Umfrage - mit Video

Kosten Corona-Schnelltests bald Geld?

Die Bundesregierung plant die Abschaffung kostenloser Schnelltests. Wir hörten uns bei Marlerinnen und Marlern und in Marler Testzentren um: Was halten Sie von kostenpflichtigen Bürgertests?
Zeynepsara Coglu führt bei Elena Stoll einen Corona-Schnelltest durch. Die Marlerin fährt einmal wöchentlich ins Testzentrum an der Brassertstraße. © Patrick Köllner

Am Wochenende ließ die große Koalition aus CDU/CSU und SPD durchblicken, dass Corona-Schnelltests schon bald kostenpflichtig werden könnten. Über einen genauen Zeitpunkt oder den Preis, der dann dafür zu bezahlen wäre, ist allerdings noch nichts bekannt. Wir fragten nach, ob das Thema bei Marler Bürgern und dem Personal in Testzentren schon angekommen ist.

Zahl der Urlauber nimmt zu

Im Testzentrum am Marien-Hospital liegen noch keine Infos zu einer möglichen Kostenpflicht vor. Dafür fragen viele Leute hier aber durchaus nach einer möglichen Bezahlung, sagt Mitarbeiterin Michelle Gburek auf Nachfrage. Der Andrang sei von Tag zu Tag verschieden. „Zu Beginn und am Ende der Woche kommen vermehrt Leute. Aktuell sind darunter viele Urlauber“, so Michelle Gburek. Arne Hutmacher, kaufmännischer Leiter des Zentrums, stellt die möglichen Kosten in Aussicht: „Laut der Gebührenordnung für Ärzte zahlen Privatpatienten 27,48 Euro für einen Test.“ Das sei auch die Größenordnung, auf die man sich einstellen könne.

Michelle Gburek arbeitet im Testzentrum am Marien-Hospital. Derzeit kommen vermehrt Urlauber vorbei. Viele fragen nach möglichen Kosten für den Test. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Kosten von 25 bis 30 Euro sind realistisch

Mit solchen Preisen rechnet auch Dimitri Nefedev. Er muss sich regelmäßig beruflich testen lassen und hat dazu normalerweise auch auf seiner Arbeitsstelle die Möglichkeit dazu. „Heute komme ich aber aus dem Urlaub und muss deswegen selbst einen Test machen lassen“, sagt Dimitri Nefedev. Dazu machte er sich auf den Weg ins Zentrum an der Brassertstraße neben der Glück auf-Schule.

Hier arbeiten Zeynepsara Coglu und Demirkan Kirazli. Von demnächst möglichen Kosten wissen auch sie noch nichts. „Die Leute fragen aber oft danach“, sagt Demirkan Kirazli. Bis zu 150 Leute kämen täglich in Brassert vorbei.

Dimitri Nefedev muss sich beruflich testen lassen. Preise von 25 Euro wären im dafür zu teuer. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Registrierung beschleunigt den Prozess

Wenn die Personen schon einmal ihre Daten hinterlegt haben, liegt das Ergebnis schnell vor. „Nach etwa 15 Minuten kommt das Resultat auf dem Handy an“, erklärt Demirkan Kirazli. Die Kundschaft sei gemischt, es gebe aber eine Tendenz zu älteren Menschen. Die Frage nach den Kosten werde in Brassert jedenfalls öfter gestellt. „Wir können dann aber keine Antwort geben, weil uns noch keine Informationen vorliegen“, sagt Zeynepsara Coglu.

Demirkan Kirazli (li.) und Zeynepsara Coglu arbeiten im Testzentrum in Brassert. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Tests für Urlauber

Für Elena Stoll, die einmal wöchentlich in Brassert zum Test vorfährt, wären kostenlose Tests weiterhin richtig. Mit einem Preis von fünf Euro könnte sie allerdings leben. Und wenn Leute in den Urlaub wollen, sollten sie sich auch testen lassen müssen. Das sollte auch für Reiserückkehrer gelten. Preise von knapp 60 Euro für bestimmte Länder hält Elena Stoll aber für zu hoch. Wer sich nicht impfen lässt, sollte aber durchaus bezahlen müssen.

Das sieht Daria Jaworski völlig anders. Die Krankenschwester ist schwanger und möchte sich deswegen nicht impfen lassen. Sie sagt: „Ich finde es eine Unverschämtheit, für Corona-Tests Geld zu verlangen. Ich muss mit meinen Kindern oft zum Einkaufen und fahre mit ihnen auch mal ins Kino. Soll ich dann jedes Mal einen Test bezahlen?“.

Für Daria Jaworski wären kostenpflichtige Corona-Tests eine Unverschämtheit. © Patrick Köllner © Patrick Köllner

Sinkende Besucherzahlen

Im Testzentrum im Marler Stern ist über kommende Kosten ebenfalls noch nichts bekannt, dafür läuft hier alles nach Plan. „Je nach Wochentag haben wir 20-30 oder auch 50-80 Besucher hier“, sagt Mitarbeiterin Romy Häußler. Die Zunahme von Leuten, die einen Test für den Urlaub brauchen, sei deutlich spürbar. Das junge Team ist jedoch eingespielt, die Handgriffe sitzen. Außerdem seien die Besucherzahlen in den letzten Wochen stark gesunken. „Zu Spitzenzeiten hatten wir hier bis zu 900 Menschen an einem Tag“, sagt Nico Mützenich. Darum hat das Zentrum seine Öffnungszeiten auch eingeschränkt. Seit dieser Woche steht das Personal den Besuchern erst ab 14 Uhr zur Verfügung. Feierabend ist um 19 Uhr.

Der Abend in Marl

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt