Landgericht Essen

Blitz-Einbrecher musste in Boxershorts zur Wache

Nach einer Serie von Blitz-Einbrüchen in Marl und Umgebung hat der erste Angeklagte sein Schweigen gebrochen. Seine Festnahme wird er nicht so schnell vergessen.
Am Essener Landgericht: Einer der Angeklagten im Prozess um Blitz-Einbrüche in Shell-Tankstellen mit angeschlossenen Postbankfilialen. © Jörn Hartwich

Es war früh morgens, als ein Spezialkommando der Polizei die Wohnung stürmte. Fünf Männer wurden festgenommen, Zeit zum Anziehen blieb nicht. „Ich hatte nur Boxershorts an“, sagte einer von ihnen am Montag im Prozess am Essener Landgericht. Erst später habe er auf der Wache eine Decke bekommen. „Und es war richtig kalt.“

Die Festnahme war im Februar erfolgt. Dem 28-Jährigen und seinen vier Mitangeklagten wird eine Serie von Blitzeinbrüchen in Shell-Tankstellen mit angeschlossenen Postbank-Filialen vorgeworfen. Einer der Tatorte war die Niederlassung an der Breite Straße in Marl. Dort waren die Täter in der Nacht auf den 31. Januar 2021 vorgefahren.

Nebelanlagen ausgetrickst

Die Vorgehensweise war immer gleich: Erst wurde die Eingangstür mit Hilfe von hydraulischen Spreizern geöffnet, dann der Tresor aufgeflext. Auch die mit der Alarmanlage gekoppelten Nebelanlagen, die den Tätern normalerweise sofort jegliche Sicht nehmen, waren kein Problem.

Darum hatte sich der 28-Jährige gekümmert, der im Prozess nun als erster ein Geständnis abgelegt hat. „Ich war der mit dem Schlauch“, sagte er den Richtern. „Damit bin ich sofort zu der Nebelanlage gelaufen und haben ihn unter die Düse gehalten.“ So sei der Nebel nach draußen abgeleitet worden.

In Marl waren damals etwas mehr als 7000 Euro erbeutet worden. In anderen Shell-Filialen gingen die Täter auch schon mal mit 90.000 Euro nach Hause.

Festnahme in Essen

Die Festnahme war nach einem Beutezug in Velbert erfolgt. Die Polizei hatte Hinweise auf eine konspirative Wohnung in Essen erhalten. Dort war schließlich auch der Zugriff erfolgt. „Ich hatte gerade mal zwei oder drei Stunden geschlafen“, sagte der 28-Jährige den Richtern. „Ich musste sofort nach draußen auf die Straße.“

Auch auf der Wache habe er später noch lange in Barfuß und nur mit Boxershorts bekleidet herumgesessen. Erst nach einigen Stunden habe er eine Jacke und Schuhe bekommen. „Das waren aber nicht meine.“

„Einfach losgefahren“

Er selbst will an zwei Beutezügen beteiligt gewesen sein. „Ich wollte da mitmachen, weil ich Geldprobleme hatte.“ Wer die Tatorte ausgesucht hat, wollte er im Prozess nicht verraten. Er selbst habe auf jeden Fall keine Ahnung gehabt, wo sich Shell-Tankstellen mit integrierten Postbank-Filialen befinden. Eine Liste habe er nie gesehen. „Wir sind einfach losgefahren und haben das gemacht.“ Das Geld sei anschließend geteilt worden.

Laut Anklage sollen die Täter bei sechs Blitzeinbrüchen fast 300.000 Euro erbeutet haben. Dabei waren sie laut Anklage jeweils nur drei bis fünf Minuten am Tatort. Die Flucht erfolgte mit schnellen Autos. In Marl soll ein Golf GTI benutzt worden sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

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