VIP Annika macht Bodybuilding: Mit viel Disziplin zur Bikini-Athletin

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Kasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch bei Scenario junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Annika Wagner.

  • VIP Annika

    Im Posen geübt: Annika Wagner. Für diese Figur trainiert sie professionell. Foto: Kathi Lenger

Sie hat blonde lange Haare, ein tolles Lächeln und eine positive Ausstrahlung. Begegnet man der 19-jährigen Annika auf der Straße, wirkt sie auf dem ersten Blick wie eine ganz normale junge Frau. Doch schaut man etwas genauer hin, sieht man, dass sie hart trainieren geht. Denn Annika gehört zum Deutschen Bodybuilding- und Fitness-Verband e. V. und ist im Bereich Bikini-Fitness aktiv.

„Wenn mich jemand fragt, was ich genau mache, sage ich Bodybuilding, denn der Volksmund würde mich so sehen. Dennoch mache ich nicht Bodybuilding wie Arnold Schwarzenegger, sondern ich bin Bikini-Athletin.“, erklärt Annika. Während typische Bodybuilderinnen das Ziel haben, möglichst viel Muskelmasse und Härte zu trainieren, geht es beim Bikini-Fitness darum, einen schlanken und trainierten, aber dennoch weiblichen Körper zu haben. „Dieser wird mithilfe von Trainingsstrategien erreicht. Die Unterschiede zwischen Bodybuilding und Bikini-Athlet sind der Trainingsumfang, die Wiederholungen und Übungen“, so Annika.

Startschuss: das fettige amerikanische Essen

Mit dem Kraftsport beginnt sie, als sie mit 16 Jahren aus Amerika zurückkommt. „Ich war dort für ein Semester auf der High School und jeder, der Amerika kennt, weiß, wie fettig und reichhaltig dort das Essen ist“, erzählt Annika. „Zu dieser Zeit habe ich einiges an Gewicht zugenommen. Sogar meiner Familie und meinen Freunden ist das aufgefallen. Ich war wirklich pummelig, anders kann man das nicht sagen.“ Dann kam der Punkt, an dem Annika beschloss, sich im Fitnessstudio anzumelden, denn sie wollte abnehmen. „Der Wille war einfach da und irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es klappt, was ich mache.“

Am Anfang stand vor allem Cardio auf dem Plan, ein effektives Herz-Kreislauf-Training, bei dem mit der Intensität der Belastung auch der Verbrauch der Energie und damit die Reduzierung des Körperfetts steigt. Annika war viel auf dem Laufband, jedoch merkte sie schnell, dass das Krafttraining viel mehr bewirkte. Heute geht die 19-Jährige fünf- bis sechsmal die Woche ins Fitnessstudio und macht die restlichen Tage Cardio-Training. „Man muss einfach Prioritäten setzen“, so Annika.

Jeden Sonntag fährt sie nach Hagen, um dort gemeinsam mit ihrem Verein und ihrem Coach für Wettkämpfe zu üben und zu trainieren. „Unser Coach kontrolliert unsere Werte und Nährstoffe und übt mit uns das Posen“, erzählt sie. Denn vor allem das gehört bei Wettkämpfen mit zur wichtigsten Aufgabe. „Die Figur muss natürlich auch stimmen, aber eigentlich ist die eher nebensächlich.“ Beim Bodybuilding, wie auch beim Bikini-Fitness, gelten strenge Regeln: Bikinis dürfen nicht zu knapp sein, es dürfen bestimmte Schuhe nicht getragen werden, man darf nicht zu viel Po zeigen. „Mein Bikini ist extra maßgeschneidert worden – eine teure Angelegenheit“, verrät Annika.

Neben dem Sport macht die 19-Jährige gerade ein Duales Studium im Bereich Bauingenieurwesen und arbeitet auf einer Baustelle. „Das macht mir unheimlich viel Spaß. Da merkt man auch dann am Arbeitsende, was man getan hat“, erzählt sie.

Gerade befindet sich die Recklinghäuserin in der sogenannten „OnSeason“, also in der Diätphase für Wettkämpfe, und hält sich dabei strickt an ihren Ernährungsplan: „Ich verzichte auf Milchprodukte und darf nur wenig Kohlenhydrate am Tag essen. Außerdem ist es extrem wichtig, viel Eiweiß zu mir zu nehmen. Am liebsten esse ich aber meinen Zucchini-Kuchen mit Haferflocken und saftigen Beeren. Den mache ich selbst und der ist wirklich sehr gesund.“

In diesem Jahr hat die 19-Jährige das erste Mal bei Wettkämpfen teilgenommen und das hat einen Grund: „Vorher war ich einfach noch nicht bereit dazu“.

Vor der gesamten Jury bestehen

Erst vor Kurzem hat sie bei der deutschen Newcomer-Meisterschaft den sechsten Platz ihrer Klasse in Fulda belegt. Und wie läuft das ab? „Die Jury sitzt vor der Bühne und bewertet das Posen und die Figur. Beim Bikini-Fitness muss man der ganzen Jury gefallen, sonst kann es schwierig werden. Denn es ist nicht so wie bei einem Marathonlauf: Wer als Erstes ins Ziel kommt, belegt Platz eins. Es ist schon ein harter Kampf“, so Annika.

In Luxemburg hat die 19-Jährige den 1. Platz bei den Junioren belegt und den 2. Platz bei den Senioren (ab 23 bis 35 Jahren), weil dort zu wenig Teilnehmer da waren. „Darauf bin ich mächtig stolz“, freut sich Annika. Jedoch muss sie immer mal wieder feststellen, dass nicht jeder ihre große Leidenschaft nachvollziehen kann. „Klar gibt es Menschen, die meine Figur unattraktiv finden oder es nicht verstehen, dass ich sehr auf meine Ernährung achte. Aber ich bin zufrieden mit mir und das ist die Hauptsache“, sagt Annika selbstbewusst.

Halt findet sie vor allem bei ihrem Freund, der den ganzen Weg miterlebt hat. „Wenn ich abends nach Hause komme und immer noch auf Zack bin, bringt mein Freund mich runter“, erklärt sie. Ihr nächstes Ziel hat Annika schon vor Augen: Sie möchte in die Klasse Wellness. Das bedeutet mehr Beine und Po, also circa zwei bis drei Prozent mehr Körperfett. Bis dahin trainiert die Recklinghäuserin fleißig und freut sich auf die neuen Herausforderungen.
Kennt Ihr junge Menschen aus unserer Umgebung, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann mailt uns: scenario@medienhaus-bauer.de