Pandemie

Kinder sind aktuell die Corona-Treiber im Kreis Recklinghausen

Die unter Zehnjährigen sind am stärksten am Infektionsgeschehen beteiligt. Das hat Gründe.
Kinder unter zehn Jahren sind im Kreis Recklinghausen zwar überproportional von Corona-Infektionen betroffen, aber viele von ihnen spüren überhaupt keine Symptome. © picture alliance/dpa

Im Kreis Recklinghausen leben rund 55.200 Kinder unter zehn Jahren. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt 8,9 Prozent. Am Corona-Infektionsgeschehen sind sie aktuell jedoch deutlich überproportional beteiligt – nämlich zu 20,3 Prozent. Außerdem weist diese Altersgruppe mit 48,9 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz auf (der kreisweite Durchschnitt über alle Altersgruppen lag am Donnerstag bei 21,7).

Vermehrte Corona-Fälle an Grundschulen

Bei der Ursachenforschung landet man schnell bei Kitas und Schulen. „Vor allem an Grundschulen registrieren wir zurzeit vermehrt Fälle“, berichtet Kreis-Sprecherin Svenja Küchmeister auf Anfrage.

Die Infektionen verlaufen häufig harmlos. Nur 37 Prozent aller Kinder unter zehn Jahren, die sich im April angesteckt haben, entwickelten überhaupt Krankheitssymptome. Die Anfälligkeit steigt mit dem Alter, ab 30 Jahren aufwärts klagen bereits 70 Prozent und mehr der Betroffenen über Husten, Fieber, Schnupfen oder Störung des Geruchs- und Geschmackssinns.

Viele Positiv-Fälle wegen der regelmäßigen Tests

Auch sind die Krankheitsverläufe bei Kindern bei weitem nicht so gravierend. Nur ein Prozent der unter Zehnjährigen machte im April wegen schwerer Symptome Bekanntschaft mit einem Krankenhaus. Der Durchschnitt über alle Altersgruppen lag bei neun Prozent, bei den über 80-Jährigen musste sogar jeder zweite Infizierte stationär in einer Klinik aufgenommen werden.

Viele Infektionen bei Kindern würden gar nicht auffallen, wenn die Jungen und Mädchen nicht zwei Mal in der Woche in der Schule getestet würden. Insofern hat die vergleichsweise hohe Zahl an Positiv-Fällen auch ihre gute Seite. Ohne Tests blieben zahlreiche Infektionen unerkannt. So aber können betroffene Schülerinnen und Schüler rechtzeitig isoliert und ganze Lerngruppen in Quarantäne geschickt werden. „Das hilft bei der weiteren Eindämmung der Pandemie“, erläutert Svenja Küchmeister. Die Kreis-Sprecherin verweist auf medizinische Erkenntnisse, nach denen Kinder allerdings weitaus weniger ansteckend seien als Erwachsene.

Kinderärzte halten sich mit dem Impfen zurück

Weil Kinder in der Regel nicht oder kaum wegen einer Corona-Infektion leiden müssen, sind auch die Kinder- und Jugendärzte im Vest zurückhaltend beim Thema Impfen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung für Corona-Impfungen lediglich von vorerkrankten Kindern ab zwölf Jahren abgegeben. Und an diese Vorgabe wollen sich die Ärzte auch halten, wie Dr. Andreas Schmutte, Sprecher der Kinder- und Jugendärzte im Kreis Recklinghausen, in dieser Woche mitteilte.

Die beiden Impfungen (mit Biontech) sollen wie auch bei Erwachsenen im Abstand von drei bis sechs Wochen gegeben werden. Das Bulletin des Robert-Koch-Instituts listet eine Reihe von Krankheiten auf, bei deren Vorliegen es eine Corona-Impfung empfiehlt: Starkes Übergewicht, Immunschwächekrankheiten, Diabetes, Trisomie 21, Tumorleiden sowie Herz-, Lungen- und Nierenerkrankungen.

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