„Wer ist wohl der Nächste?“ Ehemaliger Kinderklinik-Oberarzt kennt Ängste der Mitarbeiter

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Usermeinungen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Wir behalten uns das Recht auf Kürzungen vor. © Ohlrich
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Auch nach 10 Jahren kinderneurologischer Praxistätigkeit bin ich der Vestischen Kinder- und Jugendklinik und der Kinderheilstätte Nordkirchen noch sehr verbunden und arbeite gerne mit den unterschiedlichen Fachdisziplinen zusammen. In meiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Oberarzt in der Kinderklinik (1993-2013) habe ich den Geist und das Herz der Klinik kennenlernen dürfen und die Fähigkeiten von Herrn Wachtel, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Immer standen dabei das Wohl und die Bedürfnisse des kranken Kindes und seiner Familie im Vordergrund.

Der Geschäftsführer der Kinderklinik hatte in seinem Tun eine Klarheit und von seinen ausgleichenden Fähigkeiten profitierten nicht nur die Chef- und Oberärzt:innen, sondern alle Mitarbeiter:innen der Klinik. Und Herr Wachtel hatte eine Reputation in ganz Deutschland. Aber – als ich im Oktober diesen Jahres zur Eröffnung des neuen OP-Zentrums Lichthafen eingeladen war, bin ich anschließend kopfschüttelnd und fassungslos nach Hause gefahren. Ich hatte zahlreiche Mitarbeiter erlebt, die erschüttert waren und in eine ungewisse Zukunft blickten.

Auch in Gesprächen nach der Eröffnungsfeier habe ich große Angst bei den Mitarbeiter:innen erlebt, und die bangen Fragen: Wer ist wohl der Nächste? Ist mein Arbeitsplatz sicher, wenn schon der Geschäftsführer Wachtel, die Identifikationsfigur der Kinderklinik, einfach so vor die Tür gesetzt wird?

Mittlerweile sind alle Mitarbeiter:innen der Kinderklinik durch ein Schreiben des Aufsichtsratsvorsitzenden, Dr. Thomas Hölscher, über die Beendigung des jahrzehntelangen Arbeitsverhältnisses mit Herrn Wachtel informiert worden. Aber – es bleiben offene Fragen, die nach Antworten schreien. Warum wird jemand wie Herr Wachtel, der im Dienste der Caritas fürsorglich und innovativ gewirkt hat, hat ohne jegliche Transparenz und Würdigung entlassen? Welche Mächte haben sich hier durchgesetzt? Mit welcher Grundhaltung werden hier Entscheidungen getroffen?

Entsetzen und Fassungslosigkeit machen sich nicht nur in mir breit. Das Vertrauen in die Kinder- und Jugendklinik geht verloren! Es kann nicht sein, dass die Verantwortlichen in Kirche und Caritas ihrem existenziellen Leitgedanken der Nächstenliebe und ihrem christlichen Auftrag, Konflikte friedlich beizulegen, nicht entsprechen.

Mit der Absetzung von Herrn Wachtel ohne Transparenz und Würdigung ist etwas verloren gegangen. Die Glaubwürdigkeit der Kinder- und Jugendklinik mit ihrer deutschlandweiten Strahlkraft muss wieder hergestellt werden. Daran sollten alle Beteiligten mit Herz und Verstand, aber auch mit der jetzt notwendigen Klarheit und Transparenz, arbeiten.

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