Beim Testspiel des BVB gegen Lüttich am Samstag kamen sie nämlich gleich scharenweise aus ihren umzäunten Fincas, um sich den Deutschen Meister anzugucken. Da standen dann die sonnengebräunten deutschen Rentner, die die kalte Jahreszeit in ihrem Winterdomizil in Spanien verbringen, auf der Tribüne und bestachen gleich reihenweise durch ihr Fachwissen.
Autogramm im Visier
„Das hat der Owomeya aber gut gemacht“, sagte ein etwa 75 Jahre alter, grauhaariger Mann zu seinen zwei gleichaltrigen Sitznachbarn, als Dortmunds Patrick Owomoyela seinem Gegenspieler den Ball abnahm – und erntete dafür wissendes Kopfnicken. Kurze Zeit später wurde aus dem hellblonden Marcel Schmelzer der dunkelblonde Chris Löwe sowie ein Gegentor beklagt, das gar keins war. Der Ball war am Tor vorbei in den Fangzaun gerauscht.
Doch auf Details kam es diesen Herren offenbar nicht an. Hauptsache ihre sichtlich nervösen Ehefrauen bekamen, was sie wollten: Ein Autogramm von Dortmunds Cheftrainer Jürgen Klopp. Kaum war die Partie beendet, stürmten die Damen resolut auf das Feld und nahmen dabei weder auf Spieler noch auf Journalisten, Kameraleute oder Fotografen Rücksicht.
Mediendirektor greift ein
Und da nicht nur die drei Fußball-Experten aus Reihe G ihre bessere Hälfte mitgebracht hatten, sondern gefühlt auch alle anderen 500 Rentner auf der vollbesetzten Tribüne, wurde es eng für den sonst nie um ein Foto und eine Unterschrift verlegenen Klopp.
Es ehrt ihn, dass er trotz der Dreistigkeit, mit der die eine oder andere Dame auftrat, minutenlang jeden Wunsch erfüllte. Doch da die rüstigen Autogrammjäger partout nicht einsehen wollten, dass im Mannschaftshotel das Abendessen auf den BVB-Trainer wartete, musste schließlich Dortmunds Mediendirektor Josef Schneck einwirken. Beherzt nahm er seinen Trainer an die Seite und manövrierte ihn durch die aufgebrachte Meute in den wartendenden Bus.
Stille wieder da
Am heutigen Morgen herrschte beim Training dann wieder jene Stille, die so typisch für den Winter-Alltag in La Manga scheint. Und während wir uns an den vergangenen Tagen – vor allem aufgrund unserer leeren Mägen – darüber beklagten, wussten wir die Ruhe diesmal außerordentlich gut zu schätzen. Denn ohne das permanente Risiko, jeden Moment über den Haufen gerannt zu werden, lässt es sich deutlich besser arbeiten…











