Autist stellt „Kleine Oase“ in Datteln vor neue Herausforderungen

Redakteur Regionales
Max Wagner (Name geändert) in der Dattelner „Kleinen Oase“.
Voll konzentriert beschäftigt sich der 13-jährige Max mit seinem Lego-Fahrzeug. © Meike Holz
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Max Wagner (Name von der Redaktion geändert) schaut konzentriert auf das von ihm gebaute Lego-Fahrzeug. Der 13-Jährige scheint seine Umgebung völlig vergessen zu haben, er hat nur noch Augen für sein Werk, das er mit Hilfe der Produktserie „Mindstorms“ zusammengesetzt und programmiert hat. Ein Befehl auf dem Bildschirm – das Fahrzeug fährt los. Max lächelt zufrieden.

Doch Max ist nicht nur ein technikbegeisterter, geistig fitter Teenager, er ist auch Autist – „mit starken emotional-sozialen Einschränkungen, als fremdgefährdend eingestuft“, wie sein Vater sagt. „2017 ist er von der Schule geflogen, auch aus drei psychiatrischen Einrichtungen ist er schon rausgeflogen“, berichtet Martin Wagner von seinem Sohn, der bisweilen extrem heftige Ausraster hat. „Da können auch Tische oder Stühle durch die Gegend fliegen.“

Das Klientel hat sich etwas verändert

Seit 2021 gehört Max zu den Gästen des Kurzzeitwohnheims „Kleine Oase“ in Datteln. „Unser Klientel hat sich da etwas verändert: Ursprünglich kamen ausschließlich geistig und körperlich schwerbehinderte, sehr pflegeaufwendige Kinder und Jugendliche zu uns, inzwischen wohnen hier vereinzelt auch stark verhaltensauffällige Gäste“, sagt Katrin Schild.

Für die Oase-Mitarbeiter ist das eine neue Herausforderung: „Wir beobachten Max gut, versuchen, die Situation einzuschätzen und mögliche Wutausbrüche im Vorfeld zu verhindern. Oft hilft es schon, wenn wir ihn ablenken oder mit ihm nach draußen gehen, er sich bewegen kann“, erläutert die Hausleiterin. „Das bedeutet natürlich einen hohen Personalaufwand. Man muss Max ständig im Blick haben, das kann nervenaufreibender und anstrengender sein als ein Kind mit hohem Pflegebedarf.“ Andere stark verhaltensauffällige Gäste der „Oase“ sind autoaggressiv, also selbstverletzend. „Das heißt dann eine ständige 1:1-Betreuung.“

Max Wagner und sein Vater Martin Wagner (Namen geändert).
Max ärgert sich im Gespräch mit seinem Vater, dass das programmierte Fahrzeug nicht so funktioniert, wie er will. © Meike Holz © Meike Holz

Martin Wagner ist klar, dass sein Sohn kein „typischer“ Gast in der „Kleinen Oase“ ist. Und der 41-Jährige ist sehr froh, dass Max in Datteln willkommen ist: „Ich bin begeistert, dass und wie das hier gemacht wird – mit viel Geduld, Konsequenz und den notwendigen klaren Ansagen.“ Martin Wagner berichtet von einer behutsamen Eingewöhnung von Max mit Kurz-Aufenthalten in der Oase, von vielen Absprachen mit Mitarbeitern, von großer Mühe, die sich alle geben: „Das ist super hier. Es hat bisher alles von vorne bis hinten geklappt. Inzwischen kann Max schon eine Woche lang hierbleiben.“

Für den alleinerziehenden Vater bedeuten die Oase-Auszeiten seines Sohns sehr wichtige Entlastungen: „Ich arbeite Vollzeit im Schichtdienst, das ist für mich mit Max eine extrem anstrengende Situation, manchmal fühle ich mich überfordert. Bei der Betreuung helfen zwar meine Freundin und meine Mutter, doch durch die Oase sind die Auszeiten jetzt planbarer geworden.“

„Es ist immer jemand da, der sich mit Max beschäftigt“

Und Max kommt gerne in die Oase. „Das ist gut hier. Ich kann basteln, Brettspiele machen, oft spazierengehen, bin auch mit anderen zusammen. Zuhause beschäftige ich mich viel allein“, berichtet der 13-Jährige, während er kurz von seinem Lego-Fahrzeug aufschaut. „Das ist hier natürlich eine Art Urlaubssituation. Es ist immer jemand da, der sich mit Max beschäftigt, es wird sich sehr viel gekümmert – das ist so leichter zu stemmen als zuhause“, ergänzt sein Vater.

Klare Regeln für das Zusammenleben

„Meistens ist Max friedlich“, berichtet Katrin Schild von ihren Erfahrungen mit dem Teenager, der den Pflegegrad 4 hat. Er beschäftigt sich oft in aller Ruhe mit „Mindstorms“, Tablet oder Handy. Doch es kann auch wegen Nichtigkeiten wie einem seiner Meinung nach falsch liegenden Stift zu heftigen Wutausbrüchen kommen, wie sein Vater erzählt. „Das ist bei uns bisher selten. Wenn Ausraster passieren, gehen wir dazwischen, auch mit mehreren Mitarbeitern. Es ist mit dem Vater abgesprochen, dass Max dann in sein Zimmer gebracht wird. Er muss aus der Situation herausgenommen werden“, sagt Katrin Schild, die natürlich Wohlergehen und Schutz der anderen Gäste stets im Blick hat: „Ganz wichtig sind hier klare Regeln, die von zuhause auf den ,Kleine-Oase‘-Alltag angepasst werden müssen – denn Max lebt hier mit anderen Kindern zusammen.“

INFO

So können Sie spenden

  • Die Aktion:
    Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr der „Kleinen Oase“ in Datteln. In dem Kurzzeitwohnheim leben insgesamt etwa 150 schwer behinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jeweils für einige Wochen im Jahr. Eine Abwechslung für die Betroffenen, eine wichtige Auszeit für deren Familien. In der „Oase“ werden die Kinder und Jugendlichen, die einen Pflegegrad zwischen 3 und 5 haben, von Krankenschwestern und Heilerziehungspflegern, aber auch von Therapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. In unserer Weihnachtsaktion stellen wir die „Kleine Oase“ mit ihren verschiedenen Facetten in einer Serie vor – der nächste Teil erscheint am Mittwoch, 22. Dezember.
  • So können Sie spenden:
    – Spendenkonto:
    Volksbank Südkirchen – Capelle-Nordkirchen eG
    IBAN: DE85 4006 9716 0313 1321 00
    – Empfänger:
    „Kleine Oase Datteln“
    – Verwendungszweck:
    „Spende Bauer“
    – Spendenquittung:
    Gerne wird Ihnen auf Wunsch eine Spendenquittung geschickt. Geben Sie dazu bitte Ihre vollständige Adresse unter Verwendungszweck an.
  • Danke:
    Bislang wurden bei unserer Weihnachts-Spendenaktion für die „Kleine Oase“ 36.824 Euro gespendet – ein sehr erfreuliches Zwischenergebnis. Allen Spenderinnen und Spendern ganz herzlichen Dank!