Kommentar zur Woche

Harte Zeiten für die Hermannstraße

Die Schließung der Postbank ist womöglich nur der Anfang. Da wäre noch das neue Forum, die Glashaus-Sanierung... Der Hermannstraße stehen schwierige Zeiten bevor.
Frank Bergmannshoff, Redaktionsleiter "Hertener Allgemeine" © HA

Die Commerzbank schloss ihre Filiale in Herten-Mitte 2002, zurück blieb bis heute ein Geldautomat. 2017 gingen bei der Deutschen Bank am Busbahnhof die Lichter aus, 2018 bei der Targobank in der Fußgängerzone. Jetzt verlässt mit der Postbank die letzte Privatbank die Innenstadt. Voraussichtlich im dritten Quartal wird sich an der Hermannstraße in bester Lage ein fulminanter Leerstand auftun. Das ist nicht nur ein Rückschlag für das Sanierungsprojekt „Neustart Innenstadt“, das mit den sozialen, baulichen und wirtschaftlichen Problemen in der südlichen City ohnehin voller Herausforderungen steckt.

Es ist vor allem auch ein Schlag für viele Kunden der Postbank. Geldautomat und Auszugsdrucker waren stets gut frequentiert. Wo sie künftig an Bargeld kommen, ist eine spannende Frage. Der Automat der Commerzbank schräg gegenüber spuckt zwar auch für Postbank-Kunden Scheine aus – aber wie lange noch? Wann wird der Commerzbank dieses Angebot zu kostspielig?

Jeder Kunde, der nicht kommt, ist ein Verlust

Keine Frage, mit Volksbank und Sparkasse bleiben wichtige Ankerpunkte erhalten. Beide Institute bekennen sich zur Innenstadt, investieren in ihre Standorte. Durch die Schließung der Privatbanken sind die ohnehin nicht üppigen Passantenströme dennoch dünner geworden. Immer mehr Menschen machen immer mehr Finanzgeschäfte online. Corona hat diesen Trend noch beschleunigt. Und jeder einzelne Kunde, der keinen Anlass mehr sieht für einen Besuch der Innenstadt, ist ein schmerzlicher Verlust.

Es steht zu befürchten, dass die Hermannstraße in den kommenden Jahren auch an anderen Stellen Federn lassen muss. In vielen Geschäften ist die Frequenz mäßig. Und das neue Herten-Forum, das jetzt tatsächlich 2022 eröffnen soll, wird die Hermannstraße nicht retten, ihr sogar Konkurrenz machen (Stichwort dm gegen Rossmann). Obendrein steht dem Glashaus, das mit Bibliothek und Kulturbetrieb eine starke Anziehungskraft ausübt, eine Kernsanierung mit langer Schließungszeit bevor.

Jetzt ist die Zeit, sich zu rüsten

Es wird großer Anstrengungen und viel Kreativität bedürfen, diese Einkaufsmeile lebendig zu halten. Die Postbank-Schließung macht deutlich, dass für Politik, Verwaltung, Kaufleute und alle anderen Akteure genau jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, mit diesen Anstrengungen zu beginnen.

Schönes Wochenende!

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