Lange Wartezeiten

Fahrschulen in Marl stecken weiter im Prüfungsstau

Bis zu drei Monate kann es nach Bestehen der theoretischen Prüfung derzeit dauern, ehe Schüler ihren Führerschein machen können. Das hat mehrere Gründe.
Noch immer müssen Fahrschulen und -schüler auf Prüfungstermine warten. © dpa

Die Lage in Marler Fahrschulen bleibt angespannt. Hauptproblem: Der für praktische Prüfungen zuständige TÜV Nord kann nicht genug Termine bereitstellen. „Wenn wir zehn Prüfungstermine pro Woche bestellen, bekommen wir vielleicht zwei,“ schildert Ebru Bayirci die aktuelle Situation. Für die Mitarbeiterin der 123-Fahrschule an der Bergstraße in Hüls begann die Misere im Sommer: „Seitdem haben wir deutlich weniger Prüfungen.“

Wut auf die Fahrschulen

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Anfang Juni teilte der TÜV Nord in einem Rundschreiben mit, dass unter anderem Corona-Einschränkungen bei der Ausbildung, Quarantäne-Fälle, Masken-Pausen bei Prüfern, Streiks und die von 45 auf 55 Minuten verlängerte Prüfungszeit mit dafür verantwortlich seien. Statt acht wären so nur zehn Prüfungen pro Tag möglich. Die Wut der Schüler und Eltern entlud sich oft in den Fahrschulen.

„Unsere Mitarbeiter erhalten dazu täglich Anrufe. Entweder direkt im Auto oder im Büro“, sagt Firdevs Sucur. Sie arbeitet in der Recklinghäuser Zentrale der CEM-Fahrschule, von der es auch eine Filiale in Hüls gibt. „Die Situation ist schon etwas besser als im Sommer, aber es dürfte noch lange dauern, bis wir zum normalen Rhythmus zurückkehren können“, schätzt Firdevs Sucur die Aussichten ein.

Ihre Kollegin Hanadi Jaddooh von der Marler CEM-Filiale an der Bergstraße geht von etwa sechs Monaten aus, bis alles wieder seinen gewohnten Gang geht. Auch sie spricht von vielen Beschwerden.

Frist von einem Jahr

Was vor Corona nahezu unproblematisch war, bereitet den Schülern jetzt deutlich mehr Kopfzerbrechen: „Nach dem Bestehen der theoretischen Prüfung haben Fahrschüler ein Jahr Zeit für ihre praktische Prüfung“, erklärt Ebru Bayirci. Eine Spanne, die angesichts längerer Lockdowns und Wartezeiten schneller verstreichen kann, als gedacht. Bei Verstreichen der Zeit müssten Schüler schlimmstenfalls ihre theoretische Prüfung wiederholen.

Drei Monate Wartezeit

Aktuelle Wartezeiten von bis zu drei Monaten nennt Volker Czimek von Volkers Fahrschule. „In Bayern können das sogar fünf Monate sein“, so der Fahrlehrer. Im Ruhrgebiet seien es derzeit bis zu 70.000 Menschen, die auf einen Prüfungstermin warten. „Da kann man sich ausrechnen, wie lange das dauert“, sagt Volker Czimek. Dazu drohen winterwetterbedingte Ausfälle. „Bei Schnee und Eis sollten keine Prüfungen stattfinden.“

Übrigens: Von der Möglichkeit, freigewordene Prüfungstermine in anderen, womöglich größeren Städten wahrzunehmen, raten die Fahrlehrer ab. Die Durchfallgefahr in ungewohnter Umgebung steige besonders für Fahranfänger.

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