Die Demonstranten stellen die Polizei vor der Wache in Mengede an den Pranger: "Mörder, Mörder"-Rufe schallen immer wieder durch die Nacht, die Lage wird bedrohlich. Polizeisprecher Manfred Radecke spricht acht Stunden später von einer "aggressiven Stimmung", der die drei Polizisten auf der Wache ausgesetzt sind. Über die Leitstelle ersuchen sie um schnelle Hilfe.
Und die kommt schnell. Das Präsidium zieht die Einsatzkräfte vom Public Viewing-Spiel Deutschland gegen Ghana in der Innenstadt ab: Streifenwagen und Fahrzeuge der Einsatzhunderschaft rasen nach Mengede und treffen auf eine ansteigende Zahl von überwiegend türkischen Demonstranten. Das erste Ziel: "Mögliche Übergriffe verhindern", wie es im Polizeibericht heißt.
Eine um 20.30 Uhr von der Dortmunder Staatsanwaltschaft ausgelöste Pressemeldung über den Tod des 32-jährigen Mannes aus Oestrich hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Türken verabreden sich zu einer Demonstration. Anfangs, gegen 23.15 Uhr, sind es nur 30, innerhalb kürzester Zeit werden es mindestens 50.
Deeskalations-Strategie
Die Polizei fährt eine Deeskalations-Strategie, um die Situation nicht zu verschärfen. Es kommt zu Diskussionen zwischen Einsatzkräften und Demonstranten, die aggressive Grundstimmung der mit erhobenen Fäusten auftretenden Demonstranten ist deutlich spürbar. Bis 2 Uhr in der Nacht dauert der Einsatz, dann kehrt wieder Ruhe ein.
Pfefferspray-Einsatz mit tödlicher Folge
Zu dem Polizeieinsatz mit Pfefferspray in der Nacht zu Mittwoch in Oestrich war es gekommen, weil der Vater von zwei Kindern unter Drogen stand und nach einem Familienstreit auf der Straße randalierte. Anwohner verständigten die Polizei. Mit Worten war der 32-Jährige nicht zu bremsen. Um eine weitere Eskalation zu verhindern, griff einer der Polizisten zum Pfefferspray. Der Mann bricht zusammen.
Die Polizei in Bochum ermittelt
Später gelingt die Reanimation, doch der 32-Jährige, der laut Staatsanwältin Dr. Ina Holznagel definitiv Kokain konsumiert hat, liegt im Koma - und stirbt. Warum, soll jetzt eine Obduktion in Essen ergeben. Den Einsatzverlauf ermittelt jetzt die Polizei in Bochum. Liegen alle Erkenntnisse vor, ist zu bewerten, ob die Polizisten mit dem Einsatz von Pfefferspray richtig reagiert haben.


