Rede beim Kramermahl: Trevisan: "Berufspolitker sind Gefahr für Rechtsstaat"

Von Stefan Bergmann am 03. Februar 2012 18:39

MÜNSTER. FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan hat in seiner Rede beim Kramermahl ein Plädoyer für mehr direkte Demokratie gehalten: „Wir sehen professionelle Politiker eher als Gefahr für unseren Rechtsstaat“, erklärte der Schweizer die vorherrschende Meinung in seinem Heimatland. Umso wichtiger sei der Qualitätsjournalismus.

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Tobias Trevisan sprach als Ehrengast beim Kramermahl.

Wenn von Zeitungen die Rede ist, dann auch schnell davon: Viele Auflagen sinken, die Anzeigenerlöse ebenfalls, die Vertriebserlöse stagnieren. Wie soll sich also Qualitätsjournalismus in Zukunft finanzieren? Dass es diesen Journalismus überhaupt noch braucht, und auch in Form einer Tageszeitung, daran besteht laut Trevisan kein Zweifel.

  Denn in einer Demokratie genüge es nicht, alle paar Jahre ein Kreuz zu machen. Es müsse „die Pflicht eines jeden Einzelnen sein“, sich zu informieren. „Das System basiert letztlich auf der Wahrnehmung von Verantwortung, nicht nur durch die Politiker in einem Lande, sondern auch durch seinen mündigen Bürger“, sagt Trevisan.

Regierungen türmten Schulden auf

Wohin zu großes Vertrauen in Politiker führe, habe die Eurokrise gezeigt. Regierungen türmten Schulden auf, „Günstlingswirtschaft und Korruption in südlichen Gefilden“ wurden hingenommen, Brüssel reagierte nicht. Trevisan bezweifelt, dass allein die Politiker Schuld sind an dem Crash. Wohl auch die Bürger, die ihre Bürgerpflicht nicht ausreichend wahrgenommen haben.

 Während Radio und Fernsehen laut Trevisan jedoch keine nachrichtliche Tiefe liefern können, Online-Medien nur dem „schnellen Überblick“ dienen, bleibe allein die Zeitung – gedruckt oder digital –, die vernetztes Wissen anbiete und es Menschen erlaube, über den Tellerrand zu schauen. Der Nachwuchs brauche ein „breites Wissen“. Das liefere eben nicht „Google“, sondern die Zeitung.

Trevisan kritisiert Öffentlich-Rechtliche

Trevisan forderte von der Politik Rahmenbedingungen, die es Zeitungen erlaube, auch in Zukunft Markt-Erlöse zu erzielen, vor allem im Digital-Geschäft. Die Kritik der Verleger an den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ist in Fachkreisen zurzeit allgegenwärtig.

  Auch Trevisan monierte, dass die Sender „mit sieben Milliarden Euro an Gebührengeldern“ digitale Angebote entwickeln und diese kostenlos an Bürger abgeben, zum Beispiel die „Tagesschau-App“ für das iPhone. Die Verlage dagegen müssen entsprechende Angebote verkaufen. Die Politiker würden kaum helfen, „da sie ein großes Interesse haben, sich in den öffentlich-rechtlichen Sendern darzustellen.“ 

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