Tedesco erobert Herzen: Irrer Derbyverlauf löst Euphorie bei den Königsblauen aus

Gelsenkirchen Alle Macht den Gefühlen: Als Schiedsrichter Deniz Aytekin das Revierderby zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 abgepfiffen hatte, gab es bei den Königsblauen kein Halten mehr. Jeder, der im Signal Iduna Park mit Schalke sympathisierte, war im emotionalen Ausnahmezustand, der sich kaum in Worte fassen ließ.

  • Borussia Dortmund - FC Schalke 04

    Schalkes Trainer Domenico Tedesco (M.) sammelt weiter Symphatiepunkte bei Fans und Spielern. „Er hat uns gesagt, dass das zur Reise dazugehört, die wir machen wollen. Er hat jeden einzelnen noch mal gepackt“, sagte Nationalspieler Leon Goretzka nach dem Derby über die Halbzeitansprache des 32-Jährigen. Foto: Ina Fassbender (dpa)

Die Spieler tanzten auf dem Rasen, nach dem sie aus einem hoffnungslos erscheinenden 0:4-Rückstand zur Pause noch ein 4:4 gemacht hatten. „Das ich so etwas mit 35 Jahren noch erleben darf“, sagte Naldo mit breitem Grinsen, nachdem er für den Ausgleich in der Nachspielzeit gesorgt hatte. „Bastian Oczipka hat mir nach unserem Tor zum 3:4 gesagt, dass ich noch per Kopf ein Tor mache. Unglaublich, dass es so gekommen ist“, jubelte der Schalker Abwehrchef und fügte glückselig hinzu: „Diesen Tag werde ich nie vergessen. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft, was sie in der zweiten Halbzeit geleistet hat.“

So etwas hatte es noch in keinem Derby zwischen den beiden Erzrivalen gegeben, dass eine Mannschaft einen 0:4-Rückstand aufholt. In der Bundesliga-Geschichte war es überhaupt erst das zweite Mal, dass es einem Team gelang, ein 0:4 aufzuholen, nämlich dem FC Bayern Im Jahr 1976 in Bochum.

„Wie wir zurückgekommen sind, war purer Wahnsinn. Wenn man das als Buch verfasst hätte, hätte man sich gefragt: Was ist das denn für ein Schwachsinn,“ beschrieb Torwart Ralf Fährmann seine Emotionen. Daniel Caliguiri blickte schon ein Stück voraus: „Diese 90 Minuten bringen uns einen Riesenschritt nach vorn. Die erste Halbzeit war katastrophal. Aber danach haben wir unglaubliche Moral bewiesen.“

Was auch an Trainer Domenico Tedesco lag, dessen Arbeit mit jedem Spiel an Wert gewinnt. Nach dem achten Pflichtspiel ohne Niederlage sah der 32-Jährige zwar so erschöpft aus, als hätte er selbst mitgespielt. Doch das nahm Tedesco gern in Kauf, wohlwissend, dass dieses Spiel eine Partie für die Geschichtsbücher war, bei dem er einen wesentlichen Teil mitschriebt.

„Derbysieger“-Shirts sind im Angebot

Denn kein Spieler vergaß hinterher, seine Halbzeitansprache zu loben. „Man muss dem Trainer ein Kompliment machen. In so einer Situation nach einem 0:4 hast du zwei Optionen, wie du damit umgehst: Die eine ist, auf die Mannschaft einzutreten, und dann gibt eben noch die andere Variante. Er hat uns gesagt, dass das zur Reise dazugehört, die wir machen wollen. Er hat jeden einzelnen noch mal gepackt,“ lobte Nationalspieler Leon Goretzka seinen Trainer.

Der verlor auch beim gefühlten Schalker Derbysieg nicht die Bodenhaftung, sondern rühmte die Anhänger. „Wie uns unsere Fans auch nach dem 0:4-Rückstand unterstützt haben, das tat richtig gut. Wir freuen uns mit ihnen über dieses Unentschieden. Es ist wichtig, dass wir etwas zurückgeben,“ sagte der 32-Jährige.

Dass Tedesco zugab, von der Dortmunder Taktik mit einer Dreierkette in der Abwehr überrascht worden zu sein, erhöhte seine Sympathiewerte noch ein Stück. Aber entscheidender war, dass er fachlich darauf schnell eine Antwort fand. Die drei frühen Auswechslungen waren die richtigen Antworten auf den klaren Rückstand und brachten Schalke bis zum grandiosen Schlussakkord Stück für Stück ins Spiel zurück.

Die Königsblauen reagierten übrigens auf ihre phänomenale Aufholjagd schnell und geschäftstüchtig: Schalke bietet ab sofort zum Preis von 19,90 Euro „Derbysieger“-Shirts an.
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    26. November 2017, 19:57 Uhr
    Aktualisiert:
    31. Dezember 2017, 03:33 Uhr