Machtkampf um Nationalspieler: Meyers ungeklärte Zukunft trübt Schalker Stimmung

Gelsenkirchen Christian Heidel lächelte gequält. „Wir haben 1:0 gewonnen, sind Zweiter in der Bundesliga – und ihr fangt mit diesem Thema an. Das gibt es auch nur hier“, seufzte der 54-Jährige. Mit diesem Thema war die Personalie Max Meyer gemeint, der mehr und mehr zum Spielball zweier Parteien zu werden droht.

  • FC Schalke 04 - Hertha BSC

    Der Lehrer und sein Schüler: Schalke-Trainer Domenico Tedesco (r.) und Max Meyer klatschen ab. Dieses Bild wird es in der nächsten Saison vielleicht nicht mehr geben. Foto: Ina Fassbender (dpa)

Auf der einen Seite steht sein Management mit dem mächtigen Spielerberater Roger Wittmann, auf der anderen Seite der FC Schalke 04 mit Manager Christian Heidel als Verhandlungsführer.

Nachdem Meyer ein weiteres Vertragsangebot von Schalke abgelehnt hatte, goss Wittmann neues Öl ins Feuer. „Zwei E-Mails reichen nicht, um einen Schalker Jungen vom Verbleib zu überzeugen“, ließ er über „Sky“ mitteilen. Die Botschaft, die dahinter steht, soll wohl heißen: Schalke habe sich bisher nicht ausreichend um eine Vertragsverlängerung mit dem Mittelfeldspieler bemüht.

Heidel reagierte überrascht. „Ich kenne Berater, die schreiben zwei E-Mails und wollen Millionen dafür. Ich werde das nicht kommentieren - ich kann es kaum glauben, dass er das sagt”, sagte der Schalker Sportvorstand und fügte hinzu, dass die Bemerkung mit den Millionen für zwei E-Mails sich nicht konkret auf Wittmann bezogen habe, sondern allgemein gehalten war. Inhaltlich wollte Heidel die Wittmann-Äußerung nicht bewerten: „Ich werde in der Öffentlichkeit nicht darüber reden, weil ich glaube, dass das nicht gut für die Sache wäre und auch nicht gut für Max.“

Fürchtet Heidel, dass Wittmann zu großen Einfluss auf den Nationalspieler besitzt und der Berater statt des Spielers über seine Zukunft entscheidet? Seine Antwort: „Ich hoffe nicht. Der Berater berät den Spieler, und dann hoffe ich, treffen beide gemeinsam eine Entscheidung.”

Dass Max Meyer eine gute Saison spielt, steht für Heidel außer Frage. Aber er beklagt: „Es geht öffentlich in die Richtung, dass Schalke da sitzt und zittert von morgen bis abends, ob ein Spieler seinen Vertrag verlängert. Das ist nicht die Position von Schalke 04. Der Verein hat einiges zu bieten, nicht nur Geld.“

Mit Leon Goretzka, der sich nach langer Bedenkzeit für einen Wechsel zu den Bayern entschied, sei der „Fall“ Meyer laut Heidel überhaupt nicht zu vergleichen. „Das ist völliger Quatsch. Wir hätten auch bei Leon Goretzka nicht akzeptiert, dass er sich zum Beispiel erst im April entscheidet. Dann wäre auch das Buch zu gewesen. Mein Trainer dreht durch. Schalke muss planen“, betonte der Schalker Vorstand.

Der 54-Jährige glaubt wohl selbst nicht mehr, dass Meyer Schalke treu bleibt. „Ich akzeptiere jede Entscheidung eines Spielers, weil es seine persönliche Karriere ist. Wenn er sich anders entscheidet, dann ist das so“, sagte Heidel.

Kehrer fällt kurzfristig aus

Meyer wollte sich nach dem Spiel nicht äußern. Von den Rängen gab es keinerlei Pfiffe für den 22-Jährigen, der gegen die Hertha eine unauffällige Leistung bot. Das galt für die gesamte Schalker Mannschaft, die durch einen Treffer von Marko Pjaca (37.) den dritten Bundesligasieg in Folge feierte und damit neun Spieltage vor dem Saisonende bereits genauso viele Punkte (43) auf dem Konto hat wie in der Vorsaison. Außerdem gelang es Schalke, in der Tabelle am Erzrivalen Borussia Dortmund vorbeizuziehen.

„Das war ein ganz, ganz zähes Spiel. Jetzt gehen wir selbstbewusst, aber nicht überheblich in die nächsten beiden Auswärtsaufgaben in Mainz und in Wolfsburg“, sagte Heidel.

Den Erfolg schafften die Königsblauen auch ohne drei Stammspieler wie Leon Goretzka (Fußprobleme), Thilo Kehrer (Infekt) und den gelb-gesperrten Guido Burgstaller. In der zweiten Halbzeit blieb Schalke zwar ohne echte Tormöglichkeit, doch das reichte gegen biedere Berliner, um drei wichtige Punkte einzufahren. Schalke bleibt auf Champions-League-Kurs – trotz der quälenden Diskussionen um die Zukunft von Max Meyer.
1 KOMMENTAR
04.03.18 21:31

Reisende soll man nicht aufhalten,

von schneekiller1

vorallem dann nicht, wenn Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander liegen!
Sorry, aber in jeder anderen Manschaft, in der er nicht der "Schalker Jung" ist, wäre er ein Spieler unter vielen.
Aber seine persönliche Klasse, kann er ja sicherich nach einem "Karrieresprung" aus der ChampionsLeauge in die zweite englische Liga beweisen!!

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