Tanz, Theater, Zirkus: Ruhrfestspiele 2019: Schauspiel bleibt das zentrale Genre

Recklinghausen Die Ruhrfestspiele 2019 drehen sich um das Thema "Poesie und Politik". 90 Produktionen und 210 Veranstaltungen stehen auf dem Programm. Beteiligt sind mehr als 850 Künstlerinnen und Künstler aus rund 16 verschiedenen Ländern. Der Vorverkauf für die Veranstaltungen startet am 1. Februar um 9 Uhr.

  • Olaf Kröck - Ruhrfestspiele

    Der Intendant der Ruhrfestspiele, Olaf Kröck steht im Ruhrfestspielhaus. Heute wurde das neue Programm der Ruhrfestspiele durch den neuen Intendanten Kröck vorgestellt. Foto: Marcel Kusch (dpa)

Poesie und Politik“ ist das Programm der Ruhrfestspiele übertitelt. Zwischen diesen beiden Polen will der neue Intendant Olaf Kröck mit den vielfältigen Mitteln des Theaters Verbindungen herstellen und die Komplexität des menschlichen Miteinanders in großen Umbruchzeiten ausloten. Trotz der bekannt bunten Vielfalt bleibe das Schauspiel das zentrale Genre der Ruhrfestspiele, betonte der Festspielchef gestern bei der Programm-Präsentation. Mit Theater-Magier Peter Brook und Heiner Müller, dem Spezialisten für politisches Theater, liefert er in seiner ersten Saison gleich zwei prägnante Eckpfeiler einzigartiger Theaterkunst.


In „The Prisoner“, eine Koproduktion mit dem Pariser Théatre des Bouffes du Nord, die als Deutschlandpremiere auf den grünen Hügel kommt, erzählt Peter Brook ein archaisches Märchen von Schuld, Bestrafung und Sühne. Er hoffe, dass der inzwischen 94-jährige Brook nach Recklinghausen komme. „Das Hotelzimmer ist auf jeden Fall schon gebucht“, sagte Kröck. Mit Auszügen aus Brooks wegweisendem Theatermanifest „Der leere Raum“ hatte er den Schnelldurchlauf durch die Ruhrfestspiele 2019 auf der Hinterbühne eröffnet.


Ein Wiedersehen mit Devid Striesow

An die Kraft der Texte und Gedanken von Heiner Müller erinnern die Ruhrfestspiele mit der Lesung „Für alle reicht es nicht“ mit Schauspieler Milan Peschel und mit seiner legendären Brecht-Inszenierung „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ mit Martin Wuttke in der Titelrolle. Seit der Premiere vor 24 Jahren hat sich die Inszenierung mit mehr als 400 Vorstellungen zu einem Meilenstein politischen Theaters entwickelt. Und sei aktueller denn je, so Kröck.

„Eine Hommage der Schauspielkunst“ verspricht der Intendant auch mit einem weiteren Highlight: die Deutschlandpremiere von Ivo van Hoves Amsterdamer Inszenierung des Bestsellers „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara. „Wir waren beglückt bei der Premiere in Holland, das Publikum ist nach vier Stunden begeistert aufgesprungen“, erzählt Kröcks Chefdramaturg Jan Hein.


Er legt den Zuschauern auch Hermann Schmidt-Rahmers Uraufführung „Das Heerlager der Heiligen“ nach Jean Rapail ans Herz. Der Regisseur stehe für politisches Volkstheater: satirisch, humorvoll, abgründig und tiefsinnig. Ein „blitzgescheites Buch“ habe Alexander Schimmelbusch mit „Hochdeutschland“ geschrieben. Der junge Regisseur Christoph Rüping, just zum dritten Mal zum Theatertreffen eingeladen, bringt den Stoff als Uraufführung auf die Bühne.

Ein Wiedersehen mit Devid Striesow gibt es in Karin Beiers Inszenierung von Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ Olaf Kröck: „Ich habe den Stoff noch nie so komisch erlebt. Vier fantastische Schauspieler spielen in einem fast leeren Raum.“


Ein Kämpfer für den Dialog der Kulturen

Nach dem Erfolg in Bochum zeigt er die Gastarbeiter-Geschichte „Istanbul“ der Türkin Selen Kara auch an seiner neuen Wirkungsstätte. Eine dreiteilige Werkschau widmet der Intendant dem 85-jährigen Regisseur Roberto Ciulli, „seit Jahren ein Kämpfer für den künstlerischen Dialog der Kulturen“.

Dass auch die (politische) Sprache des Tanzes immer wichtiger wird, dokumentiert der Ruhrfestspielchef direkt zum Auftakt mit der diesjährigen Eröffnungspremiere am 3. Mai. Nach der Eröffnungsrede von Schriftstellerin Judith Schalansky („Atlas der abgelegenen Inseln“, „Verzeichnis einiger Verluste“) geht die Tanztheaterinszenierung „Beytna“ des Maqamat Dance Theatre Lebanon über die Bühne. Omar Rajeh sei ein Shooting-Star, schwärmt Olaf Kröck. Während seine Mutter auf der Bühne für das Publikum das libanesische Salatgericht „Fatush“ zubereitet, erzählt der Tänzer und Choreograf von Gastfreundschaft und dem friedlichen Miteinander der Kulturen.



Vier weitere Tanzabende, alle von der großen Choreografin Pina Bausch geprägt, folgen: Mit den Abgründen der Gesellschaft beschäftigt sich der griechische Choreograf Dimitris Papaionannou in „The Great Tamer“. Seine bildgewaltigen Produktionen sind Gesamtkunstwerke. Absolventinnen des Studiengangs Tanz der Folkwang Universität der Künste setzen den Doppelabend „wilderness tender/Auftaucher“ der Choreografinnen Stephanie Miracle und Henrietta Horn in Szene. Der israelische Tänzer, Choreograf und Musiker Hofesh Shechter bringt seine neue Arbeit „Grand Finale“ mit nach Recklinghausen. Gemeinsam mit dem ivorischen Tänzer Gadoukou la Star und ihrem Ensemble „la Fleur“ analysiert die Regisseurin Monika Gintersdorfer den Tanz selbst.
 

Karten zu den Veranstaltungen der Ruhrfestspiele 2018 gibt es ab Freitag in den Geschäftsstellen des Medienhauses Bauer, im RZ- und SZ-Ticket-Center oder ( 0209 / 14 77 999.
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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    30. Januar 2019, 11:02 Uhr
    Aktualisiert:
    4. Februar 2019, 03:33 Uhr