Arbeiten in der „Kleinen Oase“ in Datteln: anstrengend, aber erfüllend

Redakteur Regionales
Meike Holz
Angelika Böckenbrink kümmert sich um den schwerbehinderten Janis. © Meike Holz
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Angelika Böckenbrink ist 55 Jahre alt, die Kinderkrankenschwester arbeitet seit 1997 in der „Kleinen Oase“. Johanna Thies ist 23 und gerade einmal seit zwei Jahren in dem Dattelner Kurzzeitwohnheim beschäftigt. „Ich habe hier schon gearbeitet, da warst du noch nicht auf der Welt“, rechnet die Ältere ihrer jungen Kollegin vor und lacht freundlich. Doch jenseits des Altersunterschieds haben Angelika Böckenbrink und Johanna Thies etwas gemeinsam: Sie sind beide von ihrer Arbeit in der „Kleinen Oase“ begeistert.

Bis zu zwölf Kinder und Jugendliche, meist mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen, leben gleichzeitig in der „Kleinen Oase“, verbringen hier mehrere Wochen im Jahr. Die Gäste haben einen hohen Pflegebedarf, die Arbeit ist anstrengend, wie beide Kinderkrankenschwestern bestätigen. Was macht den Reiz der „Kleinen Oase“ aus?

„Man bekommt sehr viel von den Kindern zurück“

Angelika Böckenbrink gibt gleich mehrere Antworten. Zum einen sieht sie die Notwendigkeit der Einrichtung: „Die Oase-Aufenthalte sind eine gute und wichtige Entlastung für die Eltern, die Pause von ihrem anstrengenden Alltag brauchen. Und für die Kinder ist das hier wie Urlaub, Ferienlager zusammen mit anderen Kindern. Zum anderen bekommt man für seine Arbeit sehr viel von den Kindern zurück“, betont die vierfache Mutter – und nennt Stichworte wie Lachen, Wärme, Herzlichkeit, das Gefühl der Gäste, hier geborgen zu sein. „Außerdem kommen die Gäste in der ,Kleinen Oase‘ immer wieder, man kennt die Kinder und die Familien, ist sich vertraut. Das ist im Krankenhaus nicht so, wo die Kinder nach der Versorgung weg sind.“

Zeit für Blubberbad und Handmassage

Für Johanna Thies spielt der Faktor Zeit eine wichtige positive Rolle bei ihrer Arbeit in der „Kleinen Oase“ „Man kann sich bei der Pflege der Kinder mehr Zeit lassen als in der Klinik: So können sich die Kinder zum Beispiel selbständiger waschen oder in Ruhe baden und dabei spielen. Da geht es nicht nur kurz rein und wieder raus aus der Wanne.“ Die Kinder sollen eine schöne Zeit in der „Oase“ haben, betont die junge Frau. Und dazu gehören auch nette, manchmal nur kleine Erlebnisse – wie zum Beispiel ein Blubberbad oder eine Handmassage. Und nicht zuletzt spielt der Zeit-Aspekt auch eine Rolle im Zusammenhang mit der Entwicklung der Kinder: „Es ist total schön, hier Fortschritte zu sehen: Ein Kind ist vielleicht im Anfang ganz still, öffnet sich dann aber und redet, ein anderes macht Fortschritte beim selbstständigen Essen.“

Meike Holz
Johanna Thies hilft der 11-jährigen Lina beim Zähneputzen. © Meike Holz

Dennoch: Bei aller Freude ist die Pflege der schwerstbehinderten Kinder und Jugendlichen körperlich hart. „Ich habe Anfang des Jahres tatsächlich überlegt, ob ich das hier noch bis zur Rente schaffe“, sagt Angelika Böckenbrink und erzählt: „Ich hatte einen Bandscheibenvorfall, war drei Monate lang raus. Da habe ich mich dann woanders beworben und hätte eine Stelle in einem Heilpädagogischen Kindergarten bekommen können. Doch nach mehreren schlaflosen Nächten und mancher Träne habe ich gemerkt: Ich kann hier nicht weg. Die ,Oase‘ ist für mich mein zweites Zuhause. Die Bewerbung und meine Absage haben mir gezeigt: Ich bleibe hier – auf Dauer.“ Nun versucht die 55-Jährige, bei der Arbeit die vorhandenen Hilfsmittel wie Lifter noch konsequenter zu nutzen, „außerdem nehmen die jüngeren Kolleginnen Rücksicht, helfen bei körperlich schweren Maßnahmen.“

„Die Kollegialität und der Zusammenhalt sind sehr gut“

Auch Johanna Thies betont mit Blick auf das insgesamt 25-köpfige Mitarbeiterteam mit Krankenschwestern, Kinderkrankenschwestern, Heilerziehungspflegern und einer Erzieherin: „Die Kollegialität und der Zusammenhalt sind sehr gut.“ Dennoch müsse man auf die Belastung achten, zumal auch die „Kleine Oase“ bei ihrer 24-Stunden-Betreuung unter Personalknappheit leide.

„Unsere Gäste machen hier Urlaub“, betonen beide Kinderkrankenschwestern. Und deshalb seien neben der Pflege auch pädagogische Angebote sehr wichtig. Das reicht vom Spazierengehen und Lagerfeuer im Garten über Besuche am Bauernhof und Bastelaktionen bis zu Kleinigkeiten wie dem gemeinsamen Tischgebet oder der Gute-Nachtgeschichte – je nach Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen. Angelika Böckenbrink stellt klar: „Auch schwerstmehrfach-behinderte Menschen haben das Recht auf weitere Angebote – nicht nur auf Pflege.“

INFO

SO KÖNNEN SIE SPENDEN

    • Die Aktion:
      Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr der „Kleinen Oase“ in Datteln. In dem Kurzzeitwohnheim leben insgesamt etwa 150 schwer behinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jeweils für einige Wochen im Jahr. Eine Abwechslung für die Betroffenen, eine wichtige Auszeit für deren Familien. In der „Oase“ werden die Kinder und Jugendlichen, die einen Pflegegrad zwischen 3 und 5 haben, von Krankenschwestern und Heilerziehungspflegern, aber auch von Therapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. In unserer Weihnachtsaktion stellen wir die „Kleine Oase“ in den nächsten Wochen jeweils mittwochs und samstags vor.
    • So können Sie spenden:
      – Spendenkonto:
      Volksbank Südkirchen – Capelle-Nordkirchen eG
      IBAN: DE85 4006 9716 0313 1321 00
      – Empfänger:
      „Kleine Oase Datteln“
      – Verwendungszweck:
      „Spende Bauer“
      – Spendenquittung:
      Gerne wird Ihnen auf Wunsch eine Spendenquittung geschickt. Geben Sie dazu bitte Ihre vollständige Adresse unter Verwendungszweck an.