Christian Wetklo. Foto: Peter Steffen
Wie groß war die Mainzer Erleichterung nach dem 3:1-Erfolg gegen den SC Freiburg?
Keine Frage: Das war ein wichtiger Sieg für uns. Aber es gibt keinen Grund für uns, sich zurückzulehnen. Schauen Sie nur auf die Tabelle: Ein Abstiegsplatz ist nur drei Punkte entfernt. Deshalb müssen wir auch in den nächsten Wochen erfolgreich spielen.
Ist ein Mainzer Erfolg auf Schalke realistisch?
Natürlich sind die Schalker Favorit. Sie haben bisher eine ganz starke Saison gespielt. Vor allem in der Offensive sind Sie brutal gut besetzt mit Raul, Farfan oder Huntelaar ... Trotzdem haben wir in dieser Spielzeit auch schon starke Leistungen gezeigt und den einen oder anderen Favoriten ins Schwitzen gebracht. Und genau das haben wir auch am Wochenende vor.
Sie stellen sich also auf viel Arbeit ein?
Erst einmal hoffe ich, dass ich heute im Tor stehe. Momentan gehe ich davon aus, weil mir Trainer Thomas Tuchel in den letzten Wochen das Vertrauen geschenkt hat.
Wie sieht es in Sachen Vertrauen bei den Mainzer Fans aus? Es scheint so, als ob die Fußball-Euphorie in der Karnevalshochburg etwas abgeflaut ist.
Das kann ich nicht bestätigen. Es ist richtig, dass sich mit dem Umzug in das neue Stadion Fans und Spieler umstellen mussten. Das ist ein ganz normaler Prozess.
Was hat sich verändert?
Wir haben durch das größere Fassungsvermögen über 10 000 Zuschauer mehr im Stadion. Es herrschte eine andere Atmosphäre, auf die wir Spieler uns erst einstellen mussten. Hinzu kam, dass nun auch Zuschauer dabei sind, die noch nicht die ganz enge Bindung zu Mainz 05 haben. Doch mittlerweile hat sich das eingespielt und wir fühlen uns genauso wohl wie im alten Stadion.
War die höchst erfolgreiche vergangene Saison auch ein schwerer Rucksack für die Mannschaft?
Ich glaube nicht. Denn unsere Fans haben ein feines Gespür dafür, was bei Mainz 05 möglich ist und was nicht. Nach dem unerwarteten fünften Platz ist hier niemand durchgedreht. Wir wissen, was wir können und was möglich ist. Momentan sieht es so aus, als wird es eine schwere Saison. Aber das war uns auch schon vorher klar. Die Leistungsdichte in der Bundesliga ist eben enorm hoch.
Das gilt auch für die Tabellenspitze. Vier Mannschaften scheinen den Titel unter sich aus zu machen. Wem gönnen Sie die Schale: Bayern, Dortmund, Schalke oder Mönchengladbach?
(lächelnd) Diese Frage ist ein bisschen fies. Sie wissen doch, dass ich neben Mainz auch Schalke in meinem Herzen trage. Ich habe doch viele Jahre nur einen Steinwurf vom Parkstadion bzw. der Arena gewohnt. Meine Familie, meine Freunde - das sind alles Schalker. Deshalb würde ich mich freuen, wenn die Königsblauen endlich mal wieder Meister werden.
Diese Zuneigung zum FC Schalke 04 hat Ihnen allerdings auch schon mal richtig Ärger eingebracht...
Ich weiß, was Sie meinen. Als wir mit Mainz 05 mal in letzter Minute in Dortmund ein 1:1 geholt haben, habe ich direkt vor den BVB-Fans in der Südkurve gejubelt.
Eine geplante Aktion?
Nein, das war ganz spontan. Nachher bin ich dafür heftig vom Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kritisiert worden.
Zurecht?
Wir haben das schnell aus der Welt geräumt. Ich habe ihm noch mal erläutert, dass die BVB-Fans mich zuvor permanent mit Gegenständen beworfen haben. Deshalb habe ich nach dem Schlusspfiff etwas die Beherrschung verloren. Aber diese Geschichte ist längst vergessen. Emotionen gehören nun mal zum Fußball dazu.
Gerade auf Schalke, wo Sie in der Jugend ausgebildet wurden.
Diese Zeit hat mich geprägt. Erst in der Rückschau und mit einem gewissen Alter ist mir bewusst geworden, was ich dem Verein zu verdanken habe. Das gilt besonders für Torwart-Trainer Lothar Matuschak. Ich war 1995 einer der ersten Torhüter, die bei ihm in die Lehre gegangen sind. Seitdem ist der Kontakt nicht mehr abgerissen.
Wie oft telefonieren Sie?
Manchmal jede Woche. Er gibt mir immer noch Tipps. Es ist kein Zufall, dass Lothar Matuschak Torhüter wie Manuel Neuer, Ralf Fährmann oder jetzt Lars Unnerstall herausgebracht hat.
Also werden Sie am Samstag auch viele bekannte Hände schütteln.
Ja sicher. Meine Vorfreude auf dieses Spiel ist riesig. Meine Familie, meine Eltern, viele Verwandte und Bekannte - alle werden da sein. Einmal war ich ja schon mit Mainz in der vergangenen Saison als Nummer eins im Tor zu Gast. Wir haben 3:1 gewonnen.
Träumen Sie davon, einmal im Schalker Tor zu stehen?
Man soll nie nie sagen, aber ich konzentriere mich ganz auf Mainz. Wir leben hier mittlerweile seit zwölf Jahren und fühlen uns sehr wohl. Aber ...
Ja?
Wenn wir mit der Familie in Gelsenkirchen sind und wir spielen mit Mainz 05 in der Arena, dann hat mich mein achtjähriger Sohn schon des öfteren gefragt: Papa, warum spielst du nicht für Schalke 04?











