Interview mit Mark Forster: "Ich bin ein positives Kerlchen"

Mark Forster, aktuell mit seinem Album „Liebe“ auf Tour, ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Musiker. Wir haben ihn für Euch zum Interview getroffen.

  • Tourauftakt Mark Forster

    Viel beschäftigt, aber auch rundum zufrieden: Sänger Mark Forster. Foto: Jörg Carstensen (dpa)

Scenario: Du hast im November vergangenen Jahres Dein Album „Liebe“ veröffentlicht. Was hat Dich bewegt, über das Thema zu singen?
Mark Forster:
Ich bin mir durchaus bewusst, dass das Wort „Liebe“ als Albumtitel eine leichte Roland-Kaiser- und Jan-Böhmermann-Gefahr hat, aber es ist natürlich auch ein schwieriges Thema. Meistens fängt das Album ja nicht mit dem Titel, sondern mit den Songs an. Danach sucht man ein Begriff, der zu dem Grundgefühl der Platte passt. Die Vorgängeralben wie „Bauch und Kopf“ waren eher melancholisch und traurig, „Tape“ dagegen fröhlich und bunt. Das Album jetzt ist eine Mischung aus beidem. Es handelt viel von dem Grundthema Liebe, allerdings nicht nur vom romantischen Teil, sondern auch der Liebe zu sich selbst, zu seiner Geschichte und Familie.

Scenario: Auf Deinem neuen Album ist auch das Lied „Einmal“ zu finden. Hierbei sollten Deine Fans Dir für das Musikvideo einmalige Momente aus ihrem Leben schicken. Was war denn in der Vergangenheit ein einmaliger Moment für Dich?
Mark:
Da gibt’s natürlich total viele Momente, viele davon habe ich auch schon in meinem Song erzählt. Das ganze Lied handelt ja von meinem Leben und meinen einmaligen Momenten. Aber was mir gerade so am krassesten in den Kopf ploppt: Kürzlich ist bei uns ein kleines Familienmitglied dazugekommen, in der näheren Verwandtschaft, und da habe ich gemerkt, was das für eine Kraft hat. Es betrifft mich zwar nicht in meinem Alltag, hat aber trotzdem etwas in mir verändert.

Scenario: „Danke Danke“ ist ein Song auf dem Album, den Du zusammen mit Sido aufgenommen hast. Wenn man sich die jeweiligen Alben von Euch beiden anschaut, fällt auf, dass Ihr immer ein Lied zusammen für ein Album beisteuert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit, und wird dies eine kleine Tradition?
Mark (lacht):
Man kann schon sagen, Sido und ich haben quasi eine musikalische Fernbeziehung. Wir machen kein gemeinsames Album, aber es ist für uns total selbstverständlich, dass der eine auf dem Album vom anderen zu hören ist und umgekehrt. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es zu der Zusammenarbeit kam. Ich glaube, ich habe auf Instagram ein Bild oder Video gepostet, dassich gerade im Studio bin, woraufhin Sido mir schrieb und fragte, ob ich nicht noch einen Rapper bräuchte. Ein paar Tage später haben wir dann zusammen ein Lied gemacht.

Scenario: Thema Tradition: Du hast polnische Wurzeln. Spiegelt sich das auch in Deiner Musik wider, und könnest Du Dir vorstellen, auch einen Song in polnischer Sprache zu veröffentlichen?
Mark:
Das habe ich ja sogar schon gemacht (lacht). Das war „Like a Lion“ zusammen mit Gentleman. Gentleman ist in Polen sehr bekannt. Wenn man bei YouTube mal etwas forscht, gibt’s eine Version, da singt Gentleman weiterhin auf Englisch, aber ich singe den kompletten Text auf Polnisch. Das Lied ist auch in Polen rausgekommen und lief da im Radio.

Scenario: Du hattest vorhin schon kurz Deine positiven Lieder angesprochen. Färbt das auch auf Deinen Alltag ab?
Mark:
Die Songs, die ich mache, sind jetzt nicht an den Haaren herbeigezogen. Ich überlege mir nicht, ich will jetzt der Gute-Laune-Onkel der Nation sein, sondern so bin ich halt. So, wie die Songs klingen, bin ich auch, ein positives Kerlchen. Auch mit nachdenklichen Momenten, aber grundsätzlich bin ich schon der Meinung, dass wir alle gut zueinander sein sollten, und ich glaube eher an das Gute als an das Böse im Menschen. Wenn das meine Aufgabe ist, das Fähnchen der guten Laune und Zuversicht hochzuhalten, dann mach‘ ich das einfach gerne.

