„Kleine Oase“ in Datteln: Das Ziel ist eine liebevolle Begleitung

Redakteur Regionales
Die schwerbehinderte Denise und Hausleiterin Katrin Schild in der „Kleinen Oase“.
Hausleiterin Katrin Schild (r.) hat viel Kontakt zu den Gästen der „Kleinen Oase“, hier spricht sie mit der schwerbehinderten Denise. © Meike Holz
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Was ist das Ziel der „Kleinen Oase“? Bei dieser Frage muss Katrin Schild keinen Moment lang überlegen: „Wir möchten unseren Gästen eine schöne Zeit bereiten und ihren Eltern eine Auszeit vom anstrengenden Alltag ermöglichen“, sagt die Hausleiterin. Etwa 150 körperlich und geistig schwerbehinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche – in der Regel mindestens mit Pflegegrad 3 – leben jedes Jahr einige Wochen in dem Dattelner Kurzzeitwohnheim. „Wir wollen unsere Gäste professionell und liebevoll begleiten“, betont Katrin Schild. „Das versuchen wir jeden Tag – seit 25 Jahren, bei allen Veränderungen, die es sonst gab.“ Denn natürlich hat sich in dem Vierteljahrhundert, das die „Kleine Oase“ inzwischen besteht, einiges verändert.

„1996 wurde die Oase von Ordensschwestern gegründet, die in der Kinderklinik gearbeitet hatten. Damals wurden häufiger Kinder mit Behinderungen einfach in der Klinik ,abgegeben‘ – es gab keine andere Möglichkeit einer Auszeit für die Eltern“, berichtet Katrin Schild. „Da haben die Schwestern vom ,Orden der Schwestern der göttlichen Vorsehung‘ dann Spenden gesammelt – und so ist die Oase entstanden.“ Bis 2015 waren Ordensschwestern in der „Kleinen Oase“ beim Personal mit dabei, dann kam der Auszug aus Altersgründen. Der ehemalige Wohnbereich der Schwestern ist inzwischen umgebaut worden, mit Hilfe einer neuen zweiten Wohn-Ess-Küche gibt es nun zwei Sechsergruppen bei den Gästen. „Vorher war es eine Zwölfergruppen, so ist es etwas ruhiger, es ist schön geworden“, kommentiert Katrin Schild.

Ein Grundgedanke ist der Respekt vor jedem Leben

Doch nicht nur Mitarbeiterschaft und Räumlichkeiten haben sich verändert, auch das Klientel des Kurzzeitwohnheims hat ein anderes Gesicht erhalten, wie Katrin Schild berichtet: „Im Anfang hatten wir ausschließlich schwerbehinderte Kinder und Jugendliche mit hohem Pflegeaufwand. In den letzten Jahren sind stark verhaltensauffällige Gäste mit herausforderndem Verhalten dazugekommen. Das ist im Alltag schon eine Aufgabe, beiden Gruppen gerecht zu werden.“

Doch bei allen Veränderungen ist der Grundgedanke immer gleich geblieben: „Der Anspruch ist es, unsere Gäste in der Oase gut zu begleiten – mit Respekt vor jedem Leben“, betont Katrin Schild. Das reicht von der Pflege bis zu Therapien und Freizeitangeboten, von dem gemütlichen Gemeinschaftsraum bis zur Gestaltung der Zimmer. „Kuba“, „Mallorca“, „Orient“, „Holland“: An jeder Zimmertür sind Name und Foto einer Urlaubsregion zu sehen. „Der Aufenthalt hier soll Urlaubs-Charakter für unsere Gäste haben“, so Katrin Schild. Die „Kleine Oase“ soll „Wohlfühl-Oase“ sein.

„Das Vertrauen der Eltern ist notwendig“

Das ist sowohl für die Kinder als auch für deren Eltern wichtig: „Sie müssen ihre Kinder hier gut aufgehoben wissen, sie mit einem guten Gefühl zu uns bringen“, sagt die Hausleiterin. „Einerseits prägt und entspannt das den Aufenthalt unserer Gäste, andererseits ist nur so eine wirkliche Pause für die Eltern möglich. Das Vertrauen der Eltern ist notwendig – und damit auch ein Vertrauensvorschuss vor dem ersten Oase-Aufenthalt. Und da viele unserer Gäste sich nicht äußern können und eine spezielle Pflege brauchen, ist das schwierig – eine große Leistung der Eltern“, betont Katrin Schild.

Hausleiterin Katrin Schild bei der Büroarbeit in der
Auch das Erstellen des Dienstplans gehört zu den Aufgaben von Katrin Schild. © Meike Holz

Die 43-Jährige arbeitet seit 20 Jahren in der „Kleinen Oase“ – erst in der Pflege, dann als stellvertretende Hausleitung, inzwischen seit zwei Jahren als Hausleitung. So blickt auch sie auf einige Veränderungen ihrer Arbeit zurück. Geblieben ist die Leidenschaft für ihren Beruf: „Ich wollte immer schon Kinderkrankenschwester werden, und habe immer gerne Kinder mit Behinderungen betreut“, berichtet die Oer-Erkenschwickerin und ergänzt: „Es ist hier eine schwere und wertvolle Tätigkeit, schön, Entwicklungen und Fortschritte bei den Kindern zu sehen. Man freut sich über jede Reaktion, jede kleine Geste, ein Lächeln: Da geht einem das Herz auf.“ Für Katrin Schild steht fest: „Ich kann mir nicht vorstellen, woanders zu arbeiten als in der ,Kleinen Oase‘.“

Die Freude an der Arbeit betrifft sowohl den Kontakt zu den Gästen, als auch die Zusammenarbeit mit ihrem insgesamt 25-köpfigen Mitarbeiter-Team mit Kinderkrankenschwestern, Krankenschwestern, Heilerziehungspflegern, einer Erzieherin. Allerdings schränkt Katrin Schild ein: „Das Personal ist schon knapp. Und wenn dann noch Krankheitsfälle dazukommen, bringt mich das Erstellen des Dienstplans manchmal an den Rand der Verzweiflung.“

INFO

So können Sie spenden

  • Die Aktion:
    Unsere Weihnachts-Spendenaktion gilt in diesem Jahr der „Kleinen Oase“ in Datteln. In dem Kurzzeitwohnheim leben insgesamt etwa 150 schwer behinderte oder stark verhaltensauffällige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene jeweils für einige Wochen im Jahr. Eine Abwechslung für die Betroffenen, eine wichtige Auszeit für deren Familien. In der „Oase“ werden die Kinder und Jugendlichen, die einen Pflegegrad zwischen 3 und 5 haben, von Krankenschwestern und Heilerziehungspflegern, aber auch von Therapeuten und ehrenamtlichen Mitarbeitern begleitet. In unserer Weihnachtsaktion stellen wir die „Kleine Oase“ in den nächsten Wochen jeweils mittwochs und samstags vor.
  • So können Sie spenden:
    – Spendenkonto:
    Volksbank Südkirchen – Capelle-Nordkirchen eG
    IBAN: DE85 4006 9716 0313 1321 00
    – Empfänger:
    „Kleine Oase Datteln“
    – Verwendungszweck:
    „Spende Bauer“
    – Spendenquittung:
    Gerne wird Ihnen auf Wunsch eine Spendenquittung geschickt. Geben Sie dazu bitte Ihre vollständige Adresse unter Verwendungszweck an.
  • Danke:
    Bislang wurden bei unserer Weihnachts-Spendenaktion für die „Kleine Oase“ 30.924 Euro gespendet – ein tolles Zwischenergebnis. Allen Spenderinnen und Spendern ganz herzlichen Dank!