Abschied von den Opfern: Israel und Frankreich trauern

Von Jan-Uwe Ronneburger und Sabine Glaubitz, dpa am 21. März 2012 18:53

Jerusalem/Paris (dpa). Der Schmerz ist unerträglich. Das ganze israelische Volk weint.» Der israelische Innenminister Eli Jischai spricht den Tausenden aus der Seele, die sich zur Beisetzung der Terroropfer von Toulouse in Jerusalem auf dem Har-Hemenuchot-Friedhof versammelt haben.

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Ankunft der Terroropfer in Israel. Bild: Abir Sultan

Sie erweisen dem Rabbiner Jonathan Sandler (30), seinen zwei kleinen Söhnen Gabriel (3) und Arieh (6) sowie der Tochter des Direktors der Schule in Toulouse, Miriam Monsonego (8), die letzte Ehre. Freunde müssen die Angehörigen stützen, Tränen fließen.

In den Schmerz mischt sich aber auch Zorn. «Das jüdische Volk steht wilden Tieren gegenüber, die unersättlich und von blindem Hass angetrieben sind», sagt Parlamentspräsident Reuven Rivlin bei einer kurzen Ansprache. Die Verbrechen von Toulouse stünden in einer Linie mit den Anschlägen in den 1990er Jahren gegen die israelische Botschaft und das jüdische Kulturzentrum Amia in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, den Anschlägen in Mumbai 2008 oder den Morden an der Siedlerfamilie Fogel vor einem Jahr in Itamar im Westjordanland. «Aber wir werden ihren Sieg nicht zulassen», sagt Rivlin. Israel sei für den weltweiten Schutz von Juden zuständig.

An der Trauerfeier, zu der der strahlend blaue Frühlingshimmel nicht zu passen scheint, nimmt auch der französische Außenminister Alain Juppé teil. «Ein Angriff gegen Juden ist ein Angriff auf alle Franzosen», sagt er Medienberichten zufolge. «Frankreich wird alles tun, um sicherzustellen, dass sich so eine unglaubliche Tragödie nie wiederholt.»

Die Morde hätten Frankreich im Herzen getroffen, sagte Juppé. Auch in Montauban in Südfrankreich, wo Hunderte Menschen von den drei getöteten Soldaten Abschied nahmen, ist die Trauer groß. Deutliche Worte findet Staatspräsident Nicolas Sarkozy in der Kaserne des 17. Regiments. Der Täter habe die französische Armee im Visier gehabt, aber die Nation getroffen. «Der Tod, den unsere Männer getroffen hat, war nicht der, auf den sie vorbereitet waren. Das war nicht der Tod auf dem Schlachtfeld, sondern einen terroristische Exekution.» Die ganze Nation stehe an ihrer Seite, ergänzt er bei der bewegenden Militärzeremonie.

Aus Jerusalem zeigt das Fernsehen erschütternde Szenen von trauernden Angehörigen, die sich in ihrem Schmerz zu Boden werfen. Die schwangere Witwe Sandlers, der noch eine kleine Tochter geblieben ist, sitzt zusammengesunken in einem Rollstuhl. Ihr Zustand ist derart prekär, dass Ärzte sie von Frankreich begleiten mussten.

Ein Sandler nahe stehender orthodoxer Jude beschreibt den Rabbiner schluchzend und auf Französisch als warmherzigen und großzügigen Mann. Sandler sei ein großartiger Lehrer gewesen. Der Chef-Rabbiner der sephardischen Juden, Schlomo Amar, bezeichnet die Morde als unbegreiflich und den Täter als «bösen Menschen». «Gott wird Euren Tod rächen», wird er zitiert. Aber Amar ruft auch dazu auf, stark zu sein: «Wir weinen, aber wir werden nicht verzweifeln.»

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