Frischer Wind im Katzenbuschschlösschen

Aus dem Parkrestaurant in Herten-Süd wird die „Katze im Busch“

Wo die Maus auf dem Tisch tanzt, wird gefeiert. Und wo die Katze im Busch lauert, gibt es Tresenkochen und Firmen-Events. Das und noch mehr bringt nun neues Leben ins Katzenbusch-Schlösschen.
Aus dem Parkrestaurant Katzenbusch ist die „Katze im Busch“ geworden. © Privat

Stefan Thiel ist voller Vorfreude auf das, was da kommt. Im Herbst letzten Jahres hat der Hertener Unternehmer das Katzenbusch-Schlösschen gekauft – jene traditionsreiche Immobilie, die das Stadtbild am Volkspark im Hertener Süden prägt. Damals stand es nicht gut um das imposante Gemäuer. Der Ruf des Gastronomiebetriebs war nachhaltig beschädigt, nachdem die AfD-Partei es sich zum Stammlokal auserkoren hatte. Mit dem Kauf der Immobilie wollte Thiel, der selbst Mitglied der Hertener TOP-Partei ist, einen Schlussstrich unter die Affäre ziehen. Er verkündete, dass ab sofort keine politischen Veranstaltungen mehr in den Räumen stattfinden sollen.

Ausloten, was geht und was gefällt

Vielmehr solle aus dem Betrieb ein kulinarischer Treffpunkt für alle Hertenerinnern und Hertener werden. Jetzt startet Thiel mit Unterstützung von Verwandten, Freunden und Bekannten durch. Neben gastronomischen Angeboten für Feiern und Veranstaltungen sind allerlei innovative Formate geplant – auch um auszuloten, was geht und was gefällt. Die Gastronomie in Herten wird um ein Angebot reicher.

Stefan Thiel im Obergeschoss des ehemaligen Pferdestalls, der nun „Maus auf dem Tisch“ heißt.
Stefan Thiel im Obergeschoss des ehemaligen Pferdestalls, der nun „Maus auf dem Tisch“ heißt. © Carola Wagner © Carola Wagner

Bauliche Veränderungen hat es vorerst keine gegeben. „Das Gebäude ist in einem guten Zustand, mein Vorgänger Klaus Pascoletti hat damals ganze Arbeit geleistet“, sagt Stefan Thiel. Der Wunsch nach Erneuerung wird vielmehr im Konzept und in der Namensgebung deutlich: Aus dem Parkrestaurant Katzenbusch ist die „Katze im Busch“ geworden. Das Nebenhaus, einst bekannt als Pferdestall, heißt nun „Maus auf dem Tisch“.

Bekannte Frau am Herd ist die Köchin Pia Nixon

Für die Kulinarik zeichnet ab sofort Pia Nixon verantwortlich. Die 43-Jährige ist in der Region bekannt, betrieb zuletzt ihr eigenes Restaurant Nixon im Resser Golfclub Haus Leythe und begeistert sich für die Crossover-Küche, welche verschiedene regionale, nationaler und internationaler Produkte und Zubereitungsmöglichkeiten vereint. Die Mutter von dreijährigen Zwillingen stand bereits mit Fernsehkoch Frank Rosin vor der Kamera und bezeichnet sich selbst als Erfinderin des Tresenkochens. Darunter versteht sie Kochevents mit Unterhaltungsfaktor, bei denen die Teilnehmer bei Wein und Unterhaltung unter ihrer Anleitung selbst am Herd stehen.

Köchin Pia Nixon und Eigentümer Stefan Thiel vor der neuen Location
Köchin Pia Nixon und Eigentümer Stefan Thiel vor der neuen Location “Maus auf dem Tisch”, die früher Pferdestall hieß. © Carola Wagner © Carola Wagner

Solche Kochevents will Nixon künftig im Hertener Süden anbieten, dazu wird ins Haupthaus eine Showküche eingebaut. Die „Maus auf dem Tisch“ steht für Veranstaltungen vom Geburtstag bis zur Hochzeitsfeier zur Verfügung. Vom rustikalen Schmaus bis hin zum eleganten Fünf-Gang-Menü ist dabei alles möglich. „Wir bieten Vollservice mit hochwertigen Produkten – hier für bis zu 80, im Haupthaus für bis zu 200 Personen“, erklärt Stefan Thiel. Einmal im Monat soll es ein Pop-Up-Restaurant geben – ein Angebot, das via Newsletter und über die Internetseite beworben wird. Auch Gruppen können sich in der „Maus“ oder im Biergarten treffen, jedoch alles nur nach vorheriger Anmeldung.