Scenario: In einem anderen Interview hast Du erzählt, dass Du, wenn ein Album ansteht und Du neue Songs schreibst, gerne verreist. Wo kannst Du am besten schreiben, und hast Du einen Lieblingsort hierfür?
Mark:
Zum Produzieren verreise ich viel, um bestimmte Sounds zu finden, die es hier nicht gibt, wie den Kinderchor in Uganda oder die Streicher in London. Wenn ich schreibe, mag ich abgelegene Orte. Auf Teneriffa haben Freunde von mir eine Holzhütte, das ist für mich ein guter Rückzugsort, und dort fahre ich immer wieder hin.

Scenario: Bei Deinen Konzerten musst Du die Lieder auswendig können. Viele Leser von uns sind Schüler und Studenten. Hast Du für uns einige Tipps, wie man Sachen auswendig lernen kann?
Mark:
Ich kenn‘ das ja auch noch von der Uni, da ist es mir auch nicht so leicht gefallen. Aber bei den eigenen Songs ist es schon so: Wenn ich die schreibe, dann fang‘ ich immer wieder von vorne an. Also wenn ich den ersten Satz der ersten Strophe schreibe und dann weitermache und den zweiten Satz schreibe, dann muss ich mir den ersten wieder vorsingen. Und so geht das dann weiter, wie bei einer Schreibmaschine, es geht immer wieder von vorne los, und dadurch brennt sich das so ein. Wenn man das ein, zwei Tage macht, dann vergisst man den Song nie wieder. Wenn wir ein Lied vom ersten Album spielen, dann kann ich den Text zwar ad hoc nicht mehr so ganz, aber wenn ich den dann zwei-, dreimal singe, ist er wieder da. Und so habe ich das auch damals in der Uni gemacht, immer wieder von vorne angefangen.

Scenario: Du bist viel beschäftigt: Sänger, Synchronsprecher und Juror. Wie schaffst Du es, all diese Aufgaben zu meistern? Hast Du überhaupt noch Freizeit?
Mark:
Es ist natürlich ziemlich viel. Es ist ja kein Beruf, den ich nicht mag. Auf Tour bin ich mit meinen Freunden, meiner Band zusammen und habe eine gute Zeit. „The Voice Kids“ ist ein bisschen mein Bürojob, das mag ich auch sehr, da ich das Umfeld kenne und weiß, wo die Kaffeemaschine steht. Die Mischung macht diese Mehrarbeit möglich. Wenn ich frei habe, genieße ich die Ruhe. Dann gehe ich gerne wandern und suche mir einen Kontrast zu meinem Beruf. Das funktioniert gut.

Scenario: In der Vergangenheit hast Du bereits verschiedenen Menschen Lieder gewidmet oder auch „Wir sind groß“ für die Fußballnationalmannschaft gesungen. Unsere Zeitung kommt aus dem Ruhrgebiet. Welche Hymne würdest Du denn dieser Region schenken?
Mark:
Gute Frage. Es gibt ja bereits einige Lieder über das Ruhrgebiet, ich denke hierbei direkt an Herbert Grönemeyer mit „Bochum“. Es ist unheimlich schwer, diese Region mit den verschiedenen Facetten zusammenzufassen. Hier ist ja nicht nur der Bergbau, auch landschaftlich gibt es hier viel zu entdecken. Aber für das gesamte Ruhrgebiet müsste ich mal überlegen. Vielleicht frage ich Sido mal für das nächste Album. (lacht)

Scenario: Dein Markenzeichen ist Deine Kappe. Wie viele hattest Du mittlerweile?
Mark:
Viele. Ich trage seit einigen Jahren nur noch Kappen, wo nichts draufsteht, damit ich keine wandelnde Litfaßsäule bin (lacht). Am Anfang des Jahres bestelle ich immer ein bis zwei Kartons. Auf Tour habe ich natürlich einen höheren Verschleiß als im Alltag. Danach werfe ich sie entweder weg oder verschenke sie. Insgesamt sind es ungefähr 50 bis 100 Kappen im Jahr.
Mark Forster: „Liebe – Open Air Tour 2019“
14. September 2019, 19.30 Uhr
Seaside Beach Baldeney, Freiherr-vom-Stein-Straße 384, 45133 Essen.
Karten für das Konzert gibt es ab 57,02 Euro im RZ- und SZ-Ticketcenter oder unter der Ticket-Hotline Tel. 0209/1477999.


AUTOR
Lucas Kurth und Sina Dietz
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    20. Mai 2019, 16:21 Uhr
    Aktualisiert:
    22. Mai 2019, 14:02 Uhr
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