Riesennachfrage bei Hausärzten

Impfstoff-Verfügbarkeit ist der Flaschenhals

Das Ende der Impf-Priorisierung zu verkünden, ist eine Sache. Wie niedergelassene Mediziner in der Praxis mit der Freigabe zurechtkommen, steht auf einem anderen Blatt.
Die Abwehrreaktion des Körpers ist laut einer Studie bei der Impfstoffkombination von Astrazeneca und einem mRNA-Impfstoff „geringfügig höher“ als bei einer zweifachen Biontech-Impfung. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Mit dem offiziellen Schließen der Priorisierungslisten in der Corona-Schutzimpfungskampagne ist am Montag exakt das eingetreten, was auch ohne Studienabschluss als Prophet vorhersehbar gewesen ist: Niedergelassene Ärzte wurden und werden von Nachfragen überrollt. An Tag 2 ohne Impf-Reihenfolge hat Dr. Markus Böddeker, Sprecher im Vorstand des Marler Arztnetzes (MAN), die Zeit zum Gespräch mit der Marler Zeitung – in der Mittagspause, versteht sich. Seine Situationsbeschreibung deckt sich mit dem Erwarteten. „Wir verimpfen, was nur geht. Aber niemand kann sich Impfstoff aus den Rippen schneiden.“

Die Verfügbarkeit der Vektor-Impfstoffe Astra Zeneca und Johnson & Johnson oder der mRNA-Entwicklungen von Moderna und Biontech war und ist der Flaschenhals bei der Umsetzung der Impfstrategie. Der Nachschub für Haus- und Fachärzte, Betriebsärzte und Impfzentren ist höchst übersichtlich. Die Rede ist nicht von Tausenden an Impfdosen pro Woche, sondern teils einigen Dutzend.

Folge: Impfwillige versuchen per „Schrotschuss“ – aufs Geratewohl und in etlichen Praxen parallel – per Telefon oder E-Mail Impftermine zu ergattern.

„Impf-Wunsch ist absolut verständlich“

„Der Wunsch, geimpft zu werden, ist absolut verständlich, wir können nur um Geduld bitten“, erklärt Dr. Böddeker. „Meine Kollegen und ich erleben, dass sich Menschen an uns wenden, zu denen wir noch nie Kontakt hatten. Ich habe selbst Anfragen aus Dortmund bekommen. Es macht keinen Sinn, alle Ärzte in der Hoffnung anzurufen, dass irgendwer impfen wird.“

Zur Schilderung gehört auch, dass niedergelassene Ärzte schon seit April Vakzine verimpfen und genau wissen, welchen Patientinnen und Patienten sie ein Angebot machen – eben weil es wegen schwere und/oder chronische Erkrankungen drängt.

Was Dr. Markus Bödeker und seine Kollegen auch immer wieder feststellen: Es gibt Menschen – auch Ü 80 und gesundheitlich vorbelastet – die trotz Priorisierung bisher durch alle Raster gefallen sind. Alleinstehende und mit Terminvereinbarungen Überforderte, Pflegebedürftige, Menschen die nicht vom Fleck kommen. „In Senioreneinrichtungen waren mobile Impfteams unterwegs, jeden Einzelfall abzudecken, ist logistisch kaum zu schaffen“, so Dr. Böddeker.

Was Ärzte auch beobachten, ist die Forderung von Patienten, dass nach einer Erstimpfung mit einem Vektor-Impfstoff auch die Zweitimpfung mit diesem Präparat erfolgt. Grund: Es gibt die Sorge, dass Reiseländer z.B. eine Astra/Biontech-Kombination nicht anerkennen. Dabei ist sie nach Lage der Dinge vom Schutz sogar überlegen. Doch eine EU-weite Regelung für solche Fälle zu schaffen, ist für Hausärzte ebenso wenig leistbar wie mehr Impfstoff-Nachschub.

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