Tipps fürs Praktikum: Entspannt reinschnuppern in die Arbeitswelt

Im Studium, in der Schule, in der Zwischenzeit: Praktika sind häufig die einzigen praktischen Aspekte in einer ansonsten reichlich theoretischen Welt. Es geht darum, in Arbeitsstrukturen hineinzuschnuppern, Arbeitsaufträge auszuführen und sich einfach bekannt zu machen mit einem Beruf. Wie Ihr Euch im Praktikum verhaltet und am meisten daraus für Eure Zukunft mitnehmt, verrate ich Euch jetzt.

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    Da geht's also lang zum Praktikum. Aber wie verhält man sich dort angekommen dann am besten? Wir haben da einige Vorschläge... Foto: Franziska Gabbert (dpa-tmn)

Ich kann von mir ehrlich gesagt nicht behaupten, dass ich das Pflichtpraktikum in der neunten Klasse gut genutzt hätte. Im Nachhinein kann ich mir eingestehen, dass es vor allem Angst vor dem Unbekannten war, die mich damals zurückgehalten hat. Ich habe eine Bewerbung abgeschickt in einem Bereich, der mich wirklich interessiert hat. Ich wollte in die Grafikabteilung eines Verlages. Das klappte leider nicht. Man bot mir stattdessen ein Praktikum in einem anderen Bereich an. Davon wollte ich jedoch nichts wissen. Im Nachhinein würde ich mich gerne an den Ohren dorthin schleppen, denn heute würde ich mich brennend dafür interessieren. Stattdessen landete ich beim Floristen. Ohne selbst wirklich zu wissen, wie es dazu gekommen war.

Damit Euch so etwas nicht passiert und Ihr möglichst viel von Eurem Praktikum mitnehmt und gleichzeitig auch noch Spaß dabei habt, habe ich sechs Tipps für Euch zusammengefasst.

Tipp 1: Wählt ein Praktikum in einem Bereich, der Euch wirklich interessiert! Dieser Punkt richtet sich vor allem an all die, denen noch ein Schulpraktikum bevorsteht. An meinem Beispiel seht Ihr, wie wenig einem ein Praktikum bringen kann, wenn man es nicht halbwegs weise wählt.

Dem Traumjob auf den Zahn gefühlt

Ein Praktikum kann einem aber auch wirklich die Augen öffnen. Sucht Euch einen Arbeitsbereich aus, der Euch vielleicht schon länger im Kopf herumgeht. Es kann der eventuelle Traumjob sein, dem Ihr noch mal auf den Zahn fühlen wollt, oder eben eine spontane interessante Idee, die Euch reizt.

Tipp 2: Macht Euch klar, dass das Praktikum für Euch ist – das entspannt ungemein. Das Unternehmen, bei dem Ihr seid, hat letztlich nichts von Eurer Mitarbeit. Es geht einfach nur darum, dass Ihr Praxiserfahrung sammelt und Euch orientiert.

Tipp 3: Seid bereit, Forderungen zu stellen! Wie aus Tipp zwei klar geworden ist, geht es hier um Euch und nur um Euch. Das bedeutet, dass Ihr es nicht einfach hinnehmen solltet, an einem Schreibtisch geparkt zu werden und die Hälfte des Tages aus dem Fenster zu gucken. Sucht in diesen Fällen das Gespräch und erklärt genau und sachlich, was Euch stört und was Ihr gerne ändern würdet!

Tipp 4: Habt keine Angst vor den Anforderungen, die eventuell an Euch gestellt werden! Natürlich gilt das insbesondere bei Schul- und Orientierungspraktika, da man in diesen beiden Fällen meist noch kein Hintergrundwissen hat. Bei einem Pflichtpraktikum vom Studium aus kann natürlich mehr von Euch verlangt werden, da Ihr bereits viel in einem bestimmten Bereich dazu gelernt und gearbeitet habt. Trotzdem gilt, dass niemand erwarten kann, dass Ihr alles sofort wisst und versteht. Es ist normal und verständlich, dass man zu Beginn viele Fragen hat und Fehler macht.

Tipp 5: Traut Euch, Fragen zu stellen! Egal, worum es geht: Ob Ihr fragen wollt, wie ein Mitarbeiter in den Beruf gelangt ist, ob Ihr Fragen zu einer Arbeitsweise, den Berufsaussichten oder alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten habt. Egal, was es ist, hakt nach und lasst Euch alles erklären, was Ihr wissen wollt. Gerade jetzt sitzt Ihr bei all den Experten, die eventuell schon Euren Traumjob ausführen.

Tipp 6: Versucht, selbstbewusst und freundlich zu sein! Ich sage an dieser Stelle bewusst „versucht“, denn für die meisten Menschen ist der erste Tag eines Praktikums zunächst mal ein Debakel aus Unsicherheit und Fragezeichen. Wann ist die Mittagspause? Darf ich einfach gehen, wann ich will, oder muss ich fragen? Kann ich schon wieder meinen Kollegen ansprechen, oder bin ich zu aufdringlich? Wann darf ich nach Hause gehen? Und wer war eigentlich der Typ, der mich gerade gefragt hat, wie es läuft? Diese Kolonne an Fragen ist zumindest mir so oder so ähnlich an meinen ersten Praktikumstagen durch den Kopf gegangen. Erst kürzlich hatte ich ein Praktikum und saß dort in einem separaten Raum ganz für mich allein. Ich hockte minutenlang vor meinem Schreibtisch und debattierte innerlich, ob ich nun aufstehen und zu den Kollegen rüberlaufen sollte und was ich sagen würde.
Bei diesem Praktikum sah ich einer Plastiktüte draußen im Baum zu. Man könnte sagen, die Plastiktüte und ich sind in dieser ersten Phase des Praktikums sehr gute Freunde geworden, sodass ich sie später stolz einer Freundin im Vorbeilaufen vorstellte. Glücklicherweise hielt diese Tüten-Freundschaft nicht lange. Ich war drinnen und arbeitete und lachte mit den Kollegen, während sie draußen traurig im Wind flatterte. Das ist damit auch mein letzter halber Tipp: Habt einfach Spaß! Genießt die Phase, in der Ihr Euch dumm anstellen und die Leute mit Fragen zuschütten könnt, in der Phase, in der Ihr herausfinden könnt, welcher Job Euch später erfüllen wird!



AUTOR
Marleen Wiegmann
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    28. Februar 2018, 11:27 Uhr
    Aktualisiert:
    28. Februar 2018, 12:56 Uhr
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