Teil 2 des Trainingslager-Interviews: Tedesco: „Ich will keine Ja-Sager“

Benidorm Im zweiten Teil des großen Trainingslager-Interviews mit Domenico Tedesco spricht der Schalker Trainer über den Wechsel von Naldo, Ziele für die Bundesliga-Rückrunde und seinen neuen Co-Trainer Seppo Eichkorn.

  • Trainingslager FC Schalke 04

    Schalkes Cheftrainer Domenico Tedesco berät sich mit seinem neuen Co Seppo Eichkorn. Foto: Tim Rehbein/dpa Foto: Tim Rehbein (dpa)

Eine Sache, die die Fans bewegt, ist der Abschied von Naldo. Der kam auch für Sie überraschend...
Sehr überraschend!

Gerade Naldo war jemand, der in der Kabine auch schon einmal den Mund aufgemacht hat. Wie kann man den ersetzen?
Wenn ein Spieler weggeht, entwickelt sich eine neue Gruppendynamik, weil die Hierarchie sich verändert. Andere Spieler können Verantwortung übernehmen, können in der Hierarchie aufsteigen. Das ist aber ein Prozess, das muss sich entwickeln.

Naldo ist weg – drei andere Spieler sind gar nicht erst im Trainingslager, bei Johannes Geis, Franco Di Santo und Abdul Rahman Baba stehen die Zeichen auf Abschied. Vor allem Geis und Di Santo sind Spieler, die mit viel Vorschusslorbeeren gekommen sind. Warum ist es nicht gelungen, sie erfolgreich zu integrieren?
Das sehe ich bei Franco im vergangenen Jahr anders: Da hat er 34 Spiele für uns gemacht. Das Problem ist, dass er in dieser Saison nie so richtig in Fahrt gekommen ist. Wir brauchen jetzt einen kleinen, kompakten Kader, auf den wir uns fokussieren. Wir haben einige Gespräche mit allen drei Spielern geführt – das bin ich ihnen schuldig. Wir müssen jetzt aber auch zusehen, dass wir noch enger zusammenrücken und den Kader so aufstellen, dass wir die Energie dort hineinbringen, wo wir sie auch zurückbekommen. Bei Geis habe ich schon vor der letzten Saison gesagt, dass es für ihn nicht einfach wird. Und vor dieser Saison wieder. Transparenter und ehrlicher geht es nicht.

Für Sie war das vergangene Jahr eine Achterbahnfahrt. Nach der Vizemeisterschaft waren Sie gefühlt der Trainer des Jahrhunderts – in dieser Saison blieben Sie relativ lange von der Kritik verschont, gerieten gegen Ende aber auch in die Schusslinie. Was macht das mit einem?
Ich bekomm es natürlich mit. Das ist ja auch für mich eine neue Situation, aber ich will mich auf die Mannschaft fokussieren. Symptomatisch war das Spiel in Freiburg. Dort haben wir uns im vergangenen Jahr schwer getan, aber gewonnen. In diesem Jahr haben wir besser gespielt - und verloren.

Aber wie gehen Sie persönlich damit um?
Ich habe das Thema im vergangenen Jahr nicht so hoch gehängt und werde das jetzt auch nicht machen. Man muss sich eben aufs Wesentliche fokussieren.

Was ist denn für Schalke in diesem Jahr noch drin?
Grundsätzlich ist alles, was mathematisch möglich ist, auch in der Praxis möglich. Wir setzen uns aber jetzt kein tabellarisches Ziel, sondern wollen uns von Woche zu Woche steigern. Die Stimmung in der Mannschaft ist so gut wie schon lange nicht mehr: sehr konzentriert und sehr fokussiert, die Vorbereitung aufs Training, die Nachbereitung – das klappt alles super. Das war in der Hinrunde aus verschiedenen Gründen nicht immer so: In der Vorbereitung geht es jetzt darum, Selbstvertrauen zu entwickeln und das erste Heimspiel gegen Wolfsburg entsprechend zu gestalten.

Was kann denn Seppo Eichkorn, der neue Co-Trainer, dazu beitragen?
Er ist jemand, der sich von außen, nahezu unbeeinflusst, hier ein Bild verschaffen kann. Dann wird es viele Gespräche geben, in denen er uns sein Feedback gibt, anschließend wird er viele Individualeinheiten leiten. Da kann Seppo ein wichtiger Baustein werden.

Kann er auch jemand sein, der Ihnen bewusst widerspricht, wenn Sie etwa eine neue Idee haben?
Das ist ja nicht neu. Das machen Lars Gerling, unser Videoanalyst, Torwarttrainer Simon Henzler, und mein Co-Trainer Peter Perchtold schon lange. Das ist mir auch wichtig. Ich will keine Ja-Sager, ich will niemanden, der mir Honig ums Maul schmiert. Ganz im Gegenteil: Auch wenn wir ein Spiel gewinnen, brauche ich Leute, die mir sagen, dass diese oder jene Einwechslung nicht optimal war oder dass das Training anders gestaltet werden muss.

Lesen Sie hier Teil 1 des Interviews:
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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    9. Januar 2019, 09:33 Uhr
    Aktualisiert:
    30. Januar 2019, 03:33 Uhr