"Wie ausgewechselt" ist in der Startauflage bereits vergriffen. Foto: dpa
„Wie ausgewechselt“ firmiert zwar als Autobiographie, ist streng genommen aber nur eine von dem Journalisten Patrick Strasser verfasste autorisierte Biographie, an der Rudi Assauer selbst mitgewirkt hat – so weit er konnte. Das Buch entstand im vergangenen Jahr durch zahlreiche persönliche Gespräche, die Strasser mit Assauer sowie mit dessen Familienangehörigen, Freunden und ehemaligen Weggefährten führte.
Über die Monate hinweg verschlechterte sich Assauers Gesundheitszustand, so dass Strasser sich gegen den durchgehenden Erzählstil in der „Ich-Form“ entschied. Eine „authentische, detailgetreue Wiedergabe seines Lebens aufgrund seiner Erkrankung an Alzheimer“ sei ihm „nicht glaubwürdig erschienen“, so Strasser. Das ist nur redlich. Und deshalb hat das Buch auch verschiedene Erzählebenen: Die Passagen, in denen Assauer wörtlich zu Wort kommt, sind kursiv gedruckt, machen passagenweise aber noch nicht einmal eine halbe Buchseite aus. Dazwischen wechselt das Buch zwischen nüchternem Sachbuchstil und einfühlsamem Portrait, angereichert mit Zitaten aus dem Umfeld.
Weil somit immer klar ist, was Assauer erinnert und was Strasser darüber hinaus recherchiert hat, ist die Erkrankung auch optisch im Buch stets sichtbar, obwohl sie nicht das alleinige Thema ist: Sie nimmt knapp ein Fünftel des insgesamt 250 Seiten umfassenden Buchs ein.
Die Biographie skizziert Assauers Lebensweg, vor allem seine Leidenschaft und Liebe für den Fußball. Das Buch gliedert sich in zwölf Kapitel und ist zum größten Teil chronologisch aufgebaut, beginnt aber in der Gegenwart, bei der Alzheimer-Erkrankung. Das Auftaktkapitel schildert sein „Leben mit der Krankheit“, Assauer typisch etwas derbe überschrieben mit „Alzheimer – so ‘ne Scheiße!“.
Dem schließt sich ein Kapitel über seinen Rausschmiss bei Schalke im Mai 2006 an, ehe der chronologische Rückblick auf seinen Werdegang als Fußballer und Manager, seine Stationen in Dortmund, Bremen, Oldenburg und Schalke folgt. Die Krankheit bildet die Rahmung, das Schlusskapitel greift sie nochmals auf.
Sein abruptes Ende auf Schalke, nach einem Machtkampf mit dem Aufsichtsrat um Clemens Tönnies, sah Assauer nicht kommen. Sein „Manager-Ziehsohn“ Andreas Müller, von Schalke später ebenfalls geschasst, schildert: „Tönnies war ein Narzisst, dem war der Rudi zu groß.“
Autobiographien sind subjektiv und müssen es auch sein. Dennoch bemüht sich das Buch um Ausgewogenheit, etwa wenn Assauer-Freund Werner Hansch zu Wort kommt: „Alle haben ihm in der Zeit nach Fertigstellung der Arena gesagt: ‚Assi, du bist der Größte! Rudi, du bist der Beste!‘ Da ist er meiner Meinung nach leicht abgehoben, hat den Bodenkontakt verloren, bekam zu viel Wind unter die Flügel. Er glaubte, den Status der Unverletzlichkeit erreicht zu haben. Und ein Diplomat war er ja nie.“
Seine Krankheit verwische die Emotionen, heißt es, lasse alles vergessen. An konkrete Auseinandersetzungen, etwa mit Schalkes Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, könne er sich kaum erinnern. Deswegen ist die Assauer-Biographie auch kein Buch der Abrechnung. Aber es ist auch gewiss kein Buch der absoluten Versöhnung: Mit Olaf Thon, dem er vorwirft gegen ihn im Aufsichtsrat intrigiert zu haben, hat er bis heute keinen Kontakt mehr.
Das Buch schildert Anekdoten, plaudert aus dem Nähkästchen: Etwa wenn Assauer DFB-Chef Egidius Braun als heimlichen Schalke-Fan outet, der ihm 1993 die entscheidenden Worte einflüsterte, damit Schalke den Lizenzentzug abwenden konnte. Oder über den geplatzten Transfer von Marc van Bommel vom PSV Eindhoven zu Schalke.
Manches hätte man sich genauer oder auch persönlicher gewünscht. Vielleicht hat Assauer sich zu spät dazu entschieden, seine Erinnerungen niederschreiben zu lassen. Patrick Strasser hat getan, was Journalisten am besten können: Er hat versucht, so weit es ging, Blindstellen durch weitere Recherchen zu beseitigen. Mit Einschränkungen: Wenn Menschen aus Assauers privatem oder beruflichem Umfeld im Buch nicht zu Wort kommen oder sie nicht Erwähnung finden, so sei dies auf Wunsch Rudi Assauers und seiner Familie geschehen. So schwebt Manches im Ungewissen. Aber es ist gut, dass es dieses lesenswerte Buch gibt.











