Gastspiel in Coesfeld

Katielli-Ensemble spielt wieder das „verklemmte“ Musical

Ja, das ist natürlich ein Malheur. Da wollen sich zwei junge Menschen ganz unverbindlich ihrer Lust hingeben und dann das: Ein Krampf bindet die beiden länger als ursprünglich geplant.
Bernd Julius Arends (v.l.), Stuart Sumner und Rosaly Oberste-Beulmann bescheren ihrem Publikum einen vergnüglichen Abend. © Jörg Gutzeit

Es gibt Situationen, die will vermutlich niemand wirklich erleben müssen. Das ziemlich schräge Musical „Festgepoppt“ beschreibt genau so eine Situation. An einem undatierten Wochenende stürzen sich zwei junge Erwachse ins Nachtleben und feiern und tanzen nach Lust und Laune in einem Club.

Und Lust und Laune sind es auch, die ungeahnte Folgen für die beiden Protagonisten, dargestellt von Rosaly Oberste-Beulmann und Stuart Sumner, haben werden. Und zwar weil sich eben diese noch im Club, besser gesagt auf der Toilette der Diskothek, miteinander vergnügen. Denn im Zuge all der spontanen Leidenschaft passiert das Undenkbare: Ein Krampf lässt die beiden nicht mehr voneinander loskommen. Alle Versuche sich irgendwie voneinander zu lösen schlagen fehl und das Duo muss schließlich in ein Krankenhaus gebracht werden.

Theaterchef gibt die schlechtgelaunte Krankenschwester

Was schon peinlich genug begann, soll auch nicht so schnell an Peinlichkeit verlieren. Denn natürlich spricht sich der untypische Fall schnell im Krankenhaus herum. Spott und Häme sind also vorprogrammiert. Zu allem Überfluss trifft das unfreiwillige Paar auch noch auf eine zwar hilfsbereite aber stets schlechtgelaunte Krankenschwester. Die wird von Katielli-Chef Bernd Julius Arends gespielt. Und der blüht richtig auf in der Rolle der mürrischen Schwester, kann er doch seinen Talenten freien Lauf lassen.

Arends, ausgebildeter Musical-Darsteller mit Arrangements bei vielen großen Produktionen im deutschsprachigen Raum, grantelt über die Bühne und überzeugt auch in dieser Produktion wieder mit hervorragenden Gesangseinlagen.

Was sich anfangs noch nach einer mehr als schlüpfrigen Boulevard-Posse anhört, gewinnt mit zunehmender Spieldauer an Ernsthaftigkeit. Denn, wo das namenlose Duo anfangs noch auf der Suche nach einem kurzweiligen und vor allem anonymen Abenteuer war, kommen sie nun nicht mehr umher, sich mit dem jeweils anderen auseinanderzusetzen.

Boulevard-Stück mit Anspruch

Genau darin liegt die Stärke des Stückes, dass schon zig mal im Katielli-Theater aufgeführt wurde und für ausverkaufte Musical-Abende sorgte. Auch wenn am Anfang ein kurzweiliges amouröses Abenteuer steht, im Kern der Geschichte geht es vor allem darum, wie die beiden Betroffenen mit der Situation umgehen.

Denn zu allem Überfluss tauchen plötzlich noch Teile ihrer Familien im Krankenhaus auf, sind sie doch um die Gesundheit ihrer Sprösslinge besorgt. Und die beiden nutzen schließlich die Zeit, die sie miteinander verbringen müssen, um sich über die wirklich wichtigen Dinge des Lebens auszutauschen.

Der Abend in Marl

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