Modellbahn AG - mit Video

GiL-Schüler hatten Bahnlinie Sinsen-Bochum schon 1999 erdacht

Die Modellbahn AG des Gymnasiums im Loekamp erarbeitet seit vielen Jahren Konzepte für den Bahnverkehr. In den Kellern der Schule steht noch immer die zukunftsweisende Anlage von 2003.
Wilhelm Wlost und die stellvertretende Schulleiterin Diana Lorra präsentieren in den Kellerräumen des GiL einige Module der Modelleisenbahnanlage aus dem Jahr 2003, die seinerzeit auf der Modellbahnmesse in München ausgestellt wurde.. Zu erkennen ist vorne rechts die Bochumer U-Bahn, die in Recklinghausen-Süd aus dem Tunnel kommt, um als S-Bahn weiter Richtung Sinsen zu fahren. © Julia Dziatzko

Das ist ein später Triumph für das Gymnasium im Loekamp: Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) richtet ab dem Winterfahrplan 2022/23 eine neue Regionalbahnverbindung ein. Der stündlich zwischen Haltern am See und Bochum Hbf fahrende Zug wird auch in Marl-Sinsen halten. Die Ruhr-Universität rückt für junge Marler so ein gutes Stück näher. Genau diese Idee hatten Schülerinnen und Schüler des GiL schon vor 22 Jahren in einem Projekt entwickelt und sogar Bahn-Vertretern vorgelegt. Damals wurde abgewunken, jetzt hat der VRR endlich die Vorzüge erkannt, die den Jugendlichen im Jahr 1999 schon klar vor Augen standen.

Eine Alternative zum Dauerstau auf der A43

Es ist ein Abstieg tief in die Kellergewölbe des GiL. Hinter Turnmatten, Sportgeräten, Bällen und Kästen tauchen in massiven Regalen die Module jener Modelleisenbahn wieder auf, die Wilhelm Wlost im Jahr 2003 mit Schülerinnen und Schülern bei einer Neuauflage des Projekts konstruiert hatte. Der 68-jährige, eigentlich pensionierte Lehrer für Mathe, Physik und Informatik leitet bis heute eine seit 2006 kontinuierlich bestehende Modellbahn-AG, deren Anfänge auf das Projekt einer Bahnverbindung von Marl nach Bochum zurückgehen.

Die schon etwas angestaubten Module sind schnell wieder zusammengesetzt, Gleisanlagen fügen sich zusammen, Modellhäuschen, Fern- und Güterzüge und eine kombinierte U-Bahn/S-Bahn finden ihren alten Platz. Die Liebe zum Detail, die die Kinder damals hatten, ist sofort wieder erkennbar. „Schon damals war der Dauerstau auf der Autobahn 43 der Anlass für unser Projekt“, erinnert sich Wlost, der seit 1979 an der Schule unterrichtet. „Wir haben nach umweltfreundlichen Alternativen gesucht und in amtlichen Verkehrsplänen die Gleisanlage entdeckt, die auch jetzt Grundlage der neuen Verbindung nach Bochum ist.

Detailaufnahme: Auch der Bahnhof Marl-Sinsen ist in der Modellbahnanlage aus dem Jahr 2003 liebevoll nachgebaut. © Julia Dziatzko © Julia Dziatzko

Bevorzugt war die Nord-Erweiterung der Bochumer U-Bahnlinie 35

Nicht umsonst steht bei einem Modul das Autobahnkreuz Herne nebst Rhein-Herne-Kanal und Gleisanlagen im Mittelpunkt. Hier befindet sich der fast vergessene Schienenstrang, der bislang nur von Güterzügen und umgeleiteten Fernzügen genutzt wurde. Er verbindet Recklinghausen-Süd mit Bochum und wird künftig Teil des VRR-Netzes sein. Und zwischen Herne und RE-Süd taucht im Modell eine U-Bahn aus der Röhre auf und fährt als S-Bahn über RE Hbf nach Sinsen. Mit anderen Worten: Die Neuntklässler des GiL haben sich damals für die Verlängerung der Bochumer U-Bahn-Linie 35 Richtung Norden ausgesprochen. Das hätte bedeutet. Man steigt in Sinsen ein und ohne Umsteigen an der Ruhr-Uni wieder aus. Bekanntlich wurde das Projekt damals verworfen – aus heutiger Sicht wohl eine klare Fehlentscheidung.

Steuerung per Tablet und Handy

Die Modellbahn-AG am GiL hängt heute eng an der MINT-AG und der Roboter AG. Es geht um praktische Mathematik, um Mess- und Regeltechnik, das Arbeiten mit Mikroprozessoren, um physikalische Experimente und das Erlernen von Programmsprachen. „Eine Steuerung der Modellbahnen per WLAN ist im Aufbau. Demnächst sind dafür Tablet und Handy im Einsatz“, sagt Wilhelm Wlost.

In den heutigen Räumen der Modellbahn AG fahren die Züge auch am Schachtgerüst von AV und den Anlagen des Chemieparks vorbei. Die Schülerinnen und Schüler versuchen jedes Jahr aufs Neue, in Kooperation mit der Stadt Marl den heimischen Bahnverkehr zu optimieren. Auch die heute existierende Radstation am Bahnhof Sinsen und der Fahrstuhl für die Fahrgäste sind am GiL erdacht worden.

Corona hatte auch die Modellbahn AG mächtig ausgebremst. Jetzt geht es mit Volldampf ins neue Schuljahr. Wilhelm Wlost ermutigt auch Fünftklässler, einzusteigen. Schulleiter Marc Brode betont: „Die Bahn steht für die Schlüsselmobilität der Zukunft. Die Schülerinnen und Schüler am GiL werden hier auch in Zukunft einen Beitrag leisten.“

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