicz und Arne Niehörster am 24. Juni 2010 12:08

DORTMUND. Eine Nacht nach dem Tod eines 32-jährigen Landsmanns in Dortmund haben 50 Türken am späten Mittwochabend vor der Polizeiwache demonstriert. Mit "Mörder, Mörder"-Rufen. Die Stimmung war aggressiv.

23.15 Uhr vor der Polizeiwache Am Amtshaus 13 in Dortmunder Nordwesten: 50 Türken versammeln sich auf der Straße und bringen lautstark ihren Protest darüber zum Ausdruck, dass Polizisten in der Nacht zuvor auf der Schragmüllerstraße in Oestrich einen 32-jährigen Mann mit Pfefferspray gestoppt haben. Der Mann bricht zusammen, bleibt regungslos liegen und stirbt am Nachmittag im Rochus-Krankenhaus in Castrop-Rauxel.
Die Demonstranten stellen die Polizei vor der Wache in Mengede an den Pranger: "Mörder, Mörder"-Rufe schallen immer wieder durch die Nacht, die Lage wird bedrohlich. Polizeisprecher Manfred Radecke spricht acht Stunden später von einer "aggressiven Stimmung", der die drei Polizisten auf der Wache ausgesetzt sind. Über die Leitstelle ersuchen sie um schnelle Hilfe.
Und die kommt schnell. Das Präsidium zieht die Einsatzkräfte vom Public Viewing-Spiel Deutschland gegen Ghana in der Innenstadt ab: Streifenwagen und Fahrzeuge der Einsatzhunderschaft rasen nach Mengede und treffen auf eine ansteigende Zahl von überwiegend türkischen Demonstranten. Das erste Ziel: "Mögliche Übergriffe verhindern", wie es im Polizeibericht heißt.

Eine um 20.30 Uhr von der Dortmunder Staatsanwaltschaft ausgelöste Pressemeldung über den Tod des 32-jährigen Mannes aus Oestrich hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Türken verabreden sich zu einer Demonstration. Anfangs, gegen 23.15 Uhr, sind es nur 30, innerhalb kürzester Zeit werden es mindestens 50.

Deeskalations-Strategie

Die Polizei fährt eine Deeskalations-Strategie, um die Situation nicht zu verschärfen. Es kommt zu Diskussionen zwischen Einsatzkräften und Demonstranten, die aggressive Grundstimmung der mit erhobenen Fäusten auftretenden Demonstranten ist deutlich spürbar. Bis 2 Uhr in der Nacht dauert der Einsatz, dann kehrt wieder Ruhe ein. 

Pfefferspray-Einsatz mit tödlicher Folge

Zu dem Polizeieinsatz mit Pfefferspray in der Nacht zu Mittwoch in Oestrich war es gekommen, weil der Vater von zwei Kindern unter Drogen stand und nach einem Familienstreit auf der Straße randalierte. Anwohner verständigten die Polizei. Mit Worten war der 32-Jährige nicht zu bremsen. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, griff einer der Polizisten zum Pfefferspray. Der Mann bricht zusammen.

Die Polizei in Bochum ermittelt

Später gelingt die Reanimation, doch der 32-Jährige, der laut Staatsanwältin Dr. Ina Holznagel definitiv Kokain konsumiert hat, liegt im Koma - und stirbt. Warum, soll jetzt eine Obduktion in Essen ergeben. Den Einsatzverlauf ermittelt jetzt die Polizei in Bochum. Liegen alle Erkenntnisse vor, ist zu bewerten, ob die Polizisten mit dem Einsatz von Pfefferspray richtig reagiert haben.

Bildergalerien aus der Region

Schalke gegen Haltern

Die Schalker feierten mit einem 4:2 im Freundschaftsspiel gegen TuS Haltern den Abschied von Raúl.

Oberliga-Aufstieg Spvgg. Erkenschwick

Erkenschwick siegt 6:2 in Wickede und feiert den Oberliga-Aufstieg.

Premiere der Ruhrfestspiele 2012

Die Ruhrfestspiele starteten in diesem Jahr mit einer Inszenierung von Festivalchef Frank Hoffmann.

Mayday 2012

Mayday 2012

Unter dem Motto "Made In Germany" tanzten bei der Mayday in Dortmund rund 25.000 Besucher in den Mai.

Grüner Hügel

Auftakt der 66. Ruhrfestspiele

Prächtiges Wetter und zufriedene Besucher: Der Auftakt zu den 66. Ruhrfestspielen in Recklinghausen war ein voller Erfolg.

Ihre Zeitung bei Facebook

Unsere Serien im Überblick

Sie haben den Teil einer Serie aus unserer Zeitung verpasst? Kein Problem! In unserem Online-Archiv finden Sie alle aktuellen und bisherigen Artikel aus unseren Themen-Serien.

Flohmärkte

Flohmarkt

Wir zeigen Schnäppchenjägern und Sammlern den richtigen Weg. Hier finden Sie einen Überblick zu den Floh- und Trödelmärkten in der Region

Karriere

Logo Lehrstellenaktion

Aktion Lehrstelle

Ein gemeinsames Projekt des Medienhauses Bauer und der Arbeitsagentur RE