Freude bei der SPD – Katerstimmung für die Stadt Herten

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Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter "Hertener Allgemeine" © HA
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Kommentar zum Ergebnis der Bundestagswahl in Herten und im Wahlkreis 122

Nach der Kommunalwahl 2020 herrschte in der Hertener SPD Katerstimmung. Ihr Ergebnis hatte sich halbiert. Ein Jahr später sind die Sozialdemokraten wieder in Feier-Laune. Der bundesweite Scholz-Effekt wirkt bis an die Basis – und katapultiert den SPD-Kandidaten Brian Nickholz in den Bundestag. Wer hätte das im Frühjahr geahnt? In der Hertener CDU glaubte man im Juni den Sieg von Lars Ehm schon fast sicher, standen die Christdemokraten doch damals auf Bundesebene bei 40 Prozent. Nun herrscht im schwarzen Lager Katerstimmung.

Selbst Michael Groß hatte große Mühe

Apropos Bund. Was wird Brian Nickholz für Herten und die übrigen Städte seines Wahlkreises erreichen können? Sein Vorgänger Michael Groß war in Berlin zuletzt bestens vernetzt, saß im Haushaltsausschuss, war Sprecher der SPD-Abgeordneten aus dem Ruhrgebiet – und hatte trotzdem selbst in seiner eigenen Fraktion große Mühe, Verständnis zu wecken für die Nöte der überschuldeten Städte zwischen Emscher und Lippe. Manch ein roter Abgeordneter aus Stuttgart, Schwerin oder Hannover hat überhaupt keine Ahnung, wie dringend zum Beispiel Herten auf einen Altschuldenfonds und weitere finanzielle Unterstützung angewiesen wäre. Da steht zu befürchten, dass Brian Nickholz als Bundestags-Neuling erst recht keinen Bewusstseinswandel anstoßen kann.

Letztlich mag die Hertener SPD wieder in Feierlaune sein. Doch für die Stadt Herten ist ein Ende der Katerstimmung nicht in Sicht.