A42/A43

Tunnel Baukau: „Wir bauen unter dem rollenden Rad“

Der Ausbau der A43 schreitet voran. Nun hat eine weitere wichtige Baumaßnahme begonnen: Im Autobahnkreuz Herne entsteht ein Verbindungstunnel zur A42. Der geplante Tunnel Baukau bringt zwei besondere Herausforderungen mit sich.
Mittels bergmännischem Vortrieb wird jetzt die Tunnelröhre für den Tunnel Baukau gegraben. Rohre bilden einen „Schutzschirm“. Auch damit die Gleise oberhalb nicht in Bewegung geraten. © Meike Holz

Auf einer Länge von insgesamt 28 Kilometern soll die Autobahn 43 zwischen Marl und Witten sechsspurig ausgebaut werden. 2014 haben die Arbeiten dafür in Recklinghausen begonnen. Bestandteil des Projekts „Neue A43“ ist auch der neue Tunnel Baukau im Herner Kreuz. Er soll zukünftig mit einer Länge von 552 Metern A43 und A42 in Richtung Duisburg verbinden. Teile dieses Tunnels wurden bisher in offener Bauweise errichtet. Dabei wird ein Betontrog mit einem Deckel versehen. Doch seit gestern müssen sich die Tunnelbauer nun tatsächlich durch die Erde buddeln. Dabei wird die Tunnelröhre mittels „bergmännischen Vortriebs gegraben“, wie Guido Meinzer, Projektleiter beim A43-Ausbau, zum Start dieser Arbeiten erläutert.

Überraschungen sind nicht ausgeschlossen

Auf dem Weg „durch den Berg“ müssen die Experten von der Autobahn Westfalen zwei besondere Herausforderungen meistern.

Erstens: Der Berg ist kein natürliches Gesteinsvorkommen, sondern eine Abraum-Halde. „Wir haben es hier mit inhomogenem, nicht klar definiertem Material zu tun“, sagt Meinzer. Sprich: Überraschungen sind in den kommenden Tagen und Wochen nicht ausgeschlossen. Schließlich könne man im Vorfeld immer nur „punktuell in die Erde hineingucken“.

Zweitens: Die Tunnelröhre muss unter Bahngleisen gegraben werden, die mehrere Personenverkehr- und Güterstrecken durch das Herner Kreuz führen. „Wir bauen unter dem rollenden Rad“, so Meinzer. „Das macht es schwierig.“

Guido Meinzer, Projektleiter beim Ausbau der A43, erläutert auf der Baustelle die nächsten Arbeitsschritte. © Meike Holz © Meike Holz

Diese Besonderheiten hätten auch spezielle Vorarbeiten notwendig gemacht, heißt es von der Autobahn Westfalen. So seien bereits 20 mit Beton verfüllte Stahlrohre mit einem Durchmesser von 1,60 Metern etwa 60 Meter durch den künstlichen Berg getrieben worden, um so einen „Schutzschirm“ für die eigentliche Tunnelröhre zu schaffen. Denn: „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Gleise oberhalb nicht durch den Tunnelbau bewegen“, so Meinzer.

Dann wird auf dem Smartphone ein Alarm ausgelöst

Sollte das doch passieren, wird auch bei Bauüberwacher Georg Timmerkamp ein Alarm auf dem Smartphone ausgelöst. „Wir haben dafür ein Monitoring“, erläutert er. Aus zwei weißen Kästen heraus wird Licht in Richtung von Prismen gesendet, also an gelbe Reflektoren, die an den Schienen angebracht sind. Und so kann ermittelt werden, „wenn sich die Höhe oder die Lage der Gleise verändert“, so Timmerkamp.

24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche werden sich die Tunnelbauer nun Stück für Stück vorarbeiten. Dabei werden die Tunnelwände und die Decken immer in etwa fünf Meter langen Abschnitten betoniert, bevor der nächste Vortrieb angegangen wird – sodass sie bereits wieder als Stützen fungieren können.

Insgesamt 16 Monate wird es dauern, bis an drei Stellen Tunnelstücke im klassischen Vortrieb hergestellt worden sind. Und noch etwas länger, bis der Verkehr von der A43 durch den Tunnel auf die A42 rollen kann. Denn im Anschluss an die Tunnelarbeiten müssen noch zwei Bahnbrücken gebaut werden, die über die A42 führen. „Erst wenn diese Brücken fertig sind, können wir den Tunnel für den Verkehr freigeben“, so Meinzer.

Im Bereich Recklinghausen ist man „sehr weit“

Im Anschluss an den Bau des Tunnels Baukau soll das Kreuz Herne fertiggestellt werden. Dieses wird laut Autobahn Westfalen voraussichtlich bis 2030 dauern.

„Dagegen sind wir im Bereich Recklinghausen sehr weit“, sagt Meinzer. Bereits im vergangenen Jahr sei ja die sechsspurige Freigabe des Bereichs Recklinghausen/Herten bis Kreuz Recklinghausen erfolgt.

Aktuell wird zwischen Recklinghausen und Herne der Neubau des Emschertalbrückenzugs vorbereitet, zu dem auch die beschädigte Brücke über den Rhein-Herne-Kanal gehört.

Ursprünglich wurden für die „Neue A43“ Kosten in Höhe von rund 800 Millionen Euro veranschlagt.

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