Auszeiten dank der „Kleinen Oase“ in Datteln „tun einfach gut“

Redakteur Regionales
Leon Forsmann - hier mit seiner Mutter Anja - ist regelmäßiger Gast in der „Kleinen Oase“. © Meike Holz
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Was isst du gerne? Leon Forsmann tippt auf sein Tablet: „Nudeln“, antwortet der Sprachcomputer. Der Bildschirm mit den vielen Piktogrammen zu einzelnen Begriffen ist für den 12-Jährigen eine Hilfe, um zu kommunizieren. Denn Leon ist seit seiner Frühgeburt mit anschließenden Hirnblutungen geistig und körperlich behindert. Er spricht wenig, ist sehr schwer zu verstehen, kann kaum laufen.

„Der ,Talker‘ ist für Leon wichtig, den liebt er“, sagt Anja Forsmann mit Blick auf ihren Sohn, der auf dem Teppich liegt und bereits wieder auf den Bildschirm schaut. Dabei dient der Sprachcomputer nicht nur der Verständigung, hier kann der Junge auch Videos schauen, „am liebsten Zeichentrickfilme und Polizeisendungen“, wie seine Mutter erzählt.

„Au, mein Knie“, stöhnt die 50-Jährige, als sie versucht, Leon hochzuziehen. „Ich bin ja keine 18 mehr“, ergänzt sie in Richtung ihres Sohns und lächelt. Anja Forsmann lebt allein mit Leon – sie ist alleinerziehend, ihre beiden älteren, inzwischen erwachsenen Kinder sind ausgezogen. „Leon vermisst vor allem seine Schwester Lisa sehr. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Lisa ist da eine Art Ersatzmama, hat auch oft aufgepasst, wenn ich zum Beispiel einkaufen war.“

Leon verständigt sich mit Hilfe eines Sprachcomputers. © Meike Holz © Meike Holz

Den Alltag mit Leon empfindet Anja Forsmann inzwischen als „sehr anstrengend“: „Leon braucht außerhalb der Schulzeit ständige Betreuung und Pflege durch mich. Und Sachen wie baden, duschen und ins Auto setzen werden immer schwieriger. In den Ferien ist die Belastung besonders hoch – und auch die Corona-Zeit war hart, weil die Schule nicht immer stattfand“, berichtet die Recklinghäuserin.

„Wer selbst kein behindertes Kind hat, kann da nicht mitreden“

Doch Anja Forsmann erhält Auszeiten: Seit 2014 verbringt Leon jedes Jahr einige Wochen in der „Kleinen Oase“. Die Aufenthalte in dem Dattelner Kurzzeitwohnheim, in dem schwerbehinderte Kinder und Jugendliche zu Gast sind, bedeuten für die Mutter wichtige Pausen. Allerdings waren die Erholungszeiten zu Anfang keineswegs unbeschwert. „Nach den ersten Malen, die ich Leon zur ,Oase‘ gebracht habe, war es zunächst ziemlich komisch, plötzlich allein zu Hause zu sein. Das hat schon wehgetan“, erinnert sie sich. Hinzu kamen „Sprüche“ aus der Umgebung: „,Wie kann man nur sein eigenes Kind abgeben?‘, wurde da gesagt“, berichtet Anja Forsmann. „Doch damit komme ich inzwischen klar. Wer selbst kein behindertes Kind hat, kann da nicht mitreden, meine Situation überhaupt nicht nachvollziehen. Und außerdem habe ich schnell gemerkt, dass in der ,Kleinen Oase‘ tolle Arbeit geleistet wird, dass Leon dort sehr gut aufgehoben ist.“ Das sieht wohl auch Leon so: „Er ist ganz gerne da“, sagt seine Mutter – mit Blick auf basteln, backen, malen und Fahrrad fahren in der „Kleinen Oase“.

Anja Forsmann schafft es inzwischen, die Oase-Zeiten zu nutzen. „Zuerst sagt man sich: Ich mach jetzt gar nichts. Aber am Ende tut man doch viele Sachen, zu denen man sonst nicht kommt: Sport, eine Freundin treffen, auch Grundreinemachen.“ Für die 50-Jährige steht fest: „Auch wenn ich nicht in den Urlaub fahre – die Auszeit tut einfach gut.“

Leon hat sich inzwischen erneut seinem Sprachcomputer zugewandt. Wieder tippt der Junge auf den Bildschirm. Leon freut sich – und man erfährt, was er noch gerne isst: „Schokoladenpudding“.

INFO

SO KÖNNEN SIE SPENDEN

  • Die Aktion:
    Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr der „Kleinen Oase“ in Datteln. In dem Kurzzeitwohnheim leben insgesamt etwa 150 schwer behinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jeweils für einige Wochen im Jahr. Eine Abwechslung für die Betroffenen, eine wichtige Auszeit für deren Familien. In der „Oase“ werden die Kinder und Jugendlichen, die einen Pflegegrad zwischen 3 und 5 haben, von Krankenschwestern und Heilerziehungspflegern, aber auch von Therapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. In unserer Weihnachtsaktion stellen wir die „Kleine Oase“ in den nächsten Wochen jeweils mittwochs und samstags vor.
  • So können Sie spenden:
    – Spendenkonto:
    Volksbank Südkirchen – Capelle-Nordkirchen eG
    IBAN: DE85 4006 9716 0313 1321 00
    – Empfänger:
    „Kleine Oase Datteln“
    – Verwendungszweck:
    „Spende Bauer“
    – Spendenquittung:
    Gerne wird Ihnen auf Wunsch eine Spendenquittung geschickt. Geben Sie dazu bitte Ihre vollständige Adresse unter Verwendungszweck an.