Böllerwurf auf Spieler von Preußen Münster Fußballfan aus Marl schweigt

Gerichtsreporter
Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Andreas Kabut im Essener Amtsgericht.
Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Andreas Kabut im Essener Amtsgericht. © Jörn Hartwich
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Es passierte in der 76. Minute, beim Stand von 1:1. Vor rund neun Monaten soll ein Fußballfan aus Marl im Stadion von Rot-Weiß-Essen einen sogenannten „Polenböller“ auf Ersatzspieler von Preußen Münster geworfen haben. Zwei Spieler, die sich hinter dem Tor warmgelaufen hatten, und der Athletiktrainer erlitten Knalltraumata. Auch ein Balljunge aus Marl wurde verletzt. Seit Mittwoch beschäftigt der Fall das Essener Amtsgericht. Der Vorwurf: Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. Zum Prozessauftakt hat der 29-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

SEK stürmte die Wohnung

Die Polizei hatte damals sofort unter Hochdruck ermittelt. Der Angeklagte war wenige Tage später in seiner Marler Wohnung von einem Speziellen Einsatzkommando (SEK) festgenommen worden. Der „normalen“ Polizei war der Fall zu gefährlich.

„Wir hatten in den sozialen Medien ein Video gefunden, auf dem zu sehen ist, wie der Angeklagte bei einer Feier mit einer Pistole in die Luft schießt“, so der Ermittlungsleiter der Polizei vor Gericht. „Deshalb konnten wir nicht ausschließen, dass er Waffen besitzt.“ Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung war dann allerdings nur Munition für eine Schreckschusspistole gefunden worden.

Spieler hielten sich die Ohren zu

Der 29-Jährige war nach der Auswertung von Fotos und Zeugenaussagen ins Visier der Ermittler geraten. Die Überwachungskameras im Georg-Melches-Stadion hatten nur wenig Aufschluss gegeben. Darauf war nur ein Mann mit einem auffällig hellen Kapuzenpulli zu sehen, der sich kurz bückt und dann offenbar irgendetwas wirft. Eine Identifizierung war mit Hilfe dieser Aufnahmen nicht möglich. Besser waren da schon die hochauflösenden Bilder eines Vereinsfotografen von Preußen Münster, der damals die Spieler fotografiert hatte, die sich vor Schmerzen die Ohren zuhielten. Dabei war auch die Tribüne eingefangen worden.

Außerdem hatte sich ein Zeuge gemeldet, der direkt hinter dem Angeklagten gestanden haben will. Er hatte der Polizei mitgeteilt, dass er genau gesehen hat, wer den Böller geworfen hat.

Bart war plötzlich ab

Schwer zu erkennen ist der Angeklagte allerdings auch nicht. Der 29-Jährige hat selbst am Kopf Tätowierungen. Den Bart war am Tag der Festnahme jedoch abrasiert. „Das war auffällig“, so der Ermittlungsleiter. Ungewöhnlich war auch, dass es rund um den Spieltag keinerlei Nachrichten oder Bilder mehr auf dem Handy des Angeklagten gab. „Das war alles bereinigt.“

Die Regionalligapartie vom 20. Februar 2020 war damals abgebrochen worden. Der Angeklagte hatte sich noch in derselben Nacht auf der Polizeiwache in Marl gemeldet und erklärt, dass er mit dem Böllerwurf nichts zu tun habe. Der Prozess wird fortgesetzt.