Prozess gegen "Fressnapf-Räuber": Überfälle, weil das Geld immer knapp war

MARL Eine überraschende Wendung fand der Prozess gegen den sogenannten "Fressnapf-Räuber" vor dem Landgericht Bochum. Der Angeklagte brach sein Schweigen über eine Mittäterin.

  • Landgericht Bochum

    am 04.04.2016 in Bochum, Gebaude Amtsgericht, Landgericht und Staatsanwaltschaft Bochum Landgericht und STA auch fuer Kreis RE zustaendig . Foto: Thomas Nowaczyk Foto: Thomas Nowaczyk

Jetzt also doch: Der „Fressnapf-Räuber“ aus Marl hat am Donnerstag doch noch seine Mittäterin benannt. Die Frau muss jetzt ebenfalls mit einem Prozess rechnen, vielleicht sogar mit ihrer sofortigen Festnahme.
Nach Angaben des Angeklagten war die bislang unbekannte Mittäterin an allen sechs Überfällen in Marl, Haltern und Dorsten dabei. Auch die Beute – immerhin rund 20.000 Euro – soll 50:50 geteilt worden sein.
Es war bereits der vierte Verhandlungstag und eigentlich hatte nichts darauf hingedeutet, dass sich der 48-Jährige mit derartig brisanten Informationen an die Richter wenden würde. Doch dann gab er seinem Verteidiger Wolfgang Zeitler ein Zeichen – und es ging los.

„Sie ist immer vor mir reingegangen und hat mir ein Zeichen gegeben, wenn alles okay war“, sagte der Angeklagte den Richtern. Manchmal habe sie die Verkäuferin auch in ein Gespräch verwickelt, um sie abzulenken. „Außerdem hat sie den Fluchtwagen gefahren.“

Der Ex-Hausmeister hatte die Frau Anfang 2015 über ein Internet-Portal kennengelernt. Sie war Mutter von fünf Kindern und nebenbei Rettungssanitäterin, er arbeitete als Hausmeister. Geld hatten beide nicht genug. „Wir haben dann in der Zeitung gelesen, dass viele Leute Überfälle machen“, sagte der 48-Jährige den Richtern. „Da haben wir das auch gemacht.“ Es sei aber immer spontan gewesen. „Eigentlich war ich völlig überfordert.“

Im Prozess vor dem Essener Landgericht hatten gleich mehrere Zeugen von einer Frau gesprochen, die möglicherweise mit dabei war. Einmal ist sie sogar auf einem Überwachungs-Video zu sehen. Doch der Angeklagte hatte dazu bislang immer gemauert.

Nun hat er das Rätsel doch noch gelöst. Wohl auch, weil die Freundschaft zu seiner Komplizin schon vor seiner Festnahme abgekühlt war.

In Marl wurde am 7. März 2016 eine Fressnapf-Filiale an der Zechenstraße, am 25. Mai ein Matratzengeschäft in der Brassertstraße und am 8. Juni ein Discounter an der Westerholter Straße überfallen.
Die Tatwaffe war nach Angaben des Angeklagten eine Softair-Pistole, die er auf einem Flohmarkt gekauft und später in einem Müllcontainer am Marler Stern entsorgt haben will. Das Urteil fällt voraussichtlich Anfang Juni.
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