Caritas sucht interessierte Ehrenamtliche: Bildungspaten wecken die Lust am Lernen

MARL. Sie haben erreicht, dass 77 Marler Grundschüler nicht den Anschluss verlieren: Bildungspaten wecken bei Kindern wieder Lust auf die Schule. Zurzeit unterstützen 20 Paten in Marl 26 Kinder aus bildungsfernen Familien. Die Caritas schult sie und sucht weitere Ehrenamtliche, die Kinder fördern wollen – besonders in Polsum und Sinsen.

  • Bildungspaten

    Gute Spiele und Bücher fördern den Spaß am Lernen (v. l.): die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle Hildegard Schindler mit Bildungspatin Bärbel Frees und Paten-Betreuer Werner von dem Berge. Foto: Heinz-Peter Mohr

Immer mehr Kinder haben große Schwierigkeiten in der Schule, berichtet die Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Hildegard Schindler. Schon ab der zweiten Klasse fragen Schulen bei der Caritas an, ob es Paten gibt, die Kinder mit Lerndefiziten fördern wollen, bevor der Zug abgefahren ist. Wenn ihre Eltern einverstanden sind, treffen die Kinder sich für ein bis zwei Stunden pro Woche mit den Paten in Schulen oder Familienbildungsstätten – dort, wo sie ungestört lesen und rechnen können. Gut die Hälfte der Kinder kommt aus Migrantenfamilien.

Zum Beispiel Deniz (Name von der Redaktion geändert). Er kann zwar lesen, auch laut, aber viele Bücher sind ihm zu schwierig. Als er mit Patin Bärbel Frees (56) das Märchen von Ali Baba und den 40 Räubern las, freute er sich riesig. Endlich gab es eine Geschichte, die er kannte und verstand. Ein anderes Kind wollte viel erzählen. Bärbel Frees schrieb seine Geschichten auf und las sie mit ihm.

„Man muss sich in die Kinder hineindenken“, sagt Bärbel Frees. Das gelang ihr auch bei einem Jungen, der sich nicht traute, in der Schule etwas zu sagen. Sie las mit ihm „Tim und Struppi“-Comics, ließ ihn als Struppi bellen und als Häuptling befehlen. Plötzlich hatte er Spaß.

Erste Erfolge fürs Selbstbewusstsein

Solche ersten kleinen Erfolge fürs Selbstbewusstsein, die den Kreislauf der Negativ-Erlebnisse durchbrechen, sind entscheidend für die Motivation der Kinder, weiß Werner von dem Berge (69). Der ehemalige Leiter der Caritas-Beratungsstelle betreut und schult die Bildungspaten seit Jahren.

An vier Schulungstagen zeigt er ihnen, wie sie kreativ Material einsetzen und merken, worauf Kinder ansprechen: „Kinder tun viel für Lob und Anerkennung“, sagt der Psychologe. „Deshalb ist die gute Beziehung zu den Bildungspaten so wichtig. Wenn ein Erwachsener sie schätzt, sich für sie interessiert, ihnen sagt ›Das hast du gut gemacht‹, dann sind die Kinder auch lernbereit und freuen sich auf den Paten, der nur für sie da ist – selbst wenn sie schulfrei haben. Ein Paten ist für sie oft Oma- oder Opa-Ersatz.“

Auch Belohnungen fördern den Spaß am Lernen: So viel Zeit wie die Kinder arbeiten, dürfen sie ihrem Lieblingsspiel widmen. Wenn sie etwas gut machen, sammeln sie Punkte. Haben sie 10 Punkte, gehen die Paten mit ihnen Eis essen oder kickern.

Rechtzeitig eine Pause machen

Vor allem Grundschulkinder sind lern- und wissbegierig. Es kommt darauf an, bei ihnen wieder die Freude am Lernen, die Erfolgserlebnisse zu wecken – und rechtzeitig eine Pause zu machen, wenn die Konzentration nachlässt.

Die meisten Bildungspaten haben einen Teilzeitjob oder sind nicht mehr berufstätig. Alle zwei Monate treffen sie sich in der Caritas-Beratungsstelle, Max-Planck-Straße 36, geben einander Tipps, sprechen Probleme offen an. Nur in zwei von 77 Fällen wurde die Patenschaft vorzeitig beendet – weil ein Kind sich konsequent verweigerte oder die Chemie nicht stimmte. Bärbel Frees spricht für die meisten Paten: „Es macht einfach nur Spaß.“

 
Kontakt zur Caritas
Wer ein Grundschulkind ab der 2. Klasse für mindestens ein halbes Jahr (besser ein Jahr) als Bildungspate unterstützen möchte, gern auch in Sinsen oder Polsum, kann sich bei der Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, Hildegard Schindler, melden: Telefon 0 23 65 – 29 63-500 oder unter bildungspaten@caritas-marl.de
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