Spendenaktion für „Kleine Oase“

Jonahs seltener Gendefekt: Erschöpfte Mutter (51) findet Hilfe in Datteln

„Ich kann nicht mehr“: Dieses Gefühl kennt Sabine Kreß aus Schwerte. Das Kurzzeitwohnheim „Kleine Oase“ in Datteln verschafft der Mutter des schwerstbehinderten Jonah notwendige Auszeiten.
Der schwerst-mehrfachbehinderte Jonah Kreß ist gerne in der „Kleinen Oase“ - was eine wichtige Entlastung für seine Mutter Sabine Kreß bedeutet. © Privat

Anfang des Jahres 2021 war Sabine Kreß verzweifelt. „Ich hatte da einen ziemlichen Tiefpunkt. Ich habe viel geweint, immer wieder gesagt: ,Ich kann nicht mehr, ich schaff das nicht mehr‘“, berichtet sie. Die alleinerziehende Mutter von Jonah war total erschöpft von der immer anstrengender werdenden Pflege ihres schwerst-mehrfachbehinderten Sohns: „Ich war zu lange über meine Belastungsgrenzen hinausgegangen.“ Inzwischen geht es Sabine Kreß wieder besser – auch dank der „Kleinen Oase“, wie sie betont.

Jonah fühlt sich im Kurzzeitwohnheim „pudelwohl“

Denn Jonah ist regelmäßiger Gast in dem Dattelner Kurzzeitwohnheim. Hier lebt er inzwischen viermal im Jahr jeweils ein bis zwei Wochen. Der 17-Jährige fühlt sich in der „Kleinen Oase“ „pudelwohl“, wie seine Mutter erzählt: „Jonah ist gerne unter Menschen. Und in der ,Oase‘ ist er zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen, es ist dort gesellig in der großen, offenen Küche, es gibt viele Angebote vom Bällebad bis zur Mal- und Tiertherapie. Es ist immer jemand da, immer etwas los – das gefällt Jonah, da ist er sehr zufrieden.“

Sabine Kreß ergänzt: „Und ohne die ,Kleine Oase‘ könnte ich die Pflege von Jonah nicht mehr stemmen.“ Jonah ist aufgrund eines seltenen Gendefekts körperlich und geistig schwer behindert. Er sitzt im Rollstuhl, der Stand seiner Entwicklung entspricht einem Alter von sechs bis 14 Monaten. Und der 17-Jährige ist inzwischen etwa 1,75 Meter groß, wiegt 55 Kilo.

Jonah wird größer und schwerer – der Pflegeaufwand wächst

„Dadurch, dass Jonah größer und schwerer geworden ist, ist der Pflegeaufwand noch einmal gewachsen“, sagt Sabine Kreß und nennt Stichworte wie An- und Ausziehen, Wickeln, Heben, ins Auto Setzen, Körperpflege. „Das wird alles immer anstrengender, abends tun mir alle Knochen weh.“ Außerdem müsse sie permanent dranbleiben, um Pflege plus organisatorische Dinge – zum Beispiel mit Krankenkassen und Sanitätshäusern – zu bewältigen. Ihr Fazit: „Ich brauche immer längere Auszeiten, um meine Akkus wieder aufzuladen.“

Urlaub in der „Kleinen Oase“: Jonah Kreß bei der Ankunft am Dattelner Kurzzeitwohnheim. © Privat © Privat

In dieser Situation sind die Oase-Termine von Jonah eine Art Rettung für die 51-Jährige, die mit ihrem Sohn in Schwerte lebt. „Es ist ganz wichtig für mich zu wissen: In diesen ,Oase-Zeiten‘ habe ich frei – muss nicht ständig machen und auf die Uhr gucken.“ Sabine Kreß nutzt dann den plötzlichen Freiraum: „Erst brauche ich ein paar Tage, um herunterzukommen – vom Machen, Machen, Machen. Und dann tue ich, wozu ich Lust habe: einen Stadtbummel in Dortmund, spazierengehen, Rad fahren, meine beiden anderen erwachsenen Kinder besuchen, auch mal Urlaub.“ Sabine Kreß hat die Erfahrung gemacht: „Das verleiht so viele Kräfte – unglaublich.“

„Ich weiß, dass es in der ,Kleinen Oase‘ gut läuft“

Heute ist die „Kleine Oase“ sehr wichtig für Sabine Kreß, früher sah das ganz anders aus. „So etwas wie Kurzzeitwohnen hatte ich bis 2014 gar nicht auf dem Schirm. Aber seit ich alleinerziehend bin, ist mir klar, dass ich unbedingt ein funktionierendes Netzwerk brauche. Und da ist die ,Kleine Oase‘ top. Das passte von Anfang an.“

So nutzt Jonah seit 2016 die „Kleine Oase“. „Im Anfang fiel es mir alles andere als leicht, ihn abzugeben. Das war total ungewohnt für mich. Aber inzwischen habe ich dadurch gelernt, ein Stück loszulassen. Ich bin da viel gelassener geworden.“ Hier spielt natürlich auch das große Vertrauen in das Kurzzeitwohnheim eine wichtige Rolle. „Ich weiß, dass es in der ,Kleinen Oase’ gut läuft. Wenn ich Jonah nach seiner Zeit in der ,Oase‘ abhole, ist er jedes Mal in einem guten Pflegezustand. Und er ist sehr ausgeglichen und fröhlich.“ So steht für Sabine Kreß fest: „In der ,Kleinen Oase‘ machen die alles richtig. Ich kann da immer nur danke sagen.“

INFO

SO KÖNNEN SIE SPENDEN

  • Die Aktion:
    Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr der „Kleinen Oase“ in Datteln. In dem Kurzzeitwohnheim leben insgesamt etwa 150 schwer behinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jeweils für einige Wochen im Jahr. Eine Abwechslung für die Betroffenen, eine wichtige Auszeit für deren Familien. In der „Oase“ werden die Kinder und Jugendlichen, die einen Pflegegrad zwischen 3 und 5 haben, von Krankenschwestern und Heilerziehungspflegern, aber auch von Therapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet.
  • So können Sie spenden:
    – Spendenkonto:
    Volksbank Südkirchen – Capelle-Nordkirchen eG
    IBAN: DE85 4006 9716 0313 1321 00
    – Empfänger:
    „Kleine Oase Datteln“
    – Verwendungszweck:
    „Spende Bauer“
    -Spendenquittung:
    Gerne wird Ihnen auf Wunsch eine Spendenquittung geschickt. Geben Sie dazu bitte Ihre vollständige Adresse unter Verwendungszweck an.

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