Hoher Einsatz: Die Löwen Vincent Kittmann (vorn am Boden), Christoph Hackenesch und Raymond Wright stoppen Rists Topscorer Harold Johnston. Foto Braucks
25 Minuten lagen die Gastgeber in Führung. Mehr oder weniger deutlich. Doch dreieinhalb Minuten vor dem Ende hing der fest eingeplante Heimerfolg plötzlich am seidenen Faden: Rists überragender US-Import Harold Johnston hatte die Gäste per Korbleger 84:83 in Führung gebracht. Zum ersten Mal.
Ob Boris Kaminski es kommen sah? In den ersten Minuten stand der Hertener Trainer vergleichsweise entspannt an der Linie. Nach Viertel eins zog der Übungsleiter das Jackett aus und coachte im T-Shirt weiter. Kaminski wurde warm: Nach gutem Beginn hatte sich seine Mannschaft einen klaren Vorsprung fast abjagen lassen (21:19).
Symptomatisch für die Partie: Ein paar Mal waren die Löwen drauf und dran davonzuziehen. Als etwa Maik Berger binnen weniger Minuten vier Dreier im Gäste-Korb versenkte. Doch die Partie vorzeitig zu entscheiden, das wollte den Hertenern nicht gelingen.
Weil der letzte Biss, die letzte Konzentration fehlten. Und weil der SC Rist Wedel, der noch um den Klassenerhalt kämpft, nie aufsteckte. Vor allem Harold Johnston hielt sein Team im Spiel. Bei der Schlusssirene hatte der Amerikaner 34 (!) Punkte erzielt. „Ich wusste, dass es ein hartes Ding wird. Aber dass Johnston so einen Sahnetag erwischt, darauf waren wir nicht vorbereitet“, sagte Boris Kaminski. „Dass hier in der Halle einer 34 Punkte macht, ist schon ärgerlich.“
Weiteres Ärgernis für die Löwen: Schon im zweiten Viertel hängten die Schiedsrichter Spielmacher Zamal Nixon das vierte Foul an. „Für nichts“, wie Rists Trainer Ohzan Gürel später meinte. Nixon spielte fortan mit angezogener Handbremse oder blieb gleich ganz draußen – weil Trainer Kaminski den Winter-Neuzugang nicht schon vor dem Finale verlieren wollte.
Mit ihrer Entscheidung avancierten die Referees Tim Schneider und Daniel Muth jedenfalls zu den Buhmännern der 500 Löwen-Fans, die lautstark auf sie pfiffen oder schimpften. Was nicht ohne Wirkung blieb: Nach der Pause knöpften sie sich den SC Rist vor. „Die haben sich plötzlich um 180 Grad gedreht und alles gegen uns entschieden“, moserte Trainer Ohzan Gürel.
Seine Mannschaft machte es in der Schlussphase trotzdem spannend. Glück für die Löwen: Nach dem 83:84 ließen die Gäste zwei Chancen in Folge ungenutzt verstreichen. Dafür konterte Josh Taylor und Zamal Nixon. Nach mehr als drei Minuten ohne einen Hertener Punkt donnerte Taylor ein brillantes Nixon-Anspiel in den Korb, um kurz darauf einen Dreier zum 88:84 nachzulegen. Als 38 Sekunden später auch Zamal Nixon trotz Bedrängnis aus der Distanz traf, war das Spiel entschieden.


