Bundestagskandidat für Marl

Auf einen Kaffee bei Robert Heinze

Der Marler Robert Heinze will für die FDP in den nächsten Bundestag einziehen. Wir haben ihn vor der Wahl zu Hause besucht.
Auf einen Kaffee: Die Redaktion war zu Gast bei FDP-Kandidat Robert Heinze, hier mit seiner Ehefrau Ilse. © Meike Holz

Der Hausherr öffnet die Tür und der Blick der Besucher fällt beim Eintritt zuerst auf ein riesiges Aquarium. Im Garten gibt es einen liebevoll angelegten Teich. Die Aquaristik ist ein Hobby des Bundestagskandidaten, das wohl wenige Marler kennen. Über viele andere seiner Interessen weiß man dafür umso besser Bescheid.

Denn Robert Heinze ist ein bekannter Mann in Marl – mit seiner Bundestagskandidatur hat das nicht einmal etwas zu tun. Vielleicht auch weniger mit der Partei, für die er antritt, die FDP, sondern eher mit seinem Beruf und mit seinem Engagement in Vereinen und Verbänden.

Vorsitzender der Stadtgartengesellschaft

Robert Heinze war zum Beispiel Vorsitzender der Stadtgartengesellschaft, die sich um den Volkspark in Alt-Marl kümmerte und jedes Jahr mit dem Stadtgartenfest für das gesellschaftliche Ereignis des Jahres in Marl sorgte. Die Stadtgartengesellschaft gibt es nicht mehr, das ehrenamtliche Engagement von Robert Heinze ist darum aber nicht beendet. Er ist Mitglied in vielen Vereinen, zum Beispiel bei den Bürgerschützen, er gehört dem Lions Club an und kümmert sich seit über 30 Jahren um Hilfsprojekte für Haiti. Aber davon später mehr.

Politiker mit Vorliebe für leidenschaftliche Debatten

Wer Robert Heinze kennt, weiß, er ist auch ein Politiker mit Herz und Seele. Seit 43 Jahren ist der selbstständige Diplom-Ökonom Mitglied der Freien Demokraten. Mehr als 20 Jahre gehört er dem Rat der Stadt Marl an – und ist bekannt für seine leidenschaftlich geführten Debatten, besonders wenn es um den städtischen Haushalt geht. „Den ersten Wahlkampf habe ich mit 18 gemacht“, erzählt der Marler. Jetzt will er als erfahrener Politiker auch in den Bundestag einziehen – und wirbt dieses Mal nicht nur auf Plakaten, sondern auch in sozialen Netzwerken fleißig um Stimmen.

Online Kontakt zur Basis

„Früher hat mein Mann geschimpft, wenn unsere Söhne das Handy dauernd am Ohr hatten“, erzählt Ehefrau Ilse Kiffe-Heinze schmunzelnd. Heute hält auch Robert Heinze die Datenverbindungen zur Welt permanent aufrecht. „Das Smartphone liegt fast immer neben ihm auf dem Tisch“, sagt seine Frau. Und auch, wenn ihr Mann heute nicht nur Vorzüge darin sieht, permanent mit der ganzen Welt vernetzt zu sein, ist ihm die Kommunikation mit der Basis wichtig. Und dabei hilft das Internet.

Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie hat Robert Heinze Facebook, Instagram und andere Kanäle zu schätzen gelernt. „Aber der persönliche Kontakt zu den Menschen hat mir trotzdem gefehlt“, sagt er. Darum hat seine Partei zur Bundestagswahl in Marl ein Wahlbüro eingerichtet, in dem bereits einige Veranstaltungen stattfinden konnten – coronagerecht.

Die Chancen für Berlin stehen gut

Der 65-Jährige hat gute Chancen, einen Platz im neuen Bundestag einzunehmen. Er wurde auf Platz 23 der FDP-Landesliste gewählt. Mit seiner Ehefrau hat er seine Pläne natürlich abgestimmt. Die drei Söhne sind erwachsen, aus seinem Getränkefachgroßhandel und Veranstaltungsservice ist er offiziell ausgeschieden. Er hat den Rücken frei für Berlin.

Dass der gebürtige Marler sich für die Partei der Selbstständigen entschied, wurde ihm fast in die Wiege gelegt. Er wurde sozusagen in einer Backstube an der Bahnhofstraße in Marl-Sinsen groß. Die Bäckerei Heinze, 1910 gegründet, war sein Zuhause, ein bekannter Marler Familienbetrieb, den seine Schwester heute noch führt.

