Antje Schomaker im Porträt: Ehrlich originell und dazu noch clever poppig

Wer den Indie-Pop von Bosse oder Wir Sind Helden schätzt, wird den vor Wortwitz perlenden Liedern von Antje Schomaker einiges abgewinnen können. „Von Helden und Halunken“ heißt das erste Album der 25-jährigen Wahl-Hamburgerin. Antje Schomaker macht einen sehr natürlichen Eindruck: die Sorte Mädchen, die auch Quasi-Fremde zur Begrüßung gleich umarmt und erst mal allen mit lachendem Gesicht und offenen Augen gegenübertritt.

  • Antje Schomaker

    Obwohl sie weiß, dass das Leben nicht immer gute Laune macht, ist Antje Schomaker eine Frohnatur. Sowohl die lustigen als auch die ernsten Momente vertont sie gelungen auf ihrem Debüt-Album. Foto: Patrick Lipke / Columbia / Sony Music

„Ich bin schon ein eher fröhlicher Mensch“, sagt sie selbst, „allerdings weiß selbst ich, dass das Leben nicht immer gute Laune macht. Deshalb gibt es in meinen Liedern auch immer so einen Hauch von Melancholie und Nachdenklichkeit.“ Die Qualität ihrer Songs ist wirklich klasse. Antje ist in Text und Musik auf undogmatischen und originellen Indie-Pop spezialisiert. „Von Helden und Halunken“ ist ein angenehm unkalkuliert klingendes Album, auf dem die kreativen Funken freien Flug haben. Die Songs sind melodisch, clever poppig, orchestral, tanzbar, die Texte jung im Kopf und doch auch gehaltvoll. Und ähnlich wie Bosse (dessen Lied „Schönste Zeit“ einer ihrer Lieblingssongs ist) oder Thees Uhlmann nimmt sie kein Reißaus vor großen, auch mal etwas pathetischen Gefühlen.

Ein Stück wie „Auf und davon“ beispielsweise, geschrieben für eine Freundin mit Depressionen, soll „den Arm um dich legen und einen positiven Schub geben“. Die Freundin weiß das, es geht ihr auch wieder besser. Noch etwas euphorischer klingt „Aller Guter Dinge“, doch auch hier schwingt leichte Wehmut mit. „Viele Menschen, sogar schon in meinem Alter, halten sehr an der Vergangenheit fest und an diesem ,Weißt Du noch’-Gefühl. So kommt man aber nicht weiter. Das Leben steckt voller Veränderungen. Man sollte sich nicht vor ihnen drücken.“

„Ich war unsicher, ob das funktionieren würde“

Antje weiß, wovon sie singt. Der Weg bis zu ihrem Debütalbum war ein langer, oft auf verschlungenen Pfaden verlaufender. Sie machte in keiner Castingshow mit und hat auch keine überehrgeizigen Eltern. „Eine Sängerin zu sein und Songs zu schreiben, war keine bewusste Karriereentscheidung“, sagt sie.

„Ich war selbst unsicher, ob das funktionieren würde. Aber ich habe es halt immer probiert, habe winzige Konzerte gespielt, und irgendwann kam eines zum anderen.“ Auch die Bekanntschaft ihres Münchner Produzenten-Duos Kilian Reischl und Robin Karow kam auf klassische Antje-Art zustande. „Ich traf die Zwei am Ballermann. Wir waren jeweils mit anderen Leuten dort und fühlten uns aufgrund des gemeinsamen Fehl-am-Platz-Seins sofort verbunden.“

Antje machte zunächst ein Praktikum bei den beiden. Inzwischen wird sie von ihnen gemanagt. Auf „Von Helden und Halunken“ („Ich war definitiv schon beides“) dreht sich vieles um die Liebe, ihre Abwesenheit, und das Gefühl, alleine zwar gut zurechtzukommen, sich aber doch irgendwie nach jemandem zu sehnen. In fünf Jahren Albumarbeit kommt so einiges an Erfahrungen zusammen. Aber Antje Schomaker verpackt selbst hundertmal gehörten Herzschmerz in originelle Worte. Eine Songzeile wie „Wo die Liebe hinfällt, schlägt sie ihre Knie auf“ hat man so jedenfalls noch nicht gehört. „Ich habe jetzt am rechten Knie eine Narbe aus Liebesgründen“, sagt Antje und lacht. „Das war es wert.“
 




AUTOR
Steffen Rüth
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    8. März 2018, 14:49 Uhr
    Aktualisiert:
    9. März 2018, 11:42 Uhr
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