Brandmeister-Ausbildung - mit Video

„Feuerwehr – das Beste, das du machen kannst“

Auf dem Betriebsgelände des Medienhauses Bauer werden Brandmeister-Anwärter an der Drehleiter ausgebildet. Die Begeisterung für den Job ist spürbar.
Praktische Ausbildung in luftiger Höhe: Brandmeister-Anwärter der Feuerwehr Marl haben am Medienhaus Bauer in Marl die Arbeit mit einer Dreh­leiter mit Rettungskorb (DLK) geübt. © Meike Holz

Es ist ein Panorama, das beeindruckt, auch ein Moment der Stille, des Respekts. 30 Meter über dem Betriebsgelände des Medienhauses Bauer, im Korb der großen Drehleiter der Berufsfeuerwehr Marl, schweift der Blick über die Dächer unserer Heimatstadt. Das üppige Grün tausender Baumkronen reicht in alle Richtungen bis zum Horizont. Nur wenige Gebäudekomplexe ragen daraus hervor: Der Chemiepark, Hochhäuser, Windräder, die Schachtgerüste von AV. Und dieser Blick gibt einen Fingerzeig darauf, woher die Begeisterung der jungen Männer kommt, die jetzt mit heißem Herzen den Beruf des Feuerwehrmanns erlernen.

Mit der Drehleiter fährt der Korb an das geöffnete Fenster im dritten Stock des Medienhauses heran. So könnten im Brandfall Mitarbeiter gerettet werden. © Meike Holz © Meike Holz

Alle Anwärter haben schon eine Berufsausbildung

Drehleiterausbildung am Medienhaus. Die kleine Gruppe der Brandmeister-Anwärter übt hier für die Prüfung. Geht alles gut, werden sie am 1. Oktober als frischgebackene Brandmeister mit Beamtenstatus ihren Dienst auf den Feuerwachen im Kreisgebiet antreten. Sie alle haben schon eine Berufsausbildung hinter sich, sind gelernte Handwerker, wie Oberbrandinspektor Roman Engler vor Ort erklärt. Mit buchstäblichem Feuereifer geht es an das technische Wunderwerk der Drehleiter. Ein Fahrzeug, das vor allem einem Einsatzzweck dient: der Rettung von Menschenleben.

Brandmeister-Anwärter Paul Stawinoga hat ein klares Berufsziel vor Augen: Feuerwehrmann werden. © Meike Holz © Meike Holz

Paul Stawinoga gehört zu den Brandmeister-Anwärtern. Der 33-jährige gelernte Mechatroniker aus Hüls hatte sieben Jahre als Qualitätsprüfer bei einer Maschinenbaufirma gearbeitet, die unter anderem Windräder herstellte. „Am Anfang war der Job spannend, wurde aber immer monotoner. Hier dagegen gibt es jede Menge Abwechslung.“ Stawinoga weiter: „Mein Bruder hat mir gesagt, Feuerwehr, das ist das Beste, was du machen kannst.“ Er war schon vor Jahren als ehemaliger Bergmann zur Feuerwehr gewechselt.

Paul Stawinoga sucht die Herausforderung, und er weiß, dass der Beruf mehr mit sich bringen wird als Kameradschaft, Technik und Abenteuer. Extremsituationen warten auf ihn. „Ich habe es in der Ausbildung schon erlebt. Eine Person, die vom Zug überfahren wurde. Der Anblick war schrecklich, aber ich kann damit umgehen.“

Drehleiter-Ausbilder Julian Hülsmann stammt aus einer alten „Feuerwehr-Dynastie“. © Meike Holz © Meike Holz

Besonnenheit ist gefragt, keine Rambo-Typen

Julian Hülsmann ist Ausbilder an der Drehleiter. Der 32-jährige Sinsener hat klare Anforderungen an den Nachwuchs: „Wir brauchen hier keine Rambos, wir brauchen ruhige, besonnene Menschen, die auch bei Stress nicht hektisch werden.“ Hülsmann ist kein Quereinsteiger: „Ich komme aus einer Feuerwehr-Dynastie, sagt der Oberbrandmeister und gelernte Mechatroniker: Schon mein Opa war dabei, ich selbst ging vor 22 Jahren zur Jugendfeuerwehr. Und Hülsmann pflegt in jeder Ausbildungspause eine alte Tradition, die wohl Bergleute mit in die Feuerwehr gebracht haben: Eine Prise Schnupftabak.

Am abgesenkten Korb der Drehleiter wird der Einsatz von Rettungsmitteln geübt. © Meike Holz © Meike Holz

Das Gelände des Medienhauses Bauer ist für die Drehleiter-Übungen besonders gut geeignet, wie Lehrgangsleiter Roman Engler betont: „Wir haben hier verschiedene Gebäudehöhen und Bauformen, wir haben hier Vordächer. All das ermöglicht eine gute Allround-Ausbildung.“ Warum das Ganze? „Große Brände sind eher selten, aber wenn, dann muss alles klappen. Deshalb heißt es üben, üben üben.“

Die Ausbildung zum Brandmeister ist körperlich fordernd. Schon beim sportlichen Einstellungstest wird kräftig gesiebt. Dennoch sind auch zwei Frauen im Lehrgang. Für Roman Engler eine Selbstverständlichkeit: „Die beiden haben alle Leistungstests bewältigt, sie sind engagiert, sie sind einfach gut, sie werden es schaffen!“

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