Nach der Hochzeit mit Ilse Kiffe-Heinze vor 44 Jahren zog er in den Stadtteil Brassert, wo seine Frau seit Kindertagen zu Hause ist und wo der Weg des Sinseners in die Gastronomie führte. Das alte Wirtshaus Kiffe an der Schachtstraße ist Geschichte. Aber die Familie ist in Brassert geblieben. Die Kinder, die Leben ins Viertel brachten, als sie klein waren, sind ausgezogen. „Als wir hierher kamen, lebten hier viele ältere Menschen“, erzählt Ilse Kiffe-Heinze und lächelt, als sie hinzufügt: „Heute sind wir schon die Senioren.“

So hatte Robert Heinze das als junger Mann nicht geplant. Als Student in Münster hatte er sich doch mal vorgenommen, nie mehr nach Marl zurückzukehren. Aber da kam ihm die Referendarin Ilse Kiffe dazwischen.

Einer der ersten an der Fernuni

Aber wenn etwas zu seinem Leben gehört, dann ist es die Lust auf Neues. Er war einer der ersten, als sich Studenten an der Fernuniversität Hagen anmelden konnten.

Nach seinem Diplom als Kaufmann machte Robert Heinze sich kurz darauf selbstständig. „Ich war in meinem Beruf immer einer der Jüngsten“, erklärt er. 1991 ließ er sich als erster Unternehmer im damals neuen Gewerbegebiet an der Elbestraße in Marl nieder. „Wir brauchten Platz, und dort haben wir ihn gefunden. Und ich bin schon immer gerne Unternehmer gewesen.“ Darum hat er sich auch nach seinem offiziellen Abschied nicht komplett aus dem Arbeitsleben zurückgezogen und betreibt weiter seinen Getränkehandel und die Gaststätte, in der jetzt auch das Wahlbüro ist.

Verbindung nach Haiti

Ganz loslassen mag er die Dinge, die ihm wichtig sind, eben nicht. Das gilt auch für sein Engagement für die Haiti-Hilfe. Das Ehepaar Heinze machte über seine eigene Familiengeschichte Bekanntschaft mit dem Karibikstaat, der zu den ärmsten Ländern der Welt zählt und der immer wieder von Katastrophen heimgesucht wird, zuletzt erneut von einem schlimmen Erdbeben.

Robert Heinze und Ilse-Kiffe Heinze hatten bereits Zwillinge adoptiert und wollten ein drittes Kind bei sich aufnehmen. Die Suche nach einer geeigneten Vermittlungsstelle führte nach Haiti. „Dort stellte sich für uns ganz schnell natürlich auch die Frage, wie kann man den Menschen helfen“, berichtet Robert Heinze.

Nach drei Reisen stand die Organisation in Haiti

Dreimal reiste Robert Heinze wegen einer möglichen Adoption in das Land, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Danach war nicht nur der Weg zur Adoption frei. „Die Organisation vor Ort stand“, erzählt er. Die Verein Haiti Kinderhilfe wurde gegründet und brachte Projekte in Gang.

Das erste war eine Krankenstation, es folgten Schulprojekte, ein Heim für Jungen und eines für Mädchen in Port-au Prince. Eine Schusterwerkstatt ging auf die Reise und sichert dort den Lebensunterhalt eines jungen Handwerkers. Aus der Schweiz wurde die Einrichtung einer Arztpraxis auf den Weg geschickt, damit ein Mediziner, der als Kind im Jungenheim aufwuchs, jetzt praktizieren kann. Das Ziel der Projekte: Kinder sicher aufwachsen lassen und Menschen zur Selbstständigkeit verhelfen. „Schauen Sie sich mal die Projekte von Schwester Paésie an“, regt Robert Heinze an. Die Ordensfrau kümmert sich um Straßenkinder in Haitis Hauptstadt.

Nur nicht locker lassen

Auch wenn Robert Heinze im Vorstand des Vereins in die zweite Reihe gerückt ist, liegt ihm die Arbeit immer noch am Herzen. Das spüren auch seine Gesprächspartner. Spätestens, wenn er von dem herzkranken Mädchen erzählt, dass ohne Operation keine Überlebenschance hatte. Alle Hebel hat er in Bewegung gesetzt und nicht locker gelassen, bis das Kind in Münster endlich behandelt werden konnte.

Zeit für Hobbys – außer Aquarium – bleibt die noch? „Alles unter zehn Kilometer fahre ich mit dem Rad“, sagt Robert Heinze. Am liebsten natürlich, wenn er mit Ehefrau Ilse an der Nordsee weilt. Und Musik? Bei Edith Piafs „Non, je ne regrette rien“ mag er den Text und Frank Sinatras Klassiker, der ein Lebensmotto sein könnte: „I did it my way“.

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