Musiker für eure Herzen

Zackige Marschmusik sorgt für Stimmung im Krankenhaus-Park

„Einfach nur schön, frische Luft und Musik“, sagt Selina Letzner. Die 21-Jährige hat sich nach einer Woche Bettruhe mit ihrem Mann ein gemütliches Plätzchen im Krankenhaus-Park gesucht.
"Gemeinsam Gutes tun", hieß es für die "Musiker für eure Herzen" am Wochenende im Park des St.-Vincenz-Krankenhauses. Die Patienten bedankten sich mit langem Applaus für das gelungene Konzert. © Martina Bialas

Im Park des St.-Vincenz-Krankenhauses spielen die knapp 20 „Musiker für eure Herzen“ bei bestem Wetter ein Konzert. Sie haben sich passend das Emmaus-Labyrinth für ihre Position ausgesucht, den Ort der Begegnung. Viele weitere Patienten finden sich im Garten ein und nehmen auf Bänken Platz. Musikschulleiterin Kristin Seifert, Ideengeber und Organisator Peter Hasenberg und Mitstreiter Holger Janosch aus Wulfen haben alles bestens vorbereitet.

Die Notenarrangements werden verteilt, Getränke gegen den kleinen Durst aufgebaut und kurze Absprachen getroffen. Das große Ganze ist bekannt, Janosch hatte im Vorfeld die Noten und die Liste der Musikstücke ins Netz gestellt, damit im Vorfeld fleißig geübt werden konnte. „Wir müssen hier heute richtig Gas geben, weil nicht alle von uns da sind“, motiviert Hasenberg. Und das klappt gut, der erste Marsch zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Patienten.

Im Takt rollen einige in ihren Rollstühlen an, auch die Infusionsständer, verbunden mit Handgelenken, sind kein Grund dem besonderen Ereignis fernzubleiben. Der Garten füllt sich weiter und es wird eifrig applaudiert. „Das ist Kurgarten-Atmosphäre“, freut sich Zuhörerin Beate Konertz, die eigentlich nur eine erkrankte Freundin besuchen wollte. Diese schaut aus einem der Krankenhausfenster zu und winkt.

Sogar die Begonien wippen im Takt

Der Plan der Musiker, für die Menschen zu spielen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht an Konzerten teilnehmen können, geht auf. Hasenberg kündigt unter den Schatten spendenden Eichen den Lüneburger Marsch und schon nach wenigen Sekunden ist klar, Lüneburg und Datteln passen gut zusammen. Die Flötistinnen machen einige Takte Spielpause, die Posaunen dürfen gerade dominieren. Die zackige Marschmusik scheint auch den rot-weißen Begonien im Park zu gefallen, im leichten Wind wippen sie mit den Köpfen mit.

Ein Trommelwirbel kündigt das Ende des Marsches an und schon geht es in den nächsten über. Die Dattelner Thilo und Gerrit Lagatz sind auch mit an Bord. Gerrit setzt sich sein Waldhorn an die Lippen, Thilo greift zu seiner Posaune. Die beiden sind ein eingespieltes Team, zu ihnen gehören eigentlich noch Mutter Lisa mit ihrem Saxofon und Schwester Riccarda mit ihrer Flöte, aber die setzen heute mal aus. Dafür sind einige auswärtige Musiker aus Bottrop, Olfen und Waltrop angereist. Sie freuen sich über ihren Einsatz nach der langen konzertlosen Zeit.

Sie alle hoffen, dass sie in diesem Jahr auch am vierten Advent wieder zum Einsatz kommen, denn ein adventlicher Musiknachmittag war die Grundidee von Hasenberg vor neun Jahren. Er lud nach Datteln ein, um den Patienten des Krankenhauses, der Kinderklinik sowie den Bewohnern von Seniorenheimen weihnachtliche Freuden zu bringen. Fast 100 Musiker kamen 2019 zusammen und gaben sogar noch ein kleines Konzert in der Amanduskirche, bevor sich alle mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf in zwei Busse verteilten, um zum jeweiligen Einsatzgebiet zu fahren. Auch an diesem Spätsommernachmittag zählt das Motto: gemeinsam Gutes zu tun. Nach gelungenen 60 Minuten ist das Konzert beendet, im Kopf der Zuhörer wird es noch ein wenig länger verankert bleiben.

Der Abend in Marl

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