Corona

Enttäuschung über Impfversprechen

2,3 Milliarden Corona-Impfdosen für die ärmeren Länder: Für den Recklinghäuser Pfarrer Ludger Ernsting ist das eindeutig zu wenig. Er kritisiert den G7-Beschluss und die Haltung Deutschlands.
Pfarrer Ludger Ernsting leitet Gastkirche und Gasthaus in Recklinghausen. Zudem ist er Sprecher des Freckenhorster Kreises. © Ulrike Geburek

Ludger Ernsting spricht von einer Placebo-Maßnahme, wenn es um das jüngste Impfversprechen der westlichen Wirtschaftsmächte in Richtung der ärmeren Länder geht. Die G7-Staaten wollen laut Bundeskanzlerin Angela Merkel bis Ende 2022 insgesamt 2,3 Milliarden Corona-Impfdosen in die ärmeren Regionen liefern. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden elf Milliarden Impfdosen benötigt. „Es wären erheblich mehr Impfdosen wünschenswert gewesen. Mit Blick auf die ärmeren Länder, gerade auf die Ballungszentren in Lateinamerika und Asien, ist die Ankündigung der G7-Staaten so nicht verhältnismäßig“, meint Ludger Ernsting sorgenvoll. Der katholische Pfarrer der Recklinghäuser Gastkirche ist einer der Sprecher des Freckenhorster Kreises. Die innerkirchliche Reformgruppe hatte bereits vor Monaten die weltweit ungleiche Verteilung der Corona-Impfstoffe heftig kritisiert.

„Der Schutz der eigenen Wirtschaft hat Vorrang“

„Ich hatte gehofft, dass der G7-Gipfel ein deutlich stärkeres Signal setzt – sowohl durch mehr Impfdosen für die ärmeren Länder, als auch durch eine zeitweise Aufhebung des Patentschutzes bei den Corona-Impfstoffen, damit vor Ort Produktion entstehen kann. Leider haben die G7-Staaten diese Aussetzung nicht beschlossen, sich hier nicht einigen können“, sagt Ludger Ernsting.

Für den 64-Jährigen steht nach dem Gipfeltreffen fest: „Man setzt wieder auf die Wirtschaft in den G7-Ländern. Der Schutz der eigenen Wirtschaft, des eigenen Know-how hat Vorrang, spielt dabei eine große Rolle.“ Mit sehr negativen Folgen, wie er meint: „Dadurch rückt der Impfschutz für viele Menschen in weitere Ferne. Das ist mehr als beunruhigend – für die ganze Welt. Denn die Pandemie ist ein globales Problem, nur global zu lösen.“

„Man zeigt guten Willen, aber nicht mehr“

Auch explizit von der deutschen Regierung erwartet Ludger Ernsting mehr als die Ergebnisse des G7-Gipfels: „In anderen Bereichen wie den Rüstungsexporten ist man ganz groß dabei. Und hier zeigt man guten Willen, aber nicht mehr.“

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