Naturschutz

Marler Jäger retten Wild-Nachwuchs mit der Drohne

Rehkitze, Junghasen und Fasane leben auf Feldern und Wiesen gefährlich, wenn Erntegerät anrollt. Der Hegering Marl investiert in Technik, um Tiere zu retten, Landwirte zu unterstützen.
Los geht‘s: Lars van den Bruck (l.) und Adam Smirnow vom Hegering Marl gehen zu Demonstrationszwecken auf Luftpatrouille. © Jörg Gutzeit

Bsssss… Der Sound erinnert an Wespen im Anflug auf Pflaumenkuchen. Fliegen kann das Ding auch, nur dass es statt eines Stachels moderne Kameratechnik trägt. Der Hegering Marl hat in die Tasche gegriffen und einige tausend Euro in eine Drohne investiert, mit der die Jäger Felder und Wiesen überfliegen können, um Wildtiere und speziell deren Nachwuchs ausfindig zu machen – bevor es gefährlich wird, wenn Landwirtschaftsgerät zur Ernte anrückt.

Kooperation mit Landwirten ist das Ziel

„Wir bieten gerne Hilfe an“, sagt Lars van den Bruck. Er demonstriert mit Adam Smirnow auf einem Feld nahe der Haard, was die Drohne kann. Smirnow ist Hegering-Jungjägerobmann – van den Bruck könnte so etwas wie der Drohnen-Obmann werden. Den passionierten Jäger interessiert alles, was mit Elektronik zu tun hat – und zwar ebenso wie der Naturschutz. Eine gute Kombination.

Schon nach ein paar Minuten Flug hat die Wärmebildkamera einen Hasen ausfindig gemacht – es ist der gelbe Farbklecks inmitten der orange (wärmer) und blau (kühler) dargestellten Umgebung. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Zurück aufs Feld an einem Tag, an dem es mal nicht regnet. Kühl ist es wohl, aber das begünstigt es, auf Anfrage der Marler Zeitung eine Luftpatrouille mit der „DJI Mavic 2 Enterprise Advanced“ zu begleiten. Denn neben „normalen“ Luftbildern liefert die Drohne Wärmebildaufnahmen in Echtzeit – sie macht sich Temperaturunterschiede zwischen Tier und Umgebung zunutze. Mit ein paar Handgriffen hat van den Bruck den Flieger startklar und sicherheitshalber seinen Deutsch-Kurzhaar-Rüden „Gero“ als Fotomodell dabei.

Selbst die langen Löffel eines Hasen sind erkennbar

Tatsächlich werden Hund, Jäger und Reporter auf dem Display ruckzuck sichtbar. Die Drohne zieht immer größere Kreise, van den Bruck fliegt Waldrand und Feld ab. Es dauert nicht lange, bis ein gelber Wärmebild-Farbklecks auftaucht – ein Hase. Selbst seine langen Löffel sind von oben erkennbar.

Er liegt ganz ruhig, Hase und Rehkitz machen das, was ihnen der Instinkt vorgibt. Sie bleiben in Deckung und versuchen, sich „unsichtbar“ zu machen. „Sie machen sich am Boden klein, die Tarnung ist perfekt“, wissen Smirnow und van den Bruck. Ein Kitz würde man im Feld selbst dann nicht sehen, wenn man direkt daneben stünde. Es ist ein Dilemma für die Landwirte: Es lässt keinen keinen kalt, wenn ein Tier bei der Feldarbeit verletzt oder getötet wird. Doch wenn die Erntezeit da ist und das Wetter stimmt, muss alles schnell gehen. Was tun?

Die Drohne kommt im Koffer, Fluggerät und Zubehör macht Lars van den Bruck mit ein paar Handgriffen startklar. © Jörg Gutzeit © Jörg Gutzeit

Hier setzt die Initiative der Jäger an. Für Hegering-Leiter Holger Scheer hat die Drohnen-Idee großes Potenzial. „Wir stehen parat, wenn die Landwirte unsere Unterstützung möchten.“ Während das Absuchen großer Flächen „von Hand“ schon wegen der Organisation der vielen benötigten Helfer illusorisch ist, legt die Drohne sehr flotte große Strecken zurück. „Wie will man zehn Hektar ablaufen?“, fragt Lars van den Bruck. „Mit der Drohne ist man einfach schneller.“

Führerschein ist gefordert

Der Hegering Mal treibt das Projekt – unterstützt von Kreisjägerschaft und Land NRW – planvoll voran. „DJI Mavic 2 Enterprise Advanced“ ist kein Spielzeug, um eine Runde um den Weihnachtsbaum zu fliegen. Man braucht einen Drohnen-Führerschein, eine Versicherung – und geübte Piloten. Mit Lars van den Bruck sollen am Ende drei, vier Jäger im Umgang mit dem Gerät vertraut sein. Das Ziel: Bauern auf Anforderung bei der Wildsuche helfen. „Man muss dann schauen, wie man das organisiert – in der Ernte werden viele gleichzeitig auf dem Feld sein“, sagt Lars van den Bruck.

Was geschieht, wenn Kitze oder Junghasen lokalisiert werden? Man kann die Tiere umsetzen, etwa in speziellen Boxen. Jäger wissen wie es geht, ohne dass Muttertiere den Nachwuchs verlassen. Laien müssen dringend die Finger davon lassen. „Bitte, kein Kitz anfassen, falls man doch mal eins entdeckt“, laute Holger Scheers Appell. „Und den Hund in der Brut- und Setzzeit an die Leine nehmen.“

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