Klima

Emscher/Lippe: Der Juli war einer der trockensten der vergangenen 130 Jahre

In den Gebieten von Emschergenossenschaft und Lippeverband ist es das sechste Jahr in Folge zu trocken. Und der Juli hat es sogar in die „Top 10“ der trockensten Monate geschafft. Was keinen freut.
Im August 2018 fiel die Emscher-Mündung in Dinslaken nach acht Wochen ohne nennenswerten Regen trocken. 2018 und 2019 waren besonders trocken, doch 2022 geht es in eine ähnliche Richtung. © Andreas Fritsche / EGLV

In einem Ranking vorne zu stehen, ist meistens etwas Positives. Doch diese „Top-10“-Meldung ist für die Experten der hiesigen Wasserwirtschaftsverbände kein Grund zur Freude: Der Juli erreichte im Gebiet der Emschergenossenschaft den achten Platz der trockensten Monate im Vergleich aller Juli-Monate seit 130 Jahren.

Im Durchschnitt fallen seit Beginn der Aufzeichnung im Juli 83 Millimeter Niederschlag. Doch 2022 waren es lediglich 32 Millimeter und damit weniger als die Hälfte des langjährigen Durchschnitts.

Im Gebiet des Lippeverbandes schaffte es der Juli sogar auf Platz sechs der trockensten Juli-Monate im 130-jährigen Vergleich. Der Durchschnittswert liegt bei 81 Millimeter, tatsächlich gefallen sind 36.

Damit setzt sich nach Angaben der beiden Unternehmen der Trend des bisherigen Wasserwirtschaftsjahres fort. Zwar habe die Menge der Niederschläge im April im Durchschnitt gelegen und der Februar sei sogar besonders nass gewesen – „aber insgesamt ist es viel zu trocken“.

So fielen im Bereich des Emschereinzugsgebiets bis einschließlich Juli 456 Millimeter Niederschlag – der Durchschnittswert seit Beginn der Aufzeichnung liegt bei 591 Millimeter. Und auch an der Lippe ist das Jahr zu trocken: 422 Millimeter fielen, 564 sind der Durchschnitt.

Einige Nebenläufe sind bereits trockengefallen

Die Öffentlichkeit habe im vergangenen Jahr vor allem den Starkregen und das daraus resultierende Hochwasser wahrgenommen, so die beiden Wasserwirtschaftsverbände. Doch der langjährige Vergleich zeige: Auch 2021 war insgesamt zu trocken.

Als besonders trockene Jahre hätten bisher 2018 und 2019 herausgestochen. Doch die würden durch das Wasserwirtschaftsjahr 2022 bisher sogar noch getoppt.

Niederschläge im Vormonat hätten dafür gesorgt, dass die Pegelstände zum Beispiel des Phoenix Sees in Dortmund oder des Rotbach Stausees in Dinslaken noch nicht die Tiefstände der trockenen Vorjahre erreicht haben.

Allerdings seien einige Nebenläufe bereits trockengefallen, heißt es mit Blick auf die Fließgewässer. Doch müsse das nicht unbedingt außergewöhnlich und schädlich sein: „Einige Flüsschen fallen jedes Jahr im Sommer trocken, sodass Tier- und Pflanzenwelt dort perfekt auf diese wechselhaften Bedingungen eingestellt sind.“ Generell sei aber davon auszugehen, dass Niedrigwasser und Trockenheit zunehmen werden und sich die Gewässer dadurch verändern können.

Renaturierungsprojekte für mehr Widerstandsfähigkeit

Mit Blick auf ihre eigene Arbeit halten Emschergenossenschaft und Lippeverband fest, dass naturnahe Bäche mit Totholz, Beschattung durch Sträucher und Bäume am Ufer sowie Restwasserflächen besonders widerstandsfähig gegen das Trockenfallen seien – und vor allem eine gute Chance für eine schnelle neue Stabilisierung von Fauna und Flora hätten. Insofern würden sie mit ihren zahlreichen bereits abgeschlossenen und noch geplanten Renaturierungsprojekten entlang beider Flüsse die Widerstandsfähigkeit der Gewässer gegen die Folgen des Klimawandels erhöhen.

Info

Großer Datenschatz

  • Seit 130 Jahren zeichnen Emschergenossenschaft und Lippeverband für die Gebiete entlang der beiden Flüsse die monatlichen Niederschläge auf. Fünf Messstellen gibt es an der Emscher, sechs an der Lippe. Auf diesen Datenschatz können die Wasserwirtschaftsverbände zurückgreifen, um Niederschlagsmengen zu vergleichen und Entwicklungen zu analysieren.
  • 2022 ist demnach das sechste Wasserwirtschaftsjahr in Folge, das zu trocken ist. Ein Wasserwirtschaftsjahr geht jeweils von November bis Oktober des folgenden Kalenderjahres.

Der Abend in Marl

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.