Verdi ruft Amazon-Mitarbeiter spontan zum Streik auf

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Einige der Streikenden am Amazon-Standort in der Nähe des Borsigplatzes.
Streikende Mitarbeiter am Amazon-Standort in der Nähe des Borsigplatzes bei einer früheren Streikaktion von Verdi im Juli. © Schaper (Archivbild)
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Seit Jahren will die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) bei Amazon den Flächentarifvertrag des Einzelhandels durchsetzen. Doch der Konzern verweigere bisher jegliche Verhandlungen. Stattdessen würde er die Löhne sowie Gehälter willkürlich einseitig und willkürlich erhöhen, heißt es von Seiten der Verdi.

Ein erneuter Streik soll jetzt den Druck erhöhen. Die Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte der Amazon Logistikzentren in Dortmund und Werne zum Streik aufgerufen. Der Ausstand soll mit Beginn der Mittagsschicht am Mittwochmittag (14.9.) starten. Ein geplantes Ende der Aktion nannte Verdi bislang nicht.

Zum Prime Day am 13.7.22 haben Amazon-Mitarbeiter in Dortmund ihre Arbeit niedergelegt.
Zum Prime Day am 13.7.22 haben Amazon-Mitarbeiter in Dortmund ihre Arbeit niedergelegt. © Schaper

Ziel der Streikmaßnahmen: Amazon soll an den Verhandlungstisch kommen, um über die Anerkennung der Flächentarife zu diskutieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Verdi.

„Viele wissen nicht, wie sie den Weg zur Arbeit finanzieren sollen“

Laut Gewerkschaftssekretär Philip Keens ist das neueste Beispiel bezeichnend: Trotz einer Inflation von zuletzt 7,9 Prozent im August und der steigenden Heiz- und Strompreise diktiere Amazon seinen Beschäftigten am Standort Werne eine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent.

Dabei habe der Konzern seinen Umsatz im vergangenen Jahr um 26 Prozent gesteigert. „Die Beschäftigten sind stinksauer“, sagt Keens. „Viele wissen nicht einmal mehr, wie sie den Weg zur Arbeit finanzieren sollen.“

„Amazon sieht sich offenbar nicht in der Verantwortung“, so Silke Zimmer, Landesfachbereichsleiterin Verdi-Handel NRW. Das zeige sich deutlich an den aktuellen Plänen des Konzerns. Demnach sollen die bisherigen Prämienzahlungen abgeschafft und in die regulären Gehälter integriert werden. Gleichermaßen werde es bereits am Standort Dortmund gemacht.

In Dortmund seien die Entgelte um durchschnittlich 10 Prozent erhöht worden, erklärt Zimmer. Das klingt zwar gut – aber: Darin sei bereits der ohnehin gezahlte Boni von 6,9 Prozent enthalten. „Dies als echte Entgeltererhöhung zu verkaufen, ist Augenwischerei.“

Grundsätzlich heiße Verdi die Abschaffung von Prämienzahlungen für gut. Sie würden allerdings darauf abzielen, die Streikbereitschaft der Beschäftigten zu vermindern. „Nichtsdestotrotz bleiben alle Entgelterhöhungen ohne die Absicherung eines Tarifvertrags Almosen“, führt Silke Zimmer fort.

Nach Angaben von Amazon habe der Streik keine Auswirkungen auf die Kunden, da die Beteiligung sehr gering sei.

Amazon will die Löhne von Amazon-Mitarbeitern erhöhen

Der Konzern Amazon reagiert auf die Streikmaßnahmen der Verdi. „Alle Mitarbeitende an Amazon Logistikstandorten in Deutschland erhalten ab September 2022 eine Lohnerhöhung. Das gilt auch für die Standorte in Werne und Dortmund“, sagt Thorsten Schwindhammer, Public Relations Manager auf Anfrage unserer Redaktion.

Bei Amazon in Werne steige der Einstiegslohn damit auf 12,51 Euro brutto pro Stunde, hinzu komme ein variabler Bonus. Damit ergebe sich laut Amazon ein Stundenlohn von 13,34 Euro brutto. Nach zwei Jahren Betriebszugehörigkeit steige der Lohn in Werne und liege über 35.000 Euro brutto pro Jahr.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich bei dem Amazon-Standort in Dortmund: Hier steige der Einstiegslohn auf 12,50 Euro brutto pro Stunde. Auch hier komme ein variabler Bonus hinzu, sodass Mitarbeiter einen Stundenlohn von 13,36 Euro brutto erhalten. In Dortmund befinde sich der Lohn „deutlich über 35.000 Euro brutto pro Jahr“, nachdem man zwei Jahre im Betrieb gearbeitet hat.

Außerdem würden zahlreiche Extras und Vergünstigungen hinzukommen – etwa Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr sowie kostenlose Versicherungen und Getränke.