Mittwochnachmittag ist für Senioren reserviert

Doch das ist längst nicht alles. Thiel legt Wert darauf, dass alle Generationen auf ihre Kosten kommen sollen. Mit seinem TOP-Parteifreund Ralf Kirsch, Betreiber zahlreicher Pflegeheime, hat er vereinbart, dass der Mittwochnachmittag den Senioren gehören soll. „Dann gibt es hier Kaffee und Kuchen für die alten Herrschaften.“

Antonia Münster (19) und Tom Traufetter (18) planen Veranstaltungen für junge Leute im großen Garten des Lokals “Katze im Busch”. Hund Lars ist immer dabei. © Carola Wagner © Carola Wagner

Dass junge Leute ihren Spaß haben, ist Ziel der Aktivitäten, die Thiels Tochter Antonia Münster (19) und deren Best Buddy Tom Traufetter (18) mit großem Eifer entfalten. Die angehenden Studenten planen allerlei Partys und Pop-Up-Events, die freitags und samstags bei schönem Wetter für Leben im großen Außenbereich sorgen sollen. Über Social-Media-Kanäle wie Instagram wollen sie dazu einladen. Dann soll es Musik und Cocktails geben. Einmal im Monat ist eine Party mit DJ Philip Klaus geplant. „Erstmal wollen wir das mit Hilfe von Freunden machen. Wenn der Andrang nicht zu bewältigen ist, stellen wir Personal ein“, sagt das engagierte Team.

Für ihre Freiluft-Location haben die Zwei auch einen Namen: „Das Mint“. Der geht aufs Farbkonzept zurück. „Wir wollen Paletten als Sitzmöbel in der Farbe Mint gestalten“, sagt Antonia Münster. Auch dabei packt ein Freund aus Kreisen der TOP-Partei mit an: Luke Albermann, der Sohn von Ex-Bürgermeister Fred Toplak. Wer den geplanten Teich anlegt, auf dem dann der DJ auf einem Floß auflegen kann, ist noch offen.

Katzenbusch © Privat © Privat

Und während ringsum jede Menge Ideen für neue Formate sprudeln, bleibt eins beim Alten: Klaus Pascoletti führt weiterhin seinen Thekenbetrieb, sodass auch Besucher, die einfach mal spontan auf ein Bier vorbeikommen, nicht auf dem Trockenen sitzen.

„Es muss nicht alles gleich perfekt sein“

Stefan Thiel ist überzeugt, dass in der Immobilie Potenzial steckt, zumal die Menschen nach der langen Corona-Phase danach lechzen, auszugehen und zu feiern. „Lasst uns das mal entwickeln“, sagt er. „Es muss ja nicht gleich alles perfekt sein.“

Das Katzenbuschschlösschen

  • Am 13. Dezember 1906 fasste die Hertener Gemeindevertretung den Beschluss, im Süden der Stadt einen Volkspark und ein Gemeindegasthaus anzulegen. Grundstückseigentümer Graf Nesselrode verpachtete die 60 Morgen Wald an die Stadt – und die legte los. Das Ergebnis kann sich bis heute sehen lassen – und das ehemalige Gemeindegasthaus mit seinen Türmchen und romantischen Fachwerk-Zutaten gehört seit der Eröffnung am 23. Dezember 1908 zu den beliebtesten Fotomotiven der Stadt.
  • Lange Jahre stand der bekannte Wirt Otto Volmer hinter dem Tresen des einst florierenden, gutbürgerlichen Lokals. Als der Hertener Klaus Pascoletti es 2006 erwarb, stand das Haus leer. Besitzer und Pächter der Vorjahre hatten kein Glück mit der Wirtschaft gehabt.

  • In Verruf geriet das Parkhaus Katzenbusch 2019, als dort Treffen der AfD-Partei stattfanden. Hertener Bürger brachten ihren Unwillen darüber durch Protestaktionen zum Ausdruck. Um dem Spuk ein Ende zu bereiten, erwarb Stefan Thiel die Immobilie Ende letzten Jahres von Klaus Pascoletti. Politische Veranstaltungen sollen dort keinen Raum mehr finden, verspricht der neue Eigentümer.